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Der Feind auf meiner Haut

Eigentlich ist die Haut ein Schutzmantel. Doch wenn dein Gleichgewicht gestört ist, sind Pickel & Schuppen die Folge. Anti-Stress-Programme & die richtige Pflege helfen.

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Frau, Gesicht
© istockphoto.com

Hundert Billionen Bakterien, Pilze und Viren leben auf und in unserem Körper. Das ist eine Zahl mit unglaublichen 14 Nullen. All diese Lebewesen sind notwendig, denn sie bilden unser Mikrobiom. Das hält unseren Stoffwechsel im Gleichgewicht, unterstützt das Immunsystem (hier: 14 Tipps für eine starke Abwehr) und überzieht die Haut mit einem Schutzmantel gegen schädliche äußere Einflüsse. In den vergangenen Jahren entdeckte die medizinische Wissenschaft zahlreiche Auswirkungen dieser Bakterien vor allem auf unsere Verdauung. Bücher wie etwa "Darm mit Charme" haben das Wissen populär gemacht. Jetzt hat die Forschung das Bakteriengleichgewicht auf unserer Haut im Visier. "Die Mikro-Organismen sorgen dafür, dass keine unerwünschten Eindringlinge von außen die Schutzbarriere unserer Haut schwächen", erklärt Dr. Markus Dawid. "Passiert das nämlich, können Pickel, entzündete Stellen und Schuppen entstehen." Gerade erst ist der Dermatologe von einem medizinischen Kongress in Vancouver zurückgekommen, auf dem er sich intensiv mit dem Mikrobiom der Haut beschäftigt hat. Uns erklärt er die häufigsten Ursachen für Akne und schuppige Kopf haut bei Erwachsenen, und was man dagegen tun kann.

Immer dieser Stress ...

Gut 41 Prozent aller Frauen zwischen 25 und 40 leiden unter unreiner Haut, bis zu 30 Prozent haben Schuppen. Und: Im Unterschied zum Teenageralter, wo in erster Linie die überbordende Talgproduktion aufgrund der Hormonumstellung für Mitesser und mehr verantwortlich ist, hat die erwachsene Haut zusätzlich mit Feuchtigkeitsmangel, Glanz im gesamten Gesicht und erweiterten Poren zu kämpfen. Hauptschuld an dieser Misere ist - wer sonst - der Stress. Stress von außen durch verschmutzte Luft, UV-Strahlung, schlechte oder schlampige Reinigung. Und Stress von innen durch zu wenig Schlaf, schlechte Ernährung, zu wenig Gemüse, zu viel Zucker, Alkohol, Zigaretten, Medikamente, Hormonschwankungen und mehr. "Bei negativem Stress ist unser Stoffwechsel darauf getriggert, zu funktionieren, alle nicht lebenswichtigen Funktionen werden zurückgefahren", erklärt Dr. Dawid. "Auch die Zellteilung verringert sich, die Talgproduktion wird gedrosselt. Diese ist aber essenziell für unser Hautgleichgewicht." Die Folge: Das Milieu der Haut ändert sich, wird eher basisch statt sauer, Aknebakterien bzw. Hefepilze auf der Kopf haut können überhandnehmen. Sie verlegen die Poren, ein Pickel entsteht. Das wiederum sorgt dafür, dass die Talgdrüsen alarmiert werden. Sie beginnen, besonders stark zu produzieren, um die unerwünschten Bakterien loszuwerden. Das verstärkt das Problem noch, ein Teufelskreis entsteht.

Lösungsansätze.

Erster Ansatz ist natürlich der Lebensstil. Mehr und regelmäßiger schlafen; gesund essen mit viel Gemüse; Zucker, Koffein, Alkohol, Medikamente, wenn geht, zurückschrauben. Zusätzlich sollte man den negativen Stress, der täglich auf einen einprasselt, bzw. den Druck, den man sich selber macht, besser kontrollieren. Da das leider nicht immer so einfach geht, helfen auch die richtigen Pflegeprodukte, das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen. Denn diese wirken direkt auf das Mikrobiom und unterstützen dabei, die Flora wieder ins Lot zu bringen. Dawid weiß, dass hier viele Fehler gemacht werden: "Aknepatienten haben oft das Bedürfnis, ihre Haut besonders intensiv zu reinigen, da sie glauben, sie sei schmutzig. Doch entfettende Produkte sind kontraproduktiv. Denn die greifen den Schutzmantel der Haut an, also verstärken die Talgdrüsen wiederum ihre Produktion. Viel besser ist eine milde, hauttypgerechte Pflege, die Make-up und Umweltablagerungen gründlich entfernt." Für untertags empfiehlt der Arzt Cremes mit viel Feuchtigkeit, die auch beruhigt, und unbedingt mit UV-Filter. Make-up und Abdeckmittel sieht er übrigens nicht kritisch: "Heute gibt es schon so viele Produkte, die genau dafür entwickelt wurden. Sie verstopfen nicht die Poren, sondern nehmen den überschüssigen Talg auf. Und wenn man sich mit abgedecktem Gesicht wohler fühlt, dann hat das ja auch einen psychologischen Effekt, der wieder Stress verringert."

Hand anlegen?

Was tut man nun, wenn man trotz richtiger Pflege die Pickel wachsen spürt? Das Beste ist, sie ausheilen zu lassen - wenn man das schafft! Keinesfalls drücken darf man, wenn das Wimmerl tief sitzt oder keinen gelben Punkt hat. "Dann drückt man zwar die Flüssigkeit heraus, aber sie kann nicht nach außen ablaufen. Sie geht ins Gewebe und verursacht dort Entzündungen und Narben", weiß Dawid. Solange der "Übeltäter" nicht "reif" ist, sollte man ihn mit einem entsprechenden On-the-Spot-Produkt abdecken. Das hält uns auch davon ab, uns ständig ins Gesicht zu fahren. Denn: "Jeder Pickel hat zehn Feinde. Das sind die zehn Finger. Die verbreiten das Problem eher, als dass sie es lösen", betont der Experte. Ist der rote Punkt irgendwann doch reif, sollte man ihn öffnen. Das geht am besten mit einer sterilen Nadel oder einem Blutzuckermessblättchen. Weiters sollte man von unten nach oben drücken. Hilfreich dabei kann ein sogenannter Komedonenquetscher sein, wie er in Apotheken erhältlich ist.

Die Kopfhaut.

Und wie sieht es mit Schuppen aus? "Die Lebensstil-Ursachen dafür sind die gleichen wie bei der unreinen Haut", weiß Dawid. "Einziger Unterschied ist der Verursacher. Im Gesicht tummelt sich das Propionibacterium acnes. Auf der Kopfhaut (alles zur Kopfhaut-Pflege hier) lebt der Hefepilz Malassezia. Vermehrt er sich zu sehr, wird die Zellerneuerung stark angeregt, um ihn mit abfallenden Hautschuppen loszuwerden. Das merken wir als Juckreiz." Die sich ändernden Jahreszeiten können für zusätzlichen Stress sorgen, was erklärt, warum viele das Schuppenproblem nur im Herbst und Winter haben. Übrigens: Mützen, Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit verstärken das Ärgernis auf der Kopf haut eher noch. Ein Kardinalfehler ist, laut Dawid, mit nassen Haaren ins Bett zu gehen: "Das ist dann wie ein Gewächshaus für diesen Pilz." Spezielle Antischuppen-Shampoos bekämpfen einerseits den Hefepilz, fördern andererseits das natürliche Mikrobiom der Kopfhaut. "Man sollte das Ganze auf jeden Fall nicht einfach anstehen lassen", rät der Dermatologe.