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Trypophobie: Die Angst vor den kleinen, schwarzen Löchern

Betrachte dieses Bild: Es ist ein Selbsttest , mit dem du herausfindest, ob du unter Trypophobie leidest, der Angst vor Löchern, leidest - und im Vorteil bist.

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Trypophobie: Die Angst vor den kleinen, schwarzen Löchern

Die harmlose Lotossamenkapsel: Wird oft als eklig empfunden

© iStockphoto

Was empfindest du, wenn du dieses Bild betrachtest? Ist es unangenehm? Ekelt dir? Schüttelt es dich angesichts dieser unförmigen Ansammlung von Löchern und Vertiefungen?

Rund 18 Prozent aller Frauen und 11 Prozent der Männer geht es so. Sie haben "Trypophobie" – so der wissenschaftliche Ausdruck für die Angst vor Löchern. Dabei handelt es sich aber nicht direkt um eine Angst im psychologischen Sinne, sondern um einen Ekel.

Trypophobie: Die Angst vor Löchern

Selbst völlig harmlose Dinge wie Honigwaben, Schwämme, die unregelmäßig großen Blasen im Shampoo-Schaum, die Löcher in der Luftschokolade oder eben die Lotossamenkapsel auf dem Bild oben werden von Trypophobikern als schrecklich unangenehm empfunden. Manchen wird regelrecht übel, wenn sie mit diesen Verformungen konfrontiert werden.

Wissenschaftler der University of Essex wollten 2013 in der ersten wissenschaftlichen Untersuchung zu der Phobie herausfinden, wie weit verbreitet dieses Phänomen tatsächlich ist. Dafür zeigten sie knapp 300 Testpersonen das Bild der Lotossamenkapsel. Mit dem Ergebnis, dass dieses Foto vor allem bei Frauen deutliches Unbehagen hervorruft.

Trypophobie: Symptome

Wer das obere Bild kaum anschauen kann, leidet wahrscheinlich auch an Trypophobie. Zu den Symptomen zählt:

  • Kälteschauer
  • Gänsehaut
  • übermässige Schweißproduktion
  • Übel
  • Juckreiz

Der Clou ist, dass "normale" Löcher wie im Käse oder in der leeren Klopapierrolle keine solche Reaktion auslösen. Warum? Weil sich der Ekel eher auf Löcher und Verformungen bezieht, die unerwartet auftreten oder nicht ins Bild passen.

Warum Ekel eine Schutzfunktion des Körpers ist

Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass es sich bei der Trypophobie um eine Urangst des Menschen handeln dürfte. Denn hochgiftige Tiere wie der Oktopus, der Kugelfisch, der Pfeilgiftfrosch, die Seewespe oder der Inlandtaipan verfügen über eine Gemeinsamkeit: ihre Hautoberfläche weist auffällig starke Helligkeits- und Farbkontraste und annähernd dieselbe mittlere Dichte in der Anordnung von Punkten, Ringen, Flecken oder Streifen auf.

Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich auch bei der Analyse jener eigentlich harmlosen Bilder, die bei Trypophobikern jedoch ebenfalls Ängste und Unbehagen auslösten. "Es mag einen alten Teil unseres Gehirns geben, der uns sagt, dass wir ein giftiges Tier betrachten", so der Studienleiter Dr. Cole. „Der Ekel ist ein evolutionärer Vorteil, auch wenn uns das nicht bewusst ist, denn er sorgt dafür, dass Leute mit Trypophobie so weit wie möglich von dem löchrigen Ding wegrennen.“ Im Angesicht eines Pfeilgiftfroschs gar nicht mal so eine dumme Reaktion.

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Trypophobie nur durchs Internet ausgelöst?

Obwohl die wissenschaftliche Erklärung mit dem Ekel vor giftigen Tieren sehr logisch und nachvollziehbar klingt, gibt es in der medizinischen Community auch eine Strömung, die sagt, dass die Trypophobie auch vom Internet ausgelöst, beziehungsweise verstärkt wird.

Denn tatsächlich ist das Phänomen durch das Internet erst so richtig bekannt geworden. In Foren und in der Google Bildersuche stolperte man schon um 2005 herum über eklige Bilder, die durchlöcherte Körperteile von Menschen zeigen. Und auch wenn jene mit einem Bildbearbeitungstool gefertigt worden waren, löste dieser Anblick die erste Welle der "Trypophobie-Erkenntnis" aus.

Ist Trypophobie eine Krankheit?

So lange die oben genannten Symptome das Leben einer Person nicht beeinträchtigen, ist Trypophobie keine Krankheit. Das Syndrom ist auch nicht als echte Phobie anerkannt, sondern wird eher zu den Sonderformen von kuriosen Phobien gezählt.

Wie kann ich Trypophobie überwinden?

Wie oben schon erwähnt, kannst du so lange selbst mit diesem Ekel umgehen, wie du dich nicht panisch oder depressiv fühlst. Beeinträchtigt dich die Angst in deinem Alltag, so solltest du auf jeden Fall psychologische Hilfe aufsuchen.

Wenn du jedoch einfach nur schlecht auf Bilder von Lotossamenkapseln oder bearbeitete Bilder von löchrigen Körperteilen reagierst, kannst du auch an deiner Phobie arbeiten. Es hilft zum Beispiel, sich über die Gründe der Angst zu informieren. Wenn du weißt, warum dein Körper so reagiert, wie er es eben tut, dann kannst du auch leichter das unangenehme Gefühl verarbeiten.

Ängste selbst bekämpfen!

Es hilft auch, beim Anblick eines triggernden Bildes tief durchzuatmen und sich die "Banalität" vor Augen zu führen. Beim Lotos handelt es sich "nur" um eine Pflanze. Die löchrigen Finger sind "nur" mit Photoshop bearbeitet worden. Der Blubberblasen im Schaum sind "nur" winzige Seifenblasen.

Und was natürlich auch hilft - vor allem bei einer solch seltenen Phobie - ist das vermeiden von triggernden Bildern. Das sollte in diesem Fall kein Problem sein, denn man schaut sich normalerweise nicht täglich Bilder von Lotos-Pflanzen an.

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Thema: Psychologie