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Frieden durch ein Nadelöhr

Seit Ewigkeiten schwelt der Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina. Dass es auch anders ginge, beweist das tolle Modeprojekt "Two Neighbors".

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Frieden durch ein Nadelöhr
© Two Neighbors

Eskalation oder nicht: Diese Entscheidung hängt im Nahostkonflikt seit jeher am seidenen Faden. Blickt man aber durch das Nadelöhr, dann kann dies einen entscheidenden Unterschied im seit Beginn des 20. Jahrhunderts andauernden Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern machen. Dieser Theorie hängen zumindest Adeem Amro und Segal Kirsch nach. Die beiden Frauen sind Mitgründerinnen von "Two Neighbors", einer modischen Nachbarschaftsinitiative auf politisch heiklem Terrain.

Das Label "Two Neighbors" stellt moderne, minimalistische Kleidung mit hübschen Stickereien her. Genäht werden die Kollektionen von israelischen Näherinnen, die ihr Handwerk in der ehemaligen Sowjetunion gelernt haben. Die Stickarbeit leisten Mitglieder eines Frauenkollektivs im Süden der Hebron Hills. Fast 50 Frauen, teils aus Israel, teils aus Palästina, arbeiten für die Modemarke, die durch eine Kickstarter-Kampagne basisfinanziert werden konnte.

"Wir sind überzeugt, dass Kreativität und Mode eine internationale Sprache sind," erzählt die Palästinenserin Adeem Amro dem britischen Independent. "Mode kann eine Brücke zwischen Kulturen bilden, um eine Vision der gemeinsamen menschlichen Werte und von Frieden zu vermitteln."

Das Mode-Projekt entstand im Rahmen des sogenannten Global Villages Square, einem zweimal jährlich von der Non-Profit-Organisation Center for Emerging Futures initiierten Treffen zwischen Palästinensern und Israelis an der Grenze der beiden Staaten. Die Meetings sollen die Gemeinden dazu ermutigen, gemeinsame Projekte zu etablieren. Die Israelin Segal Kirsch: "Es war erst nur eine Idee einiger Frauen. Aber die Zusammenarbeit hat uns zusammenwachsen lassen. Wir sind Nachbarn, die sich nicht nur respektieren, sondern sogar lieben gelernt haben. Durch den Verkauf der Mode wollen wir den Kreis erweitern."

So sind auch nicht Animositäten die größte Hürde für die Näherinnen aus Israel und die Stickerinnen aus Palästina, sondern logistische Fragen, die sich durch die komplexe Lebenssituation im Grenzgebiet ergeben. Die Gründerinnen Kirsch und Amro treffen einander alle zwei Wochen zu Meetings an einem Ort, der für beide angenehm und sicher ist. Dort entscheiden sie über Muster, Schnitt und Farbgebung der "Two Neighbors"-Kollektionen. Die Gruppen der Näherinnen und Stickerinnen kommen nur zweimal pro Jahr zusammen. Diese Treffen sind schwerer zu organisieren, da die palästinensischen Frauen zahlreiche Genehmigungen benötigen – und die Anreise der Israelinnen durch Sperren und Verzögerungen an den Kontrollpunkten erschwert wird.

"Ja, die Arbeit ist nicht unbedingt ganz einfach zu organisieren," so Amro. "Aber durch den Verkauf der Mode können wir den Frauen, die für das grenzüberschreitende Friedens-Projekt arbeiten, ein regelmäßiges Einkommen zahlen. Und damit die Zukunft der nächsten Generation in nicht nur einer Hinsicht verbessern."

Erhältlich sind die "Two Neighbors"-Kollektionen im Online-Shop, geliefert wird international.

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