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Die miesen Tricks der "Pickup-Artists"

"Pickup"-Artists wie Julien Blanc geben im Web ihre Aufriss-Techniken weiter. Auch in Österreich. Wir haben uns die Bagger-Tricks der "Flirt-Profis" angesehen.

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Die miesen Tricks der "Pickup-Artists"

Julien Blanc nennt sich "Pickup-Artist". Wir nennen ihn den weltweit größten Widerling im Web.

Der "Profi-Aufreißer" prahlt damit, wie er angeblich Frauen zum Sex zwingt. In Bootcamps und auf seiner Website, vor allem aber gegen reichlich Geld, gibt er das Wissen, wie man diese Opfer gegen ihren Willen gefügig macht, an andere Männer weiter.

Und während sich immer mehr Widerstand gegen Julien Blanc regt, Hotels mit Petitionen aufgefordert werden, dem Mann keine Bühne beziehungsweise Seminar-Räumlichkeiten mehr zu geben und Großbritannien, Kanada und Australien sogar erwägen, dem Fiesling die Einreise zu verweigern, haben wir uns einmal angesehen, was Männer von diesen selbsternannten Flirt-Gurus eigentlich noch so lernen sollen.

Dies ist also eine kleine Geschichte über Männer - und ein wenig auch über Frauen. Um die nämlich dreht sich das männliche Leben ganz offenbar. Wie krieg ich möglichst viele Girls ins Bett? Oder bin ich doch nur ein AFC - ein "Average Frustrated Chump", übersetzt so viel wie "ein frustrierter Loser, der eh nie eine abschleppt"?

Halt. Beschwert euch nicht bei uns. Wir haben uns das nicht ausgedacht. So spricht der Geheimbund der Pickup-Artists (PUAs) in seinen Foren.

»Aus dem Pickup-Vokabular: 'Sex' heißt hier 'Eskalation'«

"Pickup-Artist", das könnte man als Abschleppmeister übersetzen, auch wenn das nach Kfz-Werkstatt klingt. Aber um Mechanik geht es ja. Irgendwie. Denn die PUAs haben die Verführung zur Wissenschaft ausgebaut. Und versorgen weniger glückliche Brüder im Geiste mit Aufrisstipps:

  • Wie man(n) eine Frau anspricht.
  • Durch Körpersprache auffällt.
  • Eine "Wellenlänge" erzeugt.
  • Und wie dank Psychotricks die schönsten Frauen zu willenlosen Sklavinnen werden.

Solche Verführungstechniker gibt's nicht? Falsch. Zigtausende sind's, die ihre erfolgreichen Hasenjagden im Netz posten. Wie der Amerikaner Ross Jeffries, der unter Seduction.com und in zig Talkshows agiert. Ein anderer, Erik von Markovik, erlangte unter seinem Pseudonym Mystery weltweite Berühmtheit, nachdem der US-Journalist Neil Strauss dank seiner Tricks (Mysterymethod.com) zum Mega-Aufreißer mutierte - und seine Flirterlebnisse in dem Bestseller "Die perfekte Masche" festhielt. Ein exklusives Kapitel samt Newsletter serviert der Autor auch unter Neilstrauss.com.

Ebenfalls dort zu finden: der für das Spechtelmechtel entwickelte Geheimjargon. Attraktive Weibchen sind "HBs" (Hot Babes), ein Aufrissversuch ist ein "Approach". "IOI" (Indicator of Interest) steht für Flirtsignale der Frau. Bekommt man sie ins Bett, dann nennt sich das: "Eskalation". (Und ja: Die meinen das ernst.)

Austrianplayers.com: Virtueller Aufriss-Club aus Österreich

Allein in Österreich haben sich 3429 User beim virtuellen Herrenklub Austrianplayers.com registriert (neuester Member: ein User mit dem Nick "Rambo34", wir erwähnen es nur).

"Was gibt's Besseres als einen Leitfaden, wie man an die besten Frauen kommt?" steht da etwa. Dazu reichen den modernen Casanovas angeblich ein paar Taschenspielertricks, 200 auswendig gelernte Floskeln und psychologisches Halbwissen.

So einfach? Nun. Entscheidet selbst. Denn hier sind ein paar der Tricks, mit denen euch die Meisterverführer an die Wäsche wollen:

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Lektion 1: Ziel anpeilen. Mehr Chancen hat, wer "Hot Babes" sucht, die mit einer Gruppe unterwegs sind. Der Trick: Man nähert sich erst ihren Freunden, lässt die eigentliche Zielperson links liegen. Ein User: "Tolle Frauen sind's nicht gewohnt, dass man sie nicht beachtet. Das irritiert sie - sie versuchen, ihren Status zurückzuerobern."

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Lektion 2: Der erste Satz. Der erste Satz. Fragen nach Name oder Alter wirken wie ein Verhör. Flirtsprüche werden sofort abgeschmettert. Besser: "Ansprache unter dem Radar", wie das die Profis nennen. Etwa: "Welches Parfüm riecht besser?" Oder: "Wer ist eifersüchtiger - Männer oder Frauen?". "Ist es bereits fremdgehen, wenn man eine andere Person küsst?" Einer rät im Forum: "Die Teenager fahren gerade total auf Twilight ab – da kann man sich viele Fragen dazu ausdenken..."

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Lektion 3: Nicht flirten. Wichtig: Mann darf ihr nie das Gefühl geben, es handle sich um einen Flirt, "sonst senkt sie die Schilde". Besser: Desinteresse signalisieren: "Meine Freunde warten auf mich ..." oder "Das Mädchen dort drüben ist mein Typ ...".

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Lektion 4: Mach sie fertig. Eigentlich unpackbar, aber: Das Selbstbewusstsein der Frau muss torpediert werden. "Sind deine Haare echt blond?" oder "Magst du einen Kaugummi?" Dabei lachen. Bedeutet: Mädel, du bist nicht perfekt. Aber ich bleibe bei dir. Schafft Vertrauen.

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Lektion 5: Persönlich werden. Frauen stehen auf "Seelenverwandtschaft". Derlei suggeriert der "Gedankenleser-Trick": Sie soll an eine Zahl zwischen 1 und 10 denken (Tipp: Meist ist es 7). Oder der "Wahrsage-Trick": "Du siehst aus, als würdest du gerne Party machen - manchmal bist du aber auch nachdenklich ..." Bedeutet nix, klingt aber gut.

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Lektion 6: Last Minute Resistance. Es geht ans Küssen. Bei Widerstand - Unsicherheit aufgreifen und erneut Vertrauen schaffen: "Ist in Ordnung. Es geht wirklich zu schnell mit uns." Dann: Hoffentlich bald die "Eskalation"...

Womit sich die Gruppe der österreichischen Pickup-Artists zumindest im letzten Punkt wohltuend von Julien Blanc abhebt. Der rät seinen Aufriss-Lehrlingen in seinen Schulungen nämlich: "Man packt einfach den Kopf der Frau, presst ihn in den Schritt – was soll sie da schon machen, wenn schon nicht die Beine breit..."

Übrigens, die Damen. Ein eigenes Austrianplayers -Forum befasst sich mit "Aufriss-Tipps für Silvester." Nur zur Vorwarnung. Damit ihr wisst, wann ihr in Deckung gehen solltet ;-)

Thema: Sexismus

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