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Tumblr: Mitschuld an Teenie-Selbstmorden?

Vor ihrem Selbstmord postete die 16-jährige Tallulah auf Tumblr Fotos, auf denen sie sich selbst verstümmelte. Nun steht der Blogging-Dienst in der Kritik.

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Tumblr: Mitschuld an Teenie-Selbstmorden?

Teenies posten ihren Hilfeschrei im Web

© Thinkstock

Trägt ein Blogging-Dienst Mitverantwortung am Freitod einer 15-jährigen Schülerin? Diese schwierig zu beantwortende Frage beschäftigt derzeit Jugendschützer und Behörden in England.

Kurz vor ihrem Selbstmord hatte Tallulah W. bei Tumblr (vor allem für Foto-Blogs beliebte Plattform) zahlreiche Bilder von sich gepostet, die zeigten, wie sie sich selbst ritzt und verletzt. Niemand schritt ein, niemand meldete die Bilder bei einer Behörde – im Gegenteil: Manche User ermunterten das Mädchen sogar, sich weitere Schnittwunden zuzufügen.

Wenige Tage später nahm sich Tallulah das Leben. In einem Interview mit der britischen Sendeanstalt BBC erklärte ihre Mutter Sarah W.: "Meine Tochter war in einer gefährlichen digitalen Welt gefangen, wo ihr niemand helfen wollte, sondern sich sogar zahlreiche Irre daran ergötzt haben, dass sie sich quält." Dies sei kein Einzelfall, prangert die Mutter an. "Auch andere Mädchen haben dort ähnliche Fotos von sich eingestellt, sie haben untereinander gewetteifert, wer sich tiefer und öfter schneidet."

Dass der Selbstmord von Tallulah tatsächlich nicht nur ein tragisches Einzelschicksal ist, zeigen auch die Schilderungen anderer Tumblr -User, die die Plattform mittlerweile verlassen haben. So wird etwa eine 20-jährige Studentin der Nottingham University zitiert, die den Blogging-Dienst lange Zeit anonym nutzte, um sich und ihren Drang zur Selbstverstümmelung im Schoße der Internet-Community auszuleben. "Wir haben uns angefeuert, uns weiter zu verletzen."

Tallulahs Mutter fordert nun sowohl Politik als auch die Betreiber der Blogging-Plattform Tumblr dazu auf, strengere Richtlinien für die in sozialen Netzwerken veröffentlichten Inhalte einzuführen.

Bei Tumblr reagiert man zwiegespalten. Denn einerseits wolle man das Recht der User auf freie Meinungsäußerung schützen, so ein Konzernsprecher. Andererseits müsse es klare Grenzen geben. "Es gibt einige Beitrags-Kategorien, die wir als gefährlich ansehen. Dazu gehören auch User-Blogs, die Selbstverstümmelungen zur Schau stellen und befürworten", betont das Unternehmen. Nutzer könnten derartiges Material jederzeit dem Seitenbetreiber melden, um es entfernen zu lassen.

Ob dies allerdings reicht, bezweifeln Jugendschützer. Die schädlichen Inhalte müssten bereits im Vorfeld identifiziert werden, und noch ehe sie im Web zu sehen sind gelöscht werden. "Nur so kann weiterer Schaden vermieden werden."

Thema: Erziehung