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Psychisch oder suchtkranker Ex: Kann man Kontakt verbieten?

Rechtsberatung: Kann ich dem Ex-Partner verbieten, sein Kind zu sehen, wenn er Alkoholiker, suchtkrank ist oder an einer psychischen Krankheit leidet?

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Psychisch oder suchtkranker Ex: Kann man Kontakt verbieten?
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Bei minderjährigen Kindern hat auch jener Elternteil, der mit dem Kind nicht im gemeinsamen Haushalt lebt, das Recht auf regelmäßigen persönlichen Kontakt zum Kind. Das Kontaktrecht ist aber nicht nur ein Recht des getrennt lebenden Elternteiles, sondern in erster Linie ein Recht des Kindes und eine Verpflichtung der Eltern.

Beide Elternteile sind verpflichtet, den Kontakt zwischen dem Kind und dem nicht betreuenden Elternteil zu fördern. Das Kontaktrecht soll schließlich auch nach einer Trennung eine stabile Beziehung und eine Bindung des Kindes an seinen getrennt lebenden Elternteil ermöglichen.

Carmen Thornton ist Anwältin (Thornton-Law.at) und schreibt für WOMAN regelmäßig über Familienrecht

Wie sieht das Kontaktrecht nach einer Scheidung normalerweise aus?

Im Idealfall wird das Kontaktrecht von den Eltern flexibel gehandhabt oder zumindest einvernehmlich entsprechend den Bedürfnissen des Kindes geregelt. Häufig kommt es aber auch zu Streitigkeiten über das Ausmaß des Kontaktrechtes, vor allem nach einer Trennung oder wenn der Elternteil, der das Kind hauptsächlich betreut, einen neuen Partner hat.

Im Streitfall muss letztendlich das Gericht entscheiden mitunter auch gegen den Willen des betreuenden Elternteiles. Das Ausmaß der Kontakte richtet sich hauptsächlich nach dem Alter des Kindes. Bei Schulkindern ist ein Kontaktrecht jedes 2. Wochenende von Freitag bis Sonntag und ein zusätzlicher Tag unter der Woche üblich.

Alkoholiker oder psychisch krank: Was ist, wenn ein Elternteil das Kind gefährden könnte?

Was aber ist, wenn ein Elternteil das Kind gefährden könnte, etwa weil er Alkoholiker oder drogensüchtig ist? Auch in solchen Fällen haben die Kinder ein Recht darauf, beide Eltern zu sehen. Und für den betroffenen Elternteil kann ein familiäres Umfeld und eine Beziehung zu seinen Kindern der Anstoß sein, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Daher wird das Kontaktrecht nur dann vorübergehend entzogen, wenn das Kindeswohl massiv gefährdet ist und es keine andere Möglichkeit mehr gibt.

Meistens ordnen die Gerichte daher zunächst eine Besuchsbegleitung an. Die Besuchskontakte finden dann in einer geschützten Umgebung (z.B. in sogenannten Besuchscafes) statt und werden durch eine neutrale Person betreut. Diese kann auch aus dem Bekannten- oder Familienkreis stammen.

Besuchsbegleitung: Was bedeutet das, wie läuft es ab?

Außerdem besteht die Möglichkeit, die Familiengerichtshilfe als sogenannter Besuchsmittler einzusetzen. Dann überwachen eigens geschulte Personen (meistens Psychologen oder Sozialarbeiter) die Besuchskontakte und sorgen auch für eine ordnungsgemäße Abholung und Rückgabe der Kinder

Eine Besuchsbegleitung ist auch möglich, wenn ein Elternteil an einer psychischen Krankheit leidet, vor allem, wenn die Krankheit immer nur in Schüben auftritt. Solche Personen können auf der einen Seite liebevolle Eltern sein, aber wenn sie gerade einen Schub haben auch eine Gefahr für die Kinder darstellen. Diese Gefährdung kann vermieden werden, wenn die Besuchskontakte unter Aufsicht stattfinden.

Natürlich ist es unter Aufsicht einer (oft fremden) Person in einem Besuchscafe schwer, eine normale Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen. Trotzdem sind die Besuche in einer geschützten Umgebung für die Kinder immer noch besser als gar keinen Kontakt. Und auch dem betroffenen Elternteil gibt der regelmäßige Umgang mit den Kindern oft den nötigen Rückhalt.

Wenn man daher das Gefühl hat, die Kinder sind gefährdet, weil der Ex-Partner ein Alkoholproblem hat oder an einer psychischen Krankheit leidet und mit der Betreuung der Kinder überfordert ist, sollte man einen entsprechenden Antrag bei Gericht stellen und eine Besuchsbegleitung beantragen.

Kostet die Besuchsbegleitung etwas?

Die Besuchsbegleitung wird übrigens vom Sozialministerium gefördert und ist für Elternteile mit geringem Einkommen kostenlos. Die kostenlose Inanspruchnahme der Besuchsbegleitung ist grundsätzlich auf 1 Jahr (40 Stunden), für psychisch kranke oder behinderte Elternteile auf 2 Jahre (80 Stunden) beschränkt. Die Betreuung durch die Familiengerichtshilfe ist für die ersten 5 Monate kostenlos, danach fällt alle drei Monate eine Gebühr von EUR 210,- pro Elternteil an, wobei auch diese Kosten bei einkommensschwachen Familien im Rahmen der Verfahrenshilfe vom Staat übernommen werden.

Über die Expertin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei Thornton-Law ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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