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Tricks für mehr Willenskraft!

Wie oft fühlen wir uns müde und erschöpft. WOMAN zeigt, wir wir unsere Energiereserven erhöhen, mehr Power gewinnen – und welche Fallen wir vermeiden sollten.


Tricks für mehr Willenskraft!

Sie würden ja so gerne, aber Sie schaffen’s nicht: abnehmen , mit dem Rauchen aufhören , sich mehr bewegen, mehr Geld verdienen , Ihren Papierkram termingerecht erledigen und sich überhaupt besser unter Kontrolle haben.

Warum gute Vorsätze scheitern

Ein Hauptproblem fürs Scheitern unserer guten Vorsätze sind laut Dr. Kelly McGonigal uralte Instinkte, die nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung streben. Das primitive Gehirn wollte so das Überleben sichern. "Weit entfernte Ziele und Belohnungen waren im Alltag unserer frühen Vorfahren bedeutungslos“, schreibt die US-Psychologin und Universitätsprofessorin in ihrem Buch Bergauf mit Rückenwind , in dem es um Willenskraft geht.

Diese wird von einem später entwickelten Teil des Gehirns gesteuert, der auf höhere Ziele wie Gesundheit, Glück, aber auch gut sitzende Hosen hinarbeitet. Er hat die Aufgabe, uns durch Erkennen von Warnzeichen von Dummheiten abzuhalten. Etwa, eine sechsmonatige Abstinenz durch eine "Sünde“ zunichte zu machen.

Wie das Kräftemessen mit unserem primitiven Gehirn ausgeht, liegt nicht zuletzt daran, ob wir unsere Willenskraft stärken oder schwächen, denn Selbstkontrolle ist eine der energieaufwendigsten Tugenden überhaupt. Eine allerdings, die sich lohnt. Menschen, die ihre Aufmerksamkeit, ihre Gefühle und Handlungen besser unter Kontrolle haben, sind glücklicher und gesünder, haben befriedigendere Beziehungen und verdienen mehr. Die Stolpersteine auf dem Weg zu mehr Willenskraft zu kennen ist schon die halbe Miete. Wir haben die wichtigsten Fallen - plus Gegenstrategien - zusammengefasst.

Auf diese Fallen sollten Sie unbedingt achten!

1. Ablenkung. Sie schreiben eine SMS im Coffeeshop, und ehe Sie sich’s versehen, bestellen Sie einen kalorienreichen Milkshake anstelle eines Milchkaffees. Man wies nach, dass abgelenkte Menschen empfänglicher für Verlockungen sind.

2. Wenig Schlaf. Schlafmangel lässt Sie anfälliger werden für Stress, Heißhunger-Attacken und andere Anfechtungen. Es wird schwieriger, Emotionen zu zügeln, aufmerksam zu bleiben oder die Energie für Herausforderungen aufzubringen. Wenn Sie müde sind, fällt es Ihren Zellen schwer, Glucose aus dem Blut aufzunehmen, der Hauptenergieträger in Gehirn und Körper. Dadurch sind die Zellen unterversorgt, schreien nach Süßem oder Koffein.

3. Niedriger Blutzuckerspiegel. Er ist ein Indikator für verschiedenste Fehlschläge in Bezug auf die Selbstregulation, vom Kapitulieren bei einem Test bis zu Handgreiflichkeiten aus Zorn. Im Notfall kann ein Zuckerschub Ihre Willenskraft kurzfristig beflügeln. Zuckerspitzen und darauffolgende Abstürze sind aber kein gutes Dauerrezept. Empfohlen ist eine Ernährung mit niedrigem glykämischem Index, sie hilft, Ihren Blutzucker konstant zu halten. Gut sind Nüsse und Hülsenfrüchte, ballaststoffreiche Getreideprodukte und die meisten Obst- und Gemüsesorten.

4. Stress. Das Gehirn möchte Ihr Gemüt schützen. Die Gegenreaktion: Stress kann man weglächeln . Neurowissenschaftler konnten zeigen, dass Stress - dazu gehören auch negative Emotionen wie Wut, Traurigkeit, Selbstzweifel und Angst - das Gehirn in den Zustand der Belohnungssuche versetzt. Das führt zu einem Verlangen nach der Substanz oder Aktivität, die Ihr Gehirn mit dem Belohnungsversprechen assoziiert. Wenn ein Kokainsüchtiger etwa an die Kritik seines Chefs oder Streit mit einem Freund denkt, wird das Belohnungssystem aktiviert, und ein starkes Verlangen nach Kokain entsteht. Stress richtet uns falsch aus, weg von der Vernunft und hin zu den am wenigsten hilfreichen Instinkten.

Die Belohnungsversprechen

Wenn das Gehirn eine Möglichkeit für Belohnung erkennt, schüttet es Dopamin aus. Ein Dopaminschub an sich erzeugt keine Glücksgefühle, er fühlt sich mehr wie Erregung an.

Der Anblick von verlockenden Speisen, der Duft von frischem Kaffee, die Ankündigung einer fünfzigprozentigen Preisreduktion, das Lächeln eines attraktiven Fremden, der Werbespot, der Reichtum verspricht - all das kann das Belohnungssystem in Gang setzen.

Mit diesem Trick stellt die Natur sicher, dass wir nicht verhungern, weil wir uns nicht die Mühe machen, eine Beere zu pflücken, und dass wir nicht aussterben, weil uns das Verführen eines potenziellen Partners zu anstrengend erscheint. Es ist die Verheißung von Glück, nicht die Glückserfahrung. So macht die Vorfreude auf den Shopping-Trip meist auch aufgeregter als die Ausbeute selbst, der Gier aufs fette Schnitzel folgt selten ein gutes Gefühl.

Moderne Technik. Weil wir vielleicht eine neue Nachricht erhalten haben oder weil gerade das nächste YouTube-Video sehr lustig sein könnte, stehen wir unter dem Zwang, uns ständig mit den Geräten zu beschäftigen. Es ist, als hätten unsere Handys, BlackBerrys und Laptops eine direkte Verbindung in unser Gehirn, die einen ständigen Dopaminschub verursacht. Kaum etwas, was je erträumt, geraucht oder injiziert wurde, macht unser Gehirn so süchtig wie die moderne Technik. Was wir heute im Internet tun, ist die perfekte Metapher für die Verheißung einer Belohnung. Wir suchen. Und wir suchen. Entwickler von Computer- und Videospielen manipulieren das Belohnungssystem bewusst. Das Versprechen, dass die nächste Ebene oder der große Gewinn jederzeit erreichbar ist, hält die Spieler gefangen.

Ja morgen …! Wir erwarten, dass wir morgen andere Entscheidungen treffen werden als heute, und gestatten uns deshalb, heute unbeherrscht zu sein. Ich rauche noch diese eine Zigarette … Ich lasse heute das Fitness -Center aus, aber morgen …

Forscher der Yale University stellten abnehmwillige Studenten vor die Wahl zwischen fettfreiem Joghurt und einem Keks. Wenn man den Studenten sagte, sie würden in der nächsten Woche dieselbe Wahlmöglichkeit haben, entschieden sich 83,3 Prozent für den Keks. Wenn die Studenten dachten, es handle sich um eine einmalige Auswahl, nahmen nur 57 Prozent den Keks. Dasselbe Muster zeigte sich bei anspruchsvoller und anspruchsloser Unterhaltung: "Ich kann mich auch in der nächsten Woche bilden.“ Wenn die Studenten für einen zweiten Durchgang ins Labor zurückkehrten, trafen nur wenige tatsächlich eine andere Wahl.

Der "Gesundheits-Heiligenschein

Studien zeigen, dass Menschen, die ein als gesund angepriesenes Hauptgericht bestellen, weniger gesunde Getränke, Beilagen und Nachspeisen bestellen. Sie nehmen im Endeffekt mehr Kalorien zu sich als Menschen, die ein reguläres Hauptgericht ordern: der sogenannte Health-Halo-Effekt (deutsch: Gesundheits-Heiligenschein-Effekt). Wir sind so stolz auf unsere gesunde Wahl, dass die nächste Undiszipliniertheit überhaupt keine Schuldgefühle auslöst.

Man stellte fest, dass Menschen glauben, die Kombination aus Cheeseburger und Salat hätte weniger Kalorien als Cheeseburger alleine. Der Salat gibt ihnen das Gefühl, sich vorbildlich zu ernähren. Die Salatblätter tragen einen Heiligenschein, der auf den Burger abstrahlt …

Moral Licensing

Wenn wir etwas Gutes getan haben, erlauben wir uns eher, etwas Schlechtes zu tun. Sie halten sich für "brav“, weil Sie beim Training waren, einen Termin eingehalten, an einem Projekt weitergearbeitet haben?

Die Gefahr, dass Sie dafür etwas Kalorienreiches essen oder Geld für Designergewand rausschmeißen, ist groß. Dieses Gefühl, ein Anrecht auf etwas zu haben, ist häufig unser Untergang. Weil wir uns als Lohn für Wohlverhalten gerne selbst verwöhnen, verlieren wir unsere echten Ziele aus den Augen und geben der Versuchung nach.

Psychologen wissen, dass wir Fortschritte und Erfolg nur allzu gerne als Ausrede verwenden, um die Zügel schleifen zu lassen. In einer Studie wurden Teilnehmer eines Diätprogramms daran erinnert, wie weit sie auf dem Weg zu ihrem Idealgewicht schon gekommen waren. Dann wurde ihnen als Dankeschön ein Apfel oder Schokoriegel angeboten. 85 Prozent der stolzen Teilnehmer wählten den Schokoriegel. In der Vergleichsgruppe ohne Hinweis auf Erfolge nur 58 Prozent.

Der "Was soll’s"-Effekt

Der "Ach, was soll’s“-Effekt beschreibt den Teufelskreis aus Unbeherrschtheit, Reue und noch größerer Unbeherrschtheit. Die Forscher merkten, dass viele Menschen über jeden Diätfehler so unglücklich waren, dass sie das Gefühl hatten, sie hätten komplett versagt. Anstatt den Schaden möglichst gering zu halten, indem sie aufhörten zu essen, sagten sie sich: Ach, was soll’s! Mit der Diät ist es ohnehin vorbei, da kann ich gleich das ganze Stück essen.

Das wurde auch bei Rauchern, Alkoholikern, Menschen, die versuchen, beim Einkaufen einen Rahmen nicht zu überschreiten, beobachtet. Das Muster: Schwachwerden erzeugt Schuldgefühle, und man muss sich trösten, genau mit dem, was die Schuldgefühle verursacht hat …

Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Disziplin stärken.

Redaktion: Miriam Berger