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Mögliche Ursachen für Übergewicht bei Neugeborenen

Knuffige Speckröllchen, runde Pausbäckchen und knubbelige Beinchen - weiche, rundliche Babys und Neugeborene gelten als niedlich. Gesunde Wonneproppen, auf die die neugebackenen Eltern stolz sein dürfen. Doch aufgepasst. In Europa werden die Neugeborenen immer schwerer. Das alarmiert Ärzte. Da schlagen Experten Alarm.


Mögliche Ursachen für Übergewicht bei Neugeborenen
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Was die Statistiken sagen

Das normale Gewicht von Neugeborenen sollte zwischen 3300 und 3700g liegen. Gesundheitsexperten, Ärzte und Forscher setzten die Grenze zum Übergewicht bei Neugeborenen bei 4000g. Nach Angaben des 'Aktuellen Ernährungsberichts' ist eine Gewichtszunahme von 20 bis 70g über die letzten Jahre bei Neugeborenen feststellbar.

Begründet wird diese tendenzielle Entwicklung mit genetischen sowie evolutionären Faktoren. 20 bis 70g seien akzeptabel, doch gut jedes dritte Baby sprengt den Rahmen mit bis zu 150g mehr zum gesunden Durchschnitt. Nach Angaben der 'Gesellschaft für Ernährung' hat sich in den letzten fünf Jahren die Anzahl der übergewichtigen Neugeborenen fast verdoppelt.

Waren es noch 17 aus 1000 im Jahre 2010, so bringen fünf Jahre später bereits 31 Babys ein stolzes Gewicht von über 4000g auf die Waage. Gesundheitsexperten horchen auf und sehen besorgt in die Zukunft.

Ursachen und Erklärungen

Während der Trend zu immer dickeren Neugeborenen mehr und mehr alarmierend wird, wird auch die Forschung immer aktiver. Mögliche Erklärungen, Ursachen und Gründe finden sich im Spektrum von genetischer Vererbung, evolutionär-genetischen Anpassungen, falscher mütterlicher Ernährung sowie Veränderungen in Nährmitteln wieder. Die Zusammenhänge mögen eng sein. Oft akkumulieren unterschiedliche Faktoren das Ergebnis.

Grundsätzlich gebären gewichtigere Frauen gewichtigere Babys. Veränderungen im Nahrungsverhalten, den Nahrungsgewohnheiten und dem Angebot von Nahrung im Allgemeinen unserer modernen Gesellschaft wird in diesem Falle oft und gerne die Verantwortung zugeschoben. Aber auch das Essverhalten während der Schwangerschaft hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Gewicht des Nachwuchsen, ebenso wie auf dessen spätere Tendenz zu Übergewicht, Blutzucker und Herzbeschwerden.

Britische Studien haben diesen Zusammenhang eindeutig bewiesen. Fehlernährungen während der Schwangerschaft führen zu übergewichtigen Säuglingen. Man isst für zwei. Doch wird zu viel Nahrung aufgenommen, so erhält der Fötus bereits im Mutterleib eine für seine Entwicklung zu hohe Dosis an Zucker, was zu einer Überproduktion von Insulin sowie der Anlagerung unnötiger Fettreserven führt, erklärt Matthias Weber von der Online Klinik euroClinix. Die Insulinüberproduktion im Mutterleib wird übrigens auch als eine der zentralen Ursachen für spätere Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Krankheiten angesehen. Ebenso wie eine Neigung zum Schlemmen.

Forscher der Universität Boston nähern sich der Problematik aus einer anthropologischen Sichtweise. Nachgewiesen ist, dass bereits die ersten Nachkommen der Gattung Homo gewichtigere Babys gebaren als ihre Vorfahren.

Die Hypothese der Bostoner Anthropologen ist daher, dass die Gewichtszunahmen bei Säuglingen als evolutionäre genetische Entwicklung zu betrachten und somit unbedenklich sei. Noch befindet sich dieser Forschungszweig in den Anfängen, ist hart diskutiert und erste Ergebnisse werden sehnsüchtig erwartet.

Gefahren

So Gewissenserleichternd und verantwortungsbefreiend die Hypothesen der Anthropologen auch sein mögen, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Gewicht des Säuglings einen unmittelbaren Einfluss auf den Verlauf der Geburt hat.

Je schwerer der Fötus, desto anstrengender und komplizierter die Geburt. Ab einem prognostizierbarem Geburtsgewicht von 4000gr werden daher - im allgemeinen Konsens der Mediziner - keine natürlichen Geburten mehr durchgeführt. Zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der Mutter und des Neugeborenen sei der Kaiserschnitt die richtige Entscheidung zur Entbindung.

Auch wirkt sich die falsche Ernährung, wie bereits angedeutet in Form der Diabetes Anfälligkeit, auf die Entwicklung und Funktion der Organe aus. Säuglinge werden bereits im Mutterleib sozialisiert und 'programmiert'.

Auswege aus dem Übergewicht

Damit das Übergewicht nicht bereits zur frühen Lebensbelastung wird, empfehlen Ärzte und Gesundheitsexperten aus Berlin die Säuglinge möglichst lange zu Stillen. Studien haben belegt, dass jeder zusätzliche Monat Stillen das Risiko von bis zu 4 Prozent verringern kann. Ist es dann an der Zeit seinen Nachwuchs in die faszinierende Welt kulinarischer Geschmäcke einzuweisen ist beim Einkauf der Produkte besonders auf den Zuckergehalt und den zugefügten Hormonen dieser zu achten.

Fazit

Übergewichtig oder Wonneproppen - die Grenzen sind fließend und die Erklärung oft nicht einfach. Wichtig für jede schwangere Frau ist, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Normales, gesundes Essverhalten fördert eine normale, gesunde Entwicklung des eigenen Nachwuchses.

Ab und an ein Täfelchen Schokolade darf natürlich auch sein. Es ist die Balance, auf die es letzten Endes ankommt. Balance, Bewusstsein und Verantwortung. Dann geht es der werdenden Mutter, dem Fötus, der Mutter und dem Neugeborenen gut.

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