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"Unser Kind ist eine Hure"

Wenn die Eltern herausfinden, dass du dein Geld als Hure verdienst: Maria ist 42 Jahre alt, als Juristin beruflich erfolgreich und hat seit 12 Jahren ein Hobby, das sie ihnen lange Zeit verheimlichte. Sie arbeitet nebenbei als Luxus-Prostituierte.


Escort
© iStockphoto.com

"Meine Eltern sind sehr stolz auf mein abgeschlossenes Jus-Studium, meinen Job als Juristin und auf meinen Bruder und seine zwei Kinder im Reihenhaus. Weniger stolz sind sie darüber, dass ich noch keine zwei Kinder und kein Reihenhaus habe, dafür würde ich einen festen Partner benötigen, aber den gibt es eben nicht so einfach für eine erfolgreiche und unabhängige Frau.

Überhaupt nicht stolz sind meine Eltern über mein Hobby als Escort, oder um es mit ihren Worten zu sagen: „Unser Kind ist eine Hure, was haben wir falsch gemacht?“.

Wie meine Mutter es herausfand

Einige junge Frauen lassen sich nackt für den Playboy fotografieren und erzählen es ihren Eltern erst dann, wenn das Männermagazin am Kiosk liegt, weil sie sich eigentlich dafür schämen, diese Bilder gemacht zu haben. Es soll Väter geben, die ihre erwachsenen Töchter im Playboy das erste Mal nackt gesehen haben. Die meisten Frauen sollen stolz wie Oskar sein, aber viele geben es auch nicht zu, denn sich nackt ausziehen und sich damit von jedem, der sich ein Heft kauft, begaffen lassen zu können ist für viele ein moralisches Problem.

Die Feststellung, dass ein Kind als Prostituierte arbeitet, ist ein noch viel größeres moralisches Problem. Dass meine Eltern es erfahren haben, ist meiner Faulheit zu verdanken. Zudem auch noch meiner Abneigung, bestimmte Dinge zu verbergen.

Hat es meine Eltern interessiert, warum ich für Geld mit Männern schlafe? Eher weniger, denn die Tatsache alleine ist schon schlimm genug. Und allgemein wird angenommen, dass Frauen es aus Geldnot machen oder weil sie als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurden. Beides kann ich für mich verneinen und für viele Kolleginnen sind dies wohl ebenso nicht die Gründe, warum sie als Escort arbeiten.

Meine Mutter fand es heraus, weil ich sie gebeten hatte, sich etwas Geld aus meiner Spardose in der Küche zu nehmen. In dieser Spardose befanden sich von einem letzten Date einige etwas größere Scheine und daneben lag mein kleines Kassenbuch. Wie Mütter nun einmal sind - nämlich mit einer gewissen Neugier versehen - schaute sie in das Buch. Dann herrschte erst einmal längeres Schweigen, was mir nicht sofort auffiel. Meine Mutter zog los und meinte, sie komme gleich mit den Erledigungen wieder.

Nach zwei Stunden fiel mir auf, dass meine Mutter für ein paar Erledigungen im Supermarkt etwas lange brauchte. An ihr Handy ging sie nicht und da ich zu einem Termin musste, machte ich mich auf den Weg und fand meine Mutter in einem kleinen Café bei mir um die Ecke. Sie sah verheult aus. Ich setze mich zu ihr an den Tisch und fragte, was los sei.

Wieder kamen ihr Tränen und dann fragte sie mich ganz direkt, ob ich für Geld mit Männern schlafen würde. Ob ihre Tochter eine Nutte sei, ob sie das verdient hätte und warum ich das machen würde.

Meine Mutter hatte schlicht und einfach aus den wenigen Kassenbuchnotizen die richtigen Schlüsse gezogen: Namen von Männern, versehen mit einem Datum sowie einer Uhrzeit und einem Geldbetrag sprechen eine eindeutige Sprache, auch wenn es nur wenige Einträge sind.

Zuerst einmal zahlte ich die zwei Schnäpse und den Kaffee meiner Mutter, dann sagte ich meinen Termin ab und ging mit ihr nach Hause. Wohin sie zuerst nicht wollte, da sie dachte, ich würde auch dort meinem "Nuttengeschäft" nachgehen.

Der Tag wurde lang und ich musste viele Tränen meiner Mutter wegwischen, bis sie einigermaßen verstand, was ich da tat und warum. Sie verstand es, aber sie würde es nie akzeptieren - darüber bin ich mir sofort im Klaren gewesen. Sie dachte, ich hätte Geldsorgen und sie würden mir helfen können, aber ich musste alle Gründe, die ihr einfielen, verneinen.

Spaß ist für meine Mutter kein annehmbarer Grund gewesen. Sie habe auch nicht immer ein erfülltes Sexleben gehabt und mein Vater sei auch nicht gerade eine Sexkanone (Dinge, die ich wiederum nicht hören wollte), aber deshalb sei sie nicht mit einem anderen Mann ins Bett gegangen und schon gar nicht für Geld.

Mein Vater

Nachdem meine Mutter und ich uns zwei Tage lang ausgesprochen hatten und somit unser gemeinsames Wochenende ein sehr monothematisches Wochenende war, musste sie wieder zurück zu meinem Vater ins Reihenhaus. Sie müsse es ihm sagen und sie tat es auch.

Was genau bei meinen Eltern im Reihenhaus passiert ist, als er es erfahren hatte, habe ich nie herausgefunden. Mein Vater sprach erst einmal zwei Monate nicht mit mir, dann rief er an und meldete einen Besuch an. Ein Nein würde er nicht akzeptieren, ich solle alle Termine absagen, vor allem wenn ich an diesem Tag einen "Nuttentermin" habe.

Ich bin eine selbstständige Frau und dennoch hatte ich die Hosen ziemlich voll als er vor der Tür stand. Einen Strauß Blumen in der Hand und eine Flasche Sekt im Arm. „So etwas bekommst du von deinen Freiern wohl eher nicht“, mit diesen Worten begrüßte er mich.

Es wurde ein langer Tag. Ein Tag, an dem ich ihm erklärte, warum Escort und Straßenstrich meilenweit voneinander entfernt sind und ich keinen Zuhälter habe, der mich regelmäßig schlägt und mich um mein Geld betrügt.

Es wäre gelogen, wenn mein Vater akzeptieren würde, was ich mache, aber er nimmt es hin und er spricht mit mir. Er will nichts über das Thema hören und verlangt auch von mir nicht darüber zu sprechen. Meine Mutter ist da anders. Manchmal will sie wissen, wie ein Date gewesen ist, wenn sie weiß, dass ich einen Escorttermin habe. Sie findet es teilweise aufregend, vor allen nachdem sie verstanden hat, was und warum ich es mache.

Hure oder Schlampe

Meinen Vater habe ich einmal gefragt, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich mit vielen Männern schlafen würde, dafür dann aber kein Geld nehmen würde.

Es gab natürlich einen Unterschied. Würde ich mit vielen Männern schlafen ohne finanziellen Hintergrund, dann sei ich eben eine Schlampe. So bin ich die Hure für ihn.

Huren haben übrigens in seinen Augen keine Chance auf ein intaktes Familienleben und aus diesem Grund hat sich mein Vater davon verabschiedet, jemals Opa von einem Kind von mir zu werden.

Schmerzende Wahrheit

Meine Eltern wissen, was ich mache. Meine Mutter kann damit - auch wegen ihrer Neugier - leben und umgehen. Mein Vater ist enttäuscht und spielt der Familie und mir etwas vor. Die Wahrheit ist schmerzhaft, aber meine Eltern auf Dauer zu belügen, würde wohl noch mehr schmerzen."

Als Champusgirl ist Maria online unterwegs und auf ihrem Blog berichtet die lebenslustige Berlinerin, die aktuell in Frankfurt lebt, sehr persönlich über ihr "Doppelleben" als Escortdame.

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