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Ulrike C. Tscharre: "Würde Trump gerne ins Gefängnis befördern"

Aktuell ist die deutsch-österreichische Schauspielerin als Staatsanwältin Barbara Simma in der Serie „Meiberger – Im Kopf des Täters“ zu sehen. WOMAN bat die 46-Jährige zum ausführlichen Interview.

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Ulrike C. Tscharre: "Würde Trump gerne ins Gefängnis befördern"
© ServusTV / Monafilm / Olaf R. Benold

Der Krimi ist ihr Metier. Für ihre Darstellung im TV-Film „Zielfahnder“ wurde Ulrike C. Tscharre mit dem Fernsehkrimipreis ausgezeichnet. Aktuell ist sie neben Fritz Karl und Cornelius Obonya in der Serie „Meiberger – Im Kopf des Täters“ (Dienstag, 20.15 Uhr auf ServusTV) zu sehen. WOMAN hat mit ihr über ihre beiden Heimaten, den späten Durchbruch als Schauspielerin, Gerechtigkeit und außergewöhnliche Rollenvorbereitungen gesprochen. Das "C" in ihrem Namen steht übrigens für Claudia.

In der neuen Servus-TV-Serie „Meiberger“ schlüpfen Sie in der Rolle der Staatsanwältin Barbara Simma, Wieviel hat die Serienfigur mit der privaten Ulrike C. Tscharre gemeinsam?
Ulrike C. Tscharre: Das ist immer eine gemeine Frage. Wenn ich die beantworte, verrate ich ja alle meine Geheimnisse (lacht). Grundsätzlich hat jede Rolle, die ich spiele, etwas mit mir persönlich zu tun. Ich muss die Figur verstehen. Das muss nicht immer bedeuten, dass ich alles gutheiße, aber ich brauche immer Verständnis für die Rolle. Auch Barbara Simma hat Anteile von mir. Ich bin ebenso bodenständig, klar und direkt wie sie. Sie ist einerseits freundlich, aber auch streng. Zudem ist sie unglaublich taff, selbstbewusst und kann sich durchsetzen.


Barbara Simma hat einen sehr rasanten Autofahrstil und eine Vorliebe für laute Rockmusik. Fahren Sie privat auch gerne schnell?
Tscharre: Fritz Karl ist bei den ersten Autofahrszenen zu Tode erschrocken (lacht). Ich bin auch privat gerne sportlich unterwegs und habe eine Vorliebe für schnelle Autos. Laute Musik höre ich allerdings nicht, das lenkt mich nur ab.

Sie sind häufig in Krimis zu sehen. Was mögen Sie an dem Genre?
Tscharre: Ich lese und schaue privat gar nicht so viele Krimis. Aber für Schauspieler ist dieses Genre unglaublich toll, weil man die Möglichkeit hat, abgründige Figuren zu spielen, die ein Geheimnis verbergen.

Sie haben zum ersten Mal in Österreich, dem Heimatland ihres Vaters gedreht. Was war das für eine Erfahrung?
Tscharre: Das war für mich eigentlich mit ein Grund diese Serie zu machen. Ich habe beide Nationalitäten, besitze zwei Pässe und habe mich daher richtig auf die Dreharbeiten in Österreich gefreut. Ich verbinde mit diesem Land ganz viel Familie. Mein Vater kommt aus Kärnten und wir waren in allen Ferien immer zu Besuch bei den Verwandten in Österreich. Deshalb sage ich auch immer, ich habe zwei Heimaten. Ich finde es komisch, dass es keine Mehrzahl von Heimat gibt. Meine Eltern haben uns immer in diesem Bewusstsein erzogen. Und die Dreharbeiten in Salzburg waren toll, die Gegend ist einfach zauberhaft.

Wie verlief die Zusammenarbeit am Set mit Fritz Karl, Cornelius Obonya und Otto Schenk?
Tscharre: Ich kannte Fritz Karl und Cornelius Obonya vorher nicht, aber das sind super Kollegen und die Zusammenarbeit hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Wir spielen ja so eine Art Dreieck und Barbara ist quasi das Bindeglied zwischen Meiberger und Nepo. Otto Schenk habe ich leider nur einmal am Set getroffen, aber das war einfach toll. Ich kann nur den Hut vor ihm ziehen. In diesem Alter noch zu drehen und Theater zu spielen, ist einfach großartig.


Was hat Sie an dem Drehbuch fasziniert?
Tscharre: Das Spiel mit dem Unerklärlichen hat mir sehr gefallen und diese Magie, die immer eingesetzt wird. Meiberger benutzt ja seine Zauberei ganz gezielt, um das Eis zu brechen und eine Verbindung mit der Person herzustellen.

Sie haben für Ihre Rollen schon Trainings mit Schusswaffen absolviert und auch gelernt, wie man Handschellen anlegt – wie war das für Sie?
Tscharre: Das liebe ich so an diesem Beruf: Die Angebote, etwas zu lernen, womit man sich privat nie auseinandersetzen würde. Ich hatte immer einen Riesen-Respekt vor Schusswaffen, aber ich dachte mir dann: Ich kann keine Polizistin spielen und Angst vor einer Pistole haben. Am Anfang war ich sehr distanziert, aber der Trainer hat mir das gut erklärt. Es geht viel um Konzentration und um die Atmung. Als ich dann das erste Mal die Zielscheibe getroffen habe, war ich schon stolz. Im zweiten Zielfahnder-Teil muss ich z.B. Tango tanzen und auch das war eine riesige Herausforderung für mich (lacht). Als ich die ersten Tanzstunden in Berlin absolviert habe, dachte ich mir, ich bin ein absoluter Bewegungslegastheniker und krieg das gar nicht hin. Während den Meiberger-Dreharbeiten hat mir der Regieassistent eine tolle Tanzlehrerin in Wien vermittelt und dann hat es plötzlich „Klick“ gemacht und mittlerweile tanze ich richtig gerne.

Als Staatsanwältin sorgen Sie dafür, dass Mörder hinter Gittern kommen. Welche Person würden Sie eigentlich gerne mal ins Gefängnis bringen?
Tscharre: Ich würde wahnsinnig gerne Donald Trump ins Gefängnis befördern. Und er soll da auch gar nicht mehr rauskommen (lacht).

Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?
Tscharre: Ich habe aus Versehen keine Vignette gekauft. Letzten Sommer bin ich von Berlin mit dem Auto nach Südfrankreich gefahren und irgendwie war ich ein bisschen doof und habe komplett darauf vergessen. Es war keine Absicht, aber wie heißt es so schön: Dummheit schützt vor Strafe nicht.

Was bedeutet Stärke in Ihren Augen?
Tscharre: Rückgrat zu haben und sich nicht so leicht umpusten zu lassen. Auch unterscheiden zu können, wofür es sich lohnt, taff zu sein. Ich finde es auch stark zu sagen, diesen Kampf kämpfe ich nicht, das ist es mir nicht wert. Das ist auch eine Form von Stärke.

Wie erklären Sie sich den Erfolg des Krimi-Genres?
Tscharre: Ich denke, das Format ist so erfolgreich, weil es uns sehr gut geht und weil das Leben der meisten Menschen wenig Abgründe hat. Wir haben ein recht geordnetes und sicheres Leben und diese Lust am Nervenkitzel oder Gefahren als Beobachter zu erleben, übt eine große Faszination aus.

Welche Krimifigur hat Sie beeindruckt?
Tscharre: Lisbeth Salander aus der Millenium-Trilogie. Die ist einfach phänomenal. Ich finde, sie ist die beste Frauenfigur, die jemals im Krimi- oder Thriller-Genre geschaffen wurde.

Welche Rollenangebote würden Sie besonders reizen?
Tscharre: Ich durfte in „Zielfahnder“ schon eine tolle Rolle verkörpern. Das ist schon mal eine taffe und ungewöhnliche Frauenfigur. Da dachte ich schon beim ersten Drehbuch: „Was für ein Geschenk.“ Solche Rollen kriegen normalerweise nur Männer. Die haut auch mal drauf, ist sich für nichts zu schade aber auch clever, smart und einfühlsam. Melodramen sind für mich auch ein schönes Genre, da fühle ich mich sehr zu Hause, leider werden zur Zeit nicht so viele gedreht.

Mit welchem Regisseur würden Sie gerne mal zusammenarbeiten?
Tscharre: Mein Traum wäre es, einmal in Frankreich zu arbeiten. Ich schätze Francois Ozon und seine Arbeit sehr. Letztes Jahr habe ich bei einer Preisverleihung David Schalko kennengelernt. Den finde ich auch ganz toll. Überhaupt gibt es in Österreich ganz großartige Regisseure und Kollegen.

Welche zum Beispiel?
Tscharre: Josef Hader ist so ein Schauspieler mit dem ich gerne mal zusammenarbeiten würde. Oder Urgewalten wie Peter Simonischek oder Nicholas Ofczarek.

Warum liest man nur wenig über ihr Privatleben?
Tscharre: Ich bin da sehr zurückhaltend, das ist mein geschützter Raum. Ich stehe nicht gerne in der Öffentlichkeit und bin noch immer irritiert, wenn ich auf der Straße erkannt werde. Wenn ich spiele, bin ich so persönlich und gebe so viel von mir. Wenn ich mein Privatleben auch noch ausbreiten würde, wo bleibe ich dann noch?

Was würden Sie aus Ihrem Privatleben verraten? Haben Sie vielleicht außergewöhnliche Hobbies?
Tscharre: Ich gehe unheimlich gerne Skifahren. Mein erstes paar Ski habe ich mit eineinhalb Jahren bekommen. Vor einigen Jahren habe ich auch das Segeln für mich entdeckt. Ich bin gerne am Wasser und ein Naturmensch. Daraus schöpfe ich viel Kraft. Nach einem anstrengenden Tag gehe ich immer mit meinem Hund im Wald spazieren.

In einem deutschen Zeitungsartikel meinten Sie, Sie wollten nie berühmt werden. Warum haben Sie sich dennoch für den Schauspiel-Beruf entschieden?
Tscharre: Das kann ich gar nicht so richtig sagen, ich weiß nur dass es mich seit Kindheitstagen begleitet. Im Kindergarten war ich am liebsten in der Verkleidungsecke. Wenn Sissi im Fernsehen lief, habe ich mir aus Decken Kleider gebastelt und bin im Haus umher gelaufen. Ich hatte schon ganz früh eine Lust am Ausprobieren und am Geschichten erzählen.

Zu Beginn Ihrer Karriere waren sie meist in Nebenrollen, wie etwa in der „Lindenstraße“ oder im „Tatort“ zu sehen. Wie erklären Sie sich Ihren späten Durchbruch?
Tscharre: Vielleicht weil ich mich nicht so gerne vorne hinstelle und eher zurückhaltend bin. Ich wurde sehr zur Bescheidenheit erzogen und das steht einem in diesem Beruf im Weg. Ganz früh hat eine Castingagentin zu mir gesagt: „Ulrike, bei dir wird es ein bisschen länger dauern, aber du machst deinen Weg.“ Und sie hat Recht behalten.

Dabei gibt es häufig Kritik, dass Schauspielerinnen Mitte 40 weniger Rollenangebote bekommen.
Tscharre: Ich habe diesen Altersknick nie gespürt. Je älter ich wurde, desto spannender und größer wurden die Rollen. Ich werde oft als intellektuelle, melancholische, erotische Schauspielerin beschrieben und das sind vielleicht Eigenschaften, die bei einer Frau erst reifen. Mit Ende 20 hat man vielleicht ein breiteres Fach an Auswahl. Aber ich denke, dass es bei vielen Kolleginnen schwierig wird, wenn sie Kinder bekommen, wie auch bei anderen berufstätigen Frauen. Einige kriegen das hin, andere nicht, weil sie vielleicht einen Partner haben, der selbst beruflich so eingespannt ist. Ab einem bestimmten Alter wird das ein großes Thema, das aber öffentlich nicht thematisiert wird, weil Frauen Angst haben, dass sie von vornherein schon für eine Rolle ausgeschlossen werden. Es gibt sogar Kolleginnen, die ihre Schwangerschaft für sich behalten.

Vor einem Jahr erreichte die MeToo-Bewegung ihren Höhepunkt. Haben Sie das Gefühl, dass sich in der Filmbranche etwas verändert hat?
Tscharre: Ich hatte zum Glück keine gravierenden Erlebnisse. Ich fand die Metoo-Debatte sehr wichtig, weil es ein Thema anspricht, das Frauen überall angeht, nicht nur in der Filmbranche. Es geht um Übergriffe und um Machtmissbrauch. Wir sprechen immer von Gleichberechtigung, aber ich glaube wir sind leider weit davon entfernt. Im Prinzip ist es doch so, wenn ein Mann und eine Frau in einem beruflichen oder privaten Umfeld einen Umgang miteinander haben, gibt es immer wieder Situationen, wo man als Frau anfängt, sich unwohl zu fühlen und man weiß gar nicht warum. Wenn man das verbalisiert, wird man sofort als schwierig oder zickig bezeichnet. Aber das genau das zum Thema wird, halte ich für enorm wichtig.

Sie sind seit mehreren Jahren Botschafterin von „Safe the Children“ – wie kam dieses soziale Engagement zustande?
Tscharre: Ich habe vor vier Jahren bei der Aktion „Ein Schal fürs Leben“ mitgemacht. Der Erlös geht an syrische Flüchtlingskinder und Projekte vor Ort, die ihnen einen geschützten Ort bieten. Durch die Aktion habe ich mich immer mehr mit der Organisation auseinandergesetzt und ich finde es toll, dass es sich hier um eine reine Kinderschutzorganisation handelt. Ich war dieses Jahr in Rumänien und hab Kinder, die von ihren Eltern zurückgelassen wurden, besucht. Gerechtigkeit war für mich schon immer ein wichtiges Thema und ich finde wir haben hier in Österreich und Deutschland extrem viel Glück. Wir haben keinen Krieg, uns geht es wirtschaftlich blendend, niemand muss auf der Straße leben. Wir können uns so dankbar schätzen. Diese Kinder in Syrien oder Rumänien können nichts dafür.