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Übergewicht: Warum fallen ausgerechnet immer Frauen übereinander her?

Wie viel Intoleranz gegenüber anderen Menschen kann man bitte an den Tag legen? Die britische Journalistin Tanya Gold hat davon einiges vorzuweisen und in ihrem Artikel für The Telegraph auch nicht damit gespart.

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© iStock/tookitook

Anfang des Monats präsentierte der Sportartikelhersteller Nike seine Botschaft zum Thema mehr Inklusion im Sport. Dem gängigen Vorurteil, nur schlanke Menschen würden Sport betreiben, soll damit endlich der Garaus gemacht werden. Die weltweite Resonanz auf die Plus Size- und Para-Sport-Mannequins: FANTASTISCH! „Es ist so wichtig zu zeigen, dass Frauen jeder Größe fit und gesund sein können! Wir wurden einer Gehirnwäsche unterzogen, um zu denken, dass dünn = fit und kurvig = ungesund ist. Das ist großartig", ist nur einer der zahlreichen Instagram-Kommentare, in denen der Auftritt von Nike wortwörtlich zelebriert wird.

Tja, aber auch zu diesem Thema scheiden sich die Geister. An sich ja nichts Schlechtes - jeder Mensch hat eben eine eigene Meinung. Sich aber in höchstem Maße abfällig gegenüber Menschen, die nun mal kurviger sind, zu äußern, geht definitiv zu weit. Doch genau das ist passiert - von einer Journalistin, die für den The Telegraph schreibt.

"Sie ist wahrscheinlich prä-dieabetisch und auf dem Weg zu einer Hüftprothese"

Die britische Journalistin Tanya Gold hat ihr komplettes Repertoire an Vorurteilen gegenüber kurvigen Frauen in nur einen einzigen Artikel gepackt. Für sie stelle der Aufruf zu mehr Inklusion lediglich eine "Fettakzeptanzbewegung" dar, um Frauen zu töten. Laut ihren Ausführungen habe die Plus Size-Schaufensterpuppe keine Übergröße im herkömmlichen Sinne, sondern wäre vielmehr "immens, gigantisch und riesig". Doch damit nicht genug, holt sie auch auf Twitter noch einmal zum Rundumschlag aus:

»Die neue Schaufensterpuppe ist fettleibig und bereitet sich nicht auf einen Lauf in ihrer glänzenden Nike-Ausrüstung vor. Sie kann nicht rennen. Sie ist wahrscheinlich prä-diabetisch und auf dem Weg zu einer Hüftprothese. Was für ein schrecklicher Zynismus ist das seitens #Nike?«

Ist es möglich, noch mehr Feindseligkeit und Ignoranz in nur vier Sätzen unterzubringen? Wenn Frau Gold etwas kann, dann wohl genau das. Darauf sollte sie aber nicht unbedingt stolz sein! Mittlerweile häuft sich unter dem Twitter-Posting vom The Telegraph , der genau diese Worte noch einmal aufgreift, Entrüstung, Wut und Unverständnis. Vor allem von Frauen, die sich durch die Aussagen der Journalistin persönlich angegriffen fühlen:

Unabhängig davon, dass dieser Artikel unterste Schublade und in höchstem Maße abstoßend geschrieben und formuliert ist, liegt die Journalistin mit ihren Aussagen darüber hinaus auch noch völlig falsch! Eine Studie, die 2016 an der Universität von Kalifornien durchgeführt wurde, belegt nämlich, dass der Body Mass Index im Allgemeinen keine verlässliche Quelle dafür sei, um die Gesundheit einer Person zu messen. Zudem wäre knapp die Hälfte der "Übergewichtigen" vollkommen gesund. Laut Studie seien weitaus mehr Faktoren für die Gesundheit eines Menschen heranzuziehen und nicht ausschließlich der BMI.

Ich bin mir sicher, dass Frau Gold und The Telegraph im Vorfeld durchaus bewusst war, was sie mit ihren provozierenden und abfälligen Worten auslösen würden. Fraglich ist allerdings, warum eine Journalistin ihre Emotionen und Vorurteile gegenüber einer bestimmten Gruppe von Menschen in einem Artikel verpackt, ohne sich dabei fundierter Studien zu behelfen. Zudem ist es umso trauriger, dass ein solcher verbaler Exkurs in Zeiten von Women Empower Women ausgerechnet von einer Frau kommt! Alles nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit? Wenn ja, ein nicht sehr gelungener Auftritt und auch in keinster Weise akzeptabel! Punkt.

Aber was lehrt uns dieser unprofessionelle und unangebrachte Rundumschlag seitens der Journalistin? Der Zusammenhalt wildfremder Frauen, die für ein und dasselbe Ziel kämpfen - nämlich Gleichberechtigung, Akzeptanz und Toleranz - ist am Ende immer noch viel, viel stärker als kopflose Behauptungen, die in einem Artikel zusammengefasst werden. All diese Frauen haben nämlich wirklich verstanden, was wahre Schönheit tatsächlich bedeutet!