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Eine Traumhochzeit? Leider ganz und gar nicht: Weltweit gibt es immer noch zu viele Kinderehen

Die Hochzeit - der Tag, von dem so viele Frauen schon als kleines Mädchen träumen. Außer, wenn sie schon als kleine Mädchen an erwachsene Männer verheiratet werden.

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Kinderehe
© UNICEF

Ein wunderschönes Hochzeitsvideo mit allen liebevollen Vorbereitungen? Leider hat dasselbe eine Wendung, die einem das Herz bricht. Denn die Braut ist keine selbstbewusste Frau, die sich auf das gemeinsame Leben mit ihrer großen Liebe freut, sondern ein kleines Mädchen, das an einen ihr unbekannten Erwachsenen quasi als Eigentum übergeben wird.


Weltmädchentag am 11. Oktober: Immer noch viel zu viele Kinderbräute

Laut UNICEF teilen dieses Schicksal jedes Jahr 12 Millionen Mädchen unter 18 Jahren weltweit: Jede fünfte junge Frau wird im Kindesalter verheiratet, häufig gegen ihren Willen. Geschätzte 650 Millionen Mädchen und Frauen sind insgesamt von Kinderehen betroffen.
Ihre Hochzeit ist nicht der glücklichste Tag in ihrem Leben, sondern ist der Tag an dem sie sich von ihrer Kindheit verabschieden müssen.

Menschenrechtsverletzung mit schlimmen Folgen

Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende? Noch viel weniger. Viele Mädchen leiden lebenslang unter den Auswirkungen einer frühen Eheschließung: Kinderbräute erleben in sehr vielen Fällen Vergewaltigungen, häusliche Gewalt und werden ausgenutzt. In den meisten Fällen dürfen sie die Schule nicht mehr besuchen und sind aufgrund fehlender Ausbildung komplett abhängig von ihrem Ehemann. Darüber hinaus kommt es bei Schwangerschaften von Müttern, die ja selbst noch Kinder sind, oftmals zu schwerwiegenden, medizinischen Komplikationen.

Leider ist auch die Gefahr groß, dass Kinder, die aus Kinderehen stammen, von den eigenen Eltern ebenfalls früh verheiratet werden, wie 2018 eine Studie der Jugend-Eine-Welt-Partnerorganisation BREADS im indischen Bundesstaat Karnataka ergab: In mehr als 40 Prozent von 350 untersuchten Haushalten, in denen Kinderehen auftraten, waren die Eltern selbst in jungen Jahren verheiratet worden.

So funktionieren die erfolgreichen „Kinderrechtsclubs“ in Indien

Dass es möglich ist, die Tradition der Kinderehen erfolgreich zu bekämpfen, zeigt ihr massiver Rückgang in Indien, wo die Anzahl der Kinderbräute seit dem Jahr 2000 um 51 Prozent gesenkt werden konnte. Ausschlaggebend dafür war nicht nur eine verschärfte Gesetzeslage, sondern vor allem ein verbessertes Bewusstsein für Kinderrechte.

Als äußerst erfolgreich erweist sich diesbezüglich ein großes Aktionsprogramm in Karnataka, das auf die engagierte Mitarbeit von tausenden Kindern setzt: Im Rahmen des 2012 gestarteten „Child Rights Education and Action Movement“ (CREAM) von Don Bosco werden Schulkinder zu HauptakteurInnen gesellschaftlicher Veränderung. Sie treffen sich regelmäßig in hunderten „Kinderrechtsclubs“ und wachen darüber, ob in ihrer nahen Umgebung Kinderrechtsverletzungen drohen. Im Ernstfall alarmieren sie erwachsene Verbündete, die dann tatkräftig einschreiten. So konnten neben vielen anderen positiven Aktionen alleine hier bereits mehr als 700 Kinderehen verhindert werden.

Hochzeiten sollten voller Glück, Freude und Liebe sein und kein Handel mit Menschen. Wenn du das ebenso siehst, dann teile bitte diesen Artikel und informiere dich auf unicef.org oder jugendeinewelt.at, was getan werden kann, um Kinderehen endlich zu verbieten.

Themen: Report, Kinder