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Ungeplant verreisen – 5 Schritte zur Überraschung

Ungeplant verplant: Living-Redakteurin Monika Dlugokecki ließ andere ihren Trip organisieren und erfuhr erst kurz vor Abflug, wohin ihre Reise eigentlich geht.

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Ungeplant verreisen – 5 Schritte zur Überraschung
© Privat

Sie ließ sich spontan vom pulsierenden Leben Neapels treiben - und erlebte ein Wochenende voller Überraschungen. Living-Redakteurin Monika Dlugokecki erfuhr erst kurz vor Abflug, wohin ihre Reise eigentlich geht.

Die besten Momente im Leben sind ungeplant, heißt es. Ich habe mein Schicksal ein wenig herausgefordert und mich auf ein geplant ungeplantes Abenteuer eingelassen. Und nun stehe ich in Neapels Altstadt und werde von der ersten Sekunde an mitgerissen vom lebendigen Treiben des neapoletanischen Temperaments, vom Wuseln der Mopeds, die kreuz und quer durch die engen Gassen düsen. Von den Märkten und den vielen Gerüchen, die mir von jeder Straßenecke entgegenströmen. Zeit, um mich auf die drittgrößte Stadt Italiens vorzubereiten, hatte ich keine, denn noch vier Stunden zuvor wusste ich nicht, wohin mich die Reise überhaupt führen würde.

Stark bleiben bis zum Schluss

Aber alles der Reihe nach: Rund drei Monate vor Abreise fülle ich auf unplanned.de einen Fragebogen aus. Bin ich kulturinteressiert, naturverbunden oder doch eher ein Partygirl? Flunkern bringt hier gar nichts, denn schließlich will der Reiseveranstalter den für mich perfekten Trip zusammenstellen. Wer besonders mutig ist, überspringt die genauen Fragen und gibt nur Reisedatum, Art und Budget ein. Ich gehe doch auf Nummer sicher. Danach folgt die Planungsphase, die Unplanned komplett übernimmt. Meine Neugierde wächst mit jedem Tag. Erst eine Woche vor Abflug erhalte ich einen Umschlag mit den wichtigsten Reiseinfos und Flugtickets. Der soll aber bis kurz vor Abflug verschlossen bleiben. Jetzt heißt es stark sein. Drei Tage vor Reiseantritt folgt eine Mail mit den Airport-Zeiten sowie einer empfohlenen Packliste und einer Wettervorschau. Und nein, ich hab immer noch keinen Plan, wohin es gehen soll. Dann, endlich, der Tag X. Ein bisschen nervöser und viel pünktlicher als sonst stehe ich morgens am Flughafen, die Überraschung wird endlich gelüftet. Die Freude ist groß. Es geht also nach Neapel.

In Neapel dreht sich alles um Pizza!

Abhängen mit Locals

Zwei Programmpunkte wurden für mich organisiert: eine private Morgen-Yogastunde sowie eine Tour mit zwei Locals, die mich durch die hippen Gegenden Neapels führen. Ich erfahre viel über die aufstrebende Kunstszene Neapels, bekomme eine exklusive Führung durch eine zeitgenössische Ausstellung im Cloister - wie der Name schon verrät, einem umfunktionierten Kloster.

Weiter gehts in die vielen kleinen, prunkvollen Kirchen, die sich -teils versteckt -in den Gässchen befinden. Dazwischen Fassaden mit Graffitis, mindestens genauso viele Marienstatuen, die an den mit Wäscheleinen miteinander verbundenen Häusern angebracht sind. Die bunte Vielfalt Neapels ist unverkennbar. Sie bewegt sich zwischen Gegenwart und Antike. Meine Guides laden mich noch ein, mit ihnen und ihren Freunden zu essen. Überlegen muss ich nicht, schließlich habe ich null Zeitdruck. Herrlich, in einer fremden Stadt in den Tag hineinzuleben. Am nächsten Tag geht es nach Capri, eine der drei vorgelagerten Inseln. Die Ruhe hier ist nach dem Gewusel fast schon wieder gewöhnungsbedürftig. Ich genieße das Flanieren und die Ruhe des Meeresrauschens. Denn am Abend stürze ich mich ins Nachtleben Neapels. Das findet outdoor statt und beinhaltet eine Pizza. Ich komme an einer Kartonbox vorbei, vor der sich eine Menschentraube bildet. In dieser Box sitzt eine junge Künstlerin, die einen Monolog hält. Ich verstehe zwar kein Wort, bleibe dennoch fasziniert stehen - genieße den Spirit der jungen Menschen um mich herum und freue mich über die vielen ungeplanten Momente, die ich an jenem Wochenende erleben durfte.

So geht ungeplant vereisen:

1. Datum & Budget:

Zunächst wählt man Reisedatum &Dauer und gibt an, wie viel Geld für Anreise und Unterkunft ausgegeben werden können. Dann beantwortet man Fragen zu Anreise, Interessen, Hobbys, Personenanzahl und Reiseverhalten. Man kann auch bestimmte Städte ausschließen.

2. Das große Planen

Jetzt heißt es warten. Denn anhand der Antworten wird die individuelle Reiseüberraschung zugeschnitten und das persönliche Booklet zusammengestellt.

3. Die Spannung steigt

Eine Woche vor Abflug kommt das schwarze Kuvert per Post. Darin befinden sich alle Infos, Flugtickets und Vouchers. Jetzt heißt es tapfer sein und nicht öffnen. Es zahlt sich aus, versprochen!

4. Erste Infos zur Reise

Keine Sorge, drei Tage vor Abflug oder Abfahrt kommen per Mail erste Infos mit Zeiten, Wetter und einer Packliste. Aber: Der Zielort bleibt weiterhin geheim.

5. Hurra, es geht nach...

Am vereinbarten Ort der Abreise darf der Umschlag endlich geöffnet werden. Das Abenteuer kann losgehen. Das Travelbook beinhaltet noch mal alle Zeiten sowie Routen, Sehenswürdigkeiten, Lokaltipps und, wenn gebucht, die Überraschungen. Je nachdem, welches Paket man gebucht hat, kosten die Reisen ab 300 Euro (Auto) bzw. 450 Euro (Flug, Bahn) pro Person ab zwei Reisenden.

Reiseinfos Neapel:

Anreise: Austrian Airlines fliegt zwei Mal pro Woche direkt, ab 85 Euro. austrian.com
Kunst & Kultur: Neapel mausert sich zum echten Geheimtipp unter Kunstinteressierten, mit einzigartigen Locations: In einem wiederbelebten Kloster finden regelmäßig zeitgenössiche Ausstellungen und Konzerte statt (madeincloister.com).
Ausgehen: Auch abends pulsiert die Stadt. Tipp: Das Spazio Nea ist ein Mix aus Galerie, Bücherei und cooler Bar (mit Hinterhof). spazionea.it
Shoppen: In der Altstadt gibt's entlang der Via San Gregorio Armeno traditionelle Krippengeschäfte und Kunsthandwerk. Im Viertel Chiaia findet man Boutiquen und Designer-Shops. Wer lieber auf Märkten shoppt, ist im Stadtteil Vomero bestens aufgehoben.
Schlechtwetter-Tipp: Unter der Stadt existiert ein Labyrinth aus antiken Tunneln und Hallen.
Must see: Die archäologische Stätte Pompeji ist nur eine halbe Stunde entfernt.

Erklimmenswert: Der Vesuv gehört zu den gefährlichen aktiven Vulkanen. Der Blick in den Krater sowie über die Bucht von Neapel ist unbezahlbar.

Procida. Bunte Fischerhäuschen, die sich übereinanderstapeln, machen den Charme der kleinsten und ruhigsten der drei Inseln aus. Spezialität: "Spaghetti ai ricci", also Spaghetti mit Seeigel. Fahrzeit: rund eine Stunde mit der Fähre.

Ischia. Die Insel gilt als die gelassenere Schwester Capris. Mit verträumten Buchten und traumhaften Wanderwegen. Mit der Fähre ist man in rund eineinhalb Stunden dort.

Meine Überraschungen:

YOGA & PRIVATE TOUR. Da hüpfte das Asana-Herz: Dank Emanuelas privater Yoga-Morgenstunde, die vom Hotel SuperOtium als Überraschung gebucht wurde, startete ich entspannt in den Tag. Die Locals Annachiara & Francesco führten durch die City. insidehere.org

Falls Zeit bleibt, ist die Fahrt mit der U-Bahn, Linie 1, ein Erlebnis:
Sie verbindet das Zentrum mit dem Stadtteil Vomero und wird auch "Metrò dell'Arte" (auf Deutsch: U-Bahn der Kunst) genannt, weil viele Haltestellen von zeitgenössischen Künstlern gestaltet wurden.
PIZZA-TIPP: Pizzeria di Matteo. Es dauert eine Weile, bis man einen Tisch bekommt -das Warten lohnt sich aber! pizzeriadimatteo.com L'Antica Pizzeria da Michele. Hier gibt es nur die typisch neapolitanischen Pizzasorten Margherita und Marinara. damichele.net 50 Kalò. Stylishe Pizzeria, die Zutaten kommen ausschließlich aus der Region.
Neapel hat viele Facetten: In den Vierteln Posillipo und Vomero gibt's die schönsten Ausblicke auf den Golf von Neapel und den Vesuv. Der noble Stadtteil Chiaia (Foto) eignet sich perfekt zum Shoppen. Tipp: Die Promenade Via Carracciolo direkt am Meer, wo Fischer ihren frischen Fang verkaufen.
Abends treffen sich alle auf der Straße vor den Bars oder einem der hippen Hinterhöfe. Wie im Lanifcio25, einer Location in Porta Capuana, wo Kultur-, Künstlerund Musikevents stattfinden.

Thema: Reise