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"Menschen werden gewalttätig wegen etwas, das ich mir nicht ausgesucht habe"

Teddy Quinlivan ist erfolgreiches Model und präsentiert auf den Laufstegen dieser Welt ihren Körper - einen Körper, mit dem sie sich aber nicht identifizieren kann. Und wofür sie und viele andere Transgender angefeindet oder sogar ermordet werden.


Model Teddy Quinlivan
© Getty Images

„Es ist politisch, aber ich mache es auch für mich selbst,“ so outet sich Model Teddy Quinlivan als Transgender. Die 23-Jährige ist ein bekanntes Gesicht auf den Laufstegen dieser Welt und für einige Kampagnen in Erscheinung getreten. Allein während der diesjährigen New York Fashion Week ist sie für Jeremy Scott, Carolina Herrera und Diane von Fürstenberg gelaufen.

Ihre Entscheidung sich erstmals in einem CNN Style-Interview zu outen, ist in der Politik verwurzelt: „Ich habe wegen des aktuellen politischen Klimas in der Welt, besonders in den USA, beschlossen, über meine Transidentität zu sprechen. Während Obamas Amtszeit haben wir beachtliche Fortschritte gemacht, aber seit dem Regierungswechsel erleben wir einen Rückschlag. Es kam zu Gewalt und sogar Morden gegen Transsexuelle, besonders gegen farbige Transgenderfrauen. Es ist politisch, aber ich mache es auch für mich selbst. Ich war bereit für mein Coming-Out, aber ich glaube auch, dass die Zeit, in der wir leben, die Wichtigkeit und Dringlichkeit gesteigert hat.“

Auch wenn in der Modebranche einige bekannte Namen wie die Gucci-Muse Hari Nef oder Andreja Pejić Vertreter der Transgender-Community sind, ist das Model leicht nervös: „Ich bin auf jeden Fall etwas nervös, weil ich so lange als Cisgender (Anm. der Redaktion: Cisgender bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität übereinstimmend ist mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. ) aufgetreten bin. Wenn man sich als transsexuell outet, mag es auch Gegenwind geben.

»Mein Optimismus übertrifft meine Angst.«

Menschen könnten mir gegenüber gewalttätig werden wegen etwas, das ich mir niemals ausgesucht habe. Das macht mich etwas unruhig, aber ich bin auch sehr aufgeregt, meine Geschichte mit der Welt zu teilen. Mein Optimismus übertrifft meine Angst.“

Auf die Frage, was sie vom Label „Transgender-Model“ halte, äußert Quinlivan keine großen Bedenken: „Ich glaube nicht, dass es ein Problem ist, weil ich nicht glaube, dass irgendwas falsch daran ist, transsexuell zu sein. Wenn das jetzt mit meinem Namen verbunden ist, ist es das wert. Nichtsdestotrotz freue ich mich auf den Tag, an dem es keine Rolle mehr spielt.“

»Ich freue ich mich auf den Tag, an dem es keine Rolle mehr spielt.«
Model Teddy Quinlivan

Mit einer neuen Generation von Models unterschiedlicher Herkunft, Hautfarben, Kulturen, Geschlechtern und Sexualitäten bekommt man das Gefühl, dass die Modeindustrie eine dankbare Bühne für ein Outing bietet. „Ein Weg, transsexuellen Menschen zu helfen, ist, ihnen eine Stimme zu verleihen und ich glaube, dass die Modeindustrie eine entscheidende Rolle dabei spielt. Dort wird entschieden, was angesagt ist, was cool ist, was akzeptiert wird. Es geht nicht nur darum, wer auf den Laufstegen ist, sondern wer an jedem Zeitschriften-Kiosk zu sehen ist. Die Transgender-Community braucht mehr Sichtbarkeit und mit mehr Sichtbarkeit wird auch mehr Akzeptanz kommen“, so Terry Quinlivan.

»Die Transgender-Community braucht mehr Sichtbarkeit und mit mehr Sichtbarkeit wird auch mehr Akzeptanz kommen.«

Mehr dazu siehst du im folgenden Video oder kannst du auf CNN International nachlesen.

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