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Warum ich aufgehört habe, Unterhosen zu tragen

Kein Höschen, kein Problem: Unsere Redakteurin lässt immer mal wieder ihren Slip im Schrank. Ein Plädoyer dafür, ab und an Kommando zu gehen. Das ist nämlich nicht nur gut für die Gesundheit.

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Warum ich aufgehört habe, Unterhosen zu tragen

Die Hoserl dürfen ruhig mal auf der Wäscheleine bleiben!

© iStock

Unterhosen waren bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein ein Accessoire, mit dem sich allenfalls höhere Stände belasteten. Das einfache Volk trug darunter: Nichts. Unsere Geschlechtsgenossinnen blieben überhaupt gleich bei Über- und Unterrock, unter dem nichts getragen wurde. Es gab nur wenige weibliche Tätigkeiten, bei denen Frauen vor 1800 auf Unterhosen zurückgriffen. In den Niederlanden kamen sie laut Aufzeichnungen beim Fensterputzen zum Einsatz. Auch Tänzerinnen sollen sich ihrer bedient, aus marketingtechnischen Gründen aber auch durchaus darauf verzichtet haben.

Was dann kam? Die industrielle Revolution, Nähmaschinen, ein neues Hygienebewusstsein und so etwas wie bürgerliche Moral. Und während man in den Fünfzigern unseren Großeltern in der Schule noch eintrichterte, zumindest einmal in der Woche die Unterhose zu wechseln, stellte sich in den Jahren darauf nicht einmal die Frage, auf einen (frischen) Slip zu verzichten. Gleichzeitig raten uns Frauenmagazine seit Jahrzehnten, ab und an ohne Hoserl aus dem Haus zu gehen; vorzugsweise in Artikeln à la "20 versaute Dinge, die du jenseits des Bettes mit deinem Freund tun kannst! " Sex scheint für die Allgemeinheit der eigentliche und einzige Grund zu sein, im 21. Jahrhundert den Slip im Schrank zu lassen - und vielleicht noch Aufmerksamkeit. Schuld daran? Vermutlich die 00er-Jahre und Britney Spears ... ihr erinnert euch.

Frei nach Shakespeare: To commando or not to commando?

Dabei - und es tut mir wirklich Leid, euer Weltbild zu zerstören - dabei ist das Ding mit dem Unten Ohne eine weitaus kleinere Sache als viele glauben wollen. Vor allem, weil du in Wahrheit absolut keiner einzigen Person erzählen musst, dass du gerade keine Unterwäsche trägst. OK. Ich erzähle es euch gerade. Aber nur aus Gründen der Missionierung. Also nochmal offiziell: Hallo, ich heiße Katharina und geh' gern unterhosenlos. Nicht, weil ich sonderlich promiskuitiv wäre, nicht, weil ich Z-Promi bin und wieder einmal in der Klatschspalte landen möchte. Vielmehr begann alles damit einmal vergessen zu haben, einen frischen Slip in meine Sporttasche zu packen. Die Vorteile, ohne Unterhose zu trainieren waren instant. Nur logisch, dass die eigentlich zufällig gestartete Versuchsreihe bald ausgeweitet wurde. Radlerhosen. Strumpfhosen. Röcke. Ein Befreiungsschlag.

Was ich damit sagen will: Mehr Frauen sollten das Konzept "Unten Ohne" wieder aufgreifen. Warum? Darum:

#1 Es ist verdammt nochmal angenehm:

Der Hauptgrund, ab und an auf Unterwäsche zu verzichten? Der Komfort. Eine warme Sommerbrise. Deine Vagina. Und nichts, das sie voneinander trennt. Es gibt kaum Angenehmeres. Ihr glaubt mir nicht? Ausprobieren. Tut es einfach. Jetzt gleich. Hopp!

#2 Nichts zwickt!

Jeder hat sie: Die Unterhose, die vielleicht gut ausschaut, aber zwickt wie Sau. Es ist ein No-Brainer, aber ich sage es trotzdem: Kein Höschen, kein Problem! Du wirst nie mehr auffällig unauffällig deinen Tanga aus der Po-Ritze ziehen müssen. Vielmehr fühlt es sich an, als wäre dein Leben eine einzige Pyjamaparty. (Und Jede, die unter blickdichten Strumpfhosen noch immer Unterhosen anzieht, hat das Spiel des Lebens ohnehin noch nicht verstanden. Aber das ist nur meine Meinung.)

#3 Keine (sichtbaren) Abdrücke

Wir alle kennen das Phänomen: Eine Frau in engen, hellen Hosen, die vergessen hat ihren bunt gepunktenen Omaschlüpfer (in Farbe, Form und Kontur für die ganze Welt sichtbar) gegen einen hautfarbenen zu tauschen. Geht man gleich Kommando, muss man sich über einen solchen Fauxpas erst gar keine Gedanken mehr machen. Ganz zu schweigen von den Gummibundabdrücken auf der Haut.

#4 Es kann tatsächlich helfen, Infektionen vorzubeugen

Schon die Oma meiner besten Freundin predigte uns immer: "Untergatti aus beim Schlafen, ihr müsst auslüften! " Und Großmütter haben bekannterweise immer recht. Ist dein Genitalbereich empfindlich und anfällig für Infektionen, raten Gynäkologen tatsächlich, auf Unterwäsche zu verzichten - zumindest nächtens. Vaginen sind von Natur aus feucht und haarig - da noch eine weitere Schicht in Form von Unterwäsche ins Spiel zu bringen, ist also gar nicht soooo gescheit: Es sammelt sich nur noch mehr Feuchtigkeit, was eine ideale Umgebung für das Wachstum von Pilzen ist. Und mit den Nachteilen von String-Tangas möchte ich hier gar nicht anfangen (sie beinhalten Bakterien am Anus).

#5 Kein Spaß: Du fühlst dich weiblicher

Nein. Einen Teufel wirst du tun und nur unterhosenlos durch die Weltgeschichte spazieren, weil du deinen Partner beeindrucken Schrägstrich "anturnen" möchtest. Wenn Männer mit ihrer Nacktheit angeben, benutzen sie meist Adjektive wie "befreiend". Und es stimmt: Wenn ich keine Unterwäsche trage, geht es dabei rein um mich. Weil ich mich wohlfühle. Weil es praktisch ist. Ja; auch, weil es tatsächlich befreiend ist und (zumindest ich) mit meiner Weiblichkeit nicht zuletzt deswegen immer mehr im Reinen bin.

Wieso können wir Frauen also nicht auch einfach mal BH und Höschen in die Ecke fetzen, ohne dass uns gleich unlautere Absichten unterstellt werden? Hm? Eben. Da geht es nicht um Sex, da geht es nicht um Perfektion, da geht es um Mut. Mut haben, sich die gleichen Rechte herauszunehmen, die Männer schon längst haben, Mut haben, den eigenen Körper vollkommen zu verhüllen oder eben zu enthüllen. Und zu dem Sex-Ding : Der Mensch, der dich vorzugsweise nackert sieht, findet dich in der ausgeleierten Baumwöllernen fix genauso super. Wenn nicht? Die Antwort kennst du.

#6 Wegen des "Frischegefühls"

Enganliegende Hoserl oder Tangas können gerade an heißen Tagen schnell mal unangenehm werden: Es kommt nämlich so gut wie keine Luft an deinen Allerwertesten, wenn er immer verpackt ist; die Hitze staut sich. Du wirst staunen, wie frisch du dich fühlst, wenn für gute Durchlüftung schon automatisch gesorgt ist.

#7 Manchmal muss es einfach sein

Wenn du keine saubere Unterwäsche mehr hast (oder nur die eine, die zwickt - wir verstehen uns.) und du schlicht zu faul bist noch zu waschen, denk' nicht einmal daran, zu deiner Schmutzwäsche zu gehen und eine noch grade so Akzeptable rauszufischen. Ich bitte dich: Geh' stattdessen einfach Kommando. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für den Start als jetzt.

#8 Niemand bemerkt es

Punkt.

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