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Krieg in Europa: Was tun, wenn dir die Situation Angst macht

Der Angriff des russischen Militärs auf die Ukraine erschüttert zutiefst. Schreckliche Nachrichten prasseln von allen Seiten auf uns ein. Was dir bei akuten Angstgefühlen hilft ...

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Momentan überschlagen sich die Ereignisse zur Situation in der Ukraine. Quasi im Sekundentakt werden wir mit neuen, furchtbaren Nachrichten konfrontiert.

Seit der Nacht auf Donnerstag (24.02.2022) herrscht Ausnahmezustand, es gibt bereits Dutzende Tote.

Auch wenn wir in Österreich das "Privileg" haben, die Situation über unsere Handybildschirme aus unseren sicheren Wohnzimmern verfolgen zu können, sind grausame Nachrichten wie diese keinesfalls leicht zu verdauen. Die Kriegssituation belastet – man fühlt sich hilflos, weiß nicht, wie man damit umgehen soll.

Was du tun kannst, wenn dich die aktuellen Nachrichten belasten

Psychotherapeut Manfred Deiser und Psychologin Silvia Plasser geben wertvolle Tipps, die bei Ängsten helfen. Weiter unten findest du außerdem Telefonnummern, die du anrufen kannst, wenn du psychologische Unterstützung brauchst.

Sich Unterstützung holen

"Es kann durchaus passieren, dass man durch Nachrichten wie diese in seinen Ängsten getriggert wird", sagt Psychotherapeut Manfred Deiser vom Psychosozialen Krisendienst in Tirol. Er erzählt, dass im Laufe des Tages schon einige Menschen angerufen haben, die sich von der Situation überfordert fühlen.

"Wenn dem so ist – hol dir Hilfe! Telefonseelsorge sowie Krisenintervention gibt es in ganz Österreich. Ich halte es für sehr sinnvoll, mit jemandem zu sprechen, der therapeutische Erfahrung hat, weil es ja doch sehr stark um Ängste geht."

Das Konzept der Salutogenese

Hierbei handelt es sich um einen spannenden Ansatz, der von Soziologe Aaron Antonovsky begründet wurde. Er bezeichnet den individuellen Entwicklungs- und Erhaltungsprozess von Gesundheit.

"Salutogenese hat drei große Säulen: Verstehbarkeit, Gestaltbarkeit und Sinnhaftigkeit. Ich bemühe mich in schwierigen Situationen immer wieder, nach diesen drei Säulen Ausschau zu halten", erklärt Psychologin Silvia Plasser.

"Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland hat mein tiefstes Mitgefühl. Bloß: Ich kann es weder verstehen, habe keine großen Chancen, mitzugestalten, noch erscheint mir da irgend ein Funke Sinnhaftigkeit."

Für die Psychologin ist das Konzept der Salutogenese ein wesentlicher Bereich für die seelische Gesundheit, da es einen stärkt, wenn man sich die drei Säulen bewusst macht. "Und damit meine ich nicht, die Augen zu verschließen und zu sagen 'Es ist mir egal, was gerade in der Ukraine passiert.' Natürlich nicht. Aber man muss sich bewusst machen, dass es gewisse Bereiche gibt, in denen man nichts tun kann."

Mit "Mitgestalten" bzw. "Nichtstun" meint Plasser: Entscheidungen der russischen Regierung beeinflussen. Was man schon machen kann: "Sich informieren, wo Menschen direkt betroffen sind und spenden. Klar möchte man an einer besseren Welt mitgestalten. Aber ich muss mich fragen, was in meinem eigenen Umfeld möglich ist."

Den Nachrichtenkonsum begrenzen

Das Lesen der Nachrichten nicht endlos ausufern lassen, sich nicht darin verlieren: "Dieser Krieg ist natürlich etwas sehr Bedrohliches, worüber man sich auch informieren sollte. Aber gerade, wenn man sich davon getriggert fühlt, sollte man es nach einer gewissen Zeit bewusst auch wieder gut sein lassen", sagt Deiser.

Ein weiterer Tipp: Nicht wahllos im Internet herumsurfen, sondern bewusst seriöse Medien auswählen. Wo du dich über den Russland/Ukraine-Krieg informieren kannst und wie du Fake News erkennst, findest du hier.

Ablenkung

"Man kann Atemübungen machen, Kurzmeditationen oder funktionelle Entspannung nach Jacobsen", rät Deiser. "Dabei werden verschiedene Muskelgruppen von oben bis unten angespannt – hierzu findet man sehr viele Anleitungen im Internet."

Sich bewusst mit Sport oder einem Spaziergang in der Natur abzulenken, kann ebenfalls helfen, runterzukommen und wieder in ein positives Mindset zu gelangen.

Hier findest du Hilfe:

  • Telefonseelsorge: 142
  • Rat auf Draht: 147 (speziell für Kinder und Jugendliche)
  • Notfallpsychologischer Dienst Österreich: 0699/ 188 554 00
  • Psycho-Sozialer Dienst: 01/31330
  • Kriseninterventionszentrum: +43 1 406 95 95
  • Psychosozialer Krisendienst: 0800 400 120
  • Notfall-Hotline Außenministerium: 01/90115 4411

Hier kannst du helfen:

  • Rotes Kreuz: IBAN AT57 2011 1400 1440 0144, Kennwort: Ukraine – Hilfe für Menschen im Konflikt
  • Caritas: IBAN AT23 2011 1000 0123 4560
  • Diakonie: IBAN AT85 2011 1287 1196 6333, Kennwort: Flüchtlings-Nothilfe
  • Volkshilfe: IBAN AT77 6000 0000 0174 0400, Kennwort: Nothilfe Ukraine
  • Ärzte ohne Grenzen: IBAN AT43 2011 1289 2684 7600
  • SOS-Kinderdorf: IBAN AT46 1644 0001 4477 4477
  • Unicef Spendenkonto: AT46 6000 0000 0151 6500, Kennwort: Nothilfe Ukraine