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Unterm Schleier für einen Tag: Leserin Carina Simoni verhüllte sich – ihre Erlebnisse

Warum erregt ein Kleiderstück so viel Aufsehen? Und wie reagieren Menschen tatsächlich darauf? WOMAN-Leserin Carina Simoni verhüllte sich einen Tag lang im Ganzkörperschleier. Die Reportage.


  • Bild 1 von 16 © Heinz Tesarek
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Starrende Menschen. Skeptische Blicke. Ungläubiges Kopfschütteln. Manche bleiben sogar stehen und schauen ihr hinterher. Carina Simoni schlendert gemütlich durch die Wiener Innenstadt. – Verhüllt in einen Niqab, einen schwarzen Ganzkörperschleier, der sie komplett bedeckt. Bis auf einen schmalen Sehschlitz, 20 Zentimeter breit, nicht einmal einen Zentimeter hoch. Doch auch diesen letzten Spalt könnte die Trägerin durch ein dünnes weiteres Stofftuch schließen und somit auch ihre Augen vor der Öffentlichkeit verbergen.

Gewöhnlich trägt die 22-jährige Carina Simoni Jeans, Kleider und Shirts. Doch WOMAN schickte die Studentin einen Tag lang vollkommen verschleiert auf die Straße. Denn obwohl in Österreich Schätzungen zufolge nur etwa 100 Frauen einen Ganzkörperschleier tragen, wird über kein Kleidungsstück derzeit mehr diskutiert! Wir wollten daher wissen: Wie fühlt man sich darunter? Wie findet man sich in Alltagssituationen wie Shopping, Jobsuche oder in der U-Bahn zurecht? Und vor allem: Wie reagiert das Umfeld? Kann ein Kleidungsstück unter Mitmenschen wirklich Hass und Aggression hervorrufen?

Schleier-Limits.
Erst vor kurzem verordnete die Medizinische Universität Graz für ihre Studenten ein Schleierverbot bei Prüfungen und Seminaren. In Belgien wurde der Schleier gleich ganz verbannt, und auch in Frankreich und Spanien gilt in öffentlichen Einrichtungen das Verschleierungsverbot – wer wider das Gesetz handelt, dem drohen hohe Geldstrafen.

Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft, steht Verboten skeptisch gegenüber, denn: „Der Gesichtsschleier ist theologisch gar nicht notwendig, das ist auch die überwiegende Meinung vieler Männer und Frauen. Ich persönlich kenne auch mehr Frauen, die den Ganzschleier abgelegt haben, und nur wenige, die ihn tragen. Verbote würden diese Entwicklung wieder stoppen!“ ( Das gesamte Interview mit Amina Baghajati finden Sie HIER )

Burka-Verbot.
Auch hierzulande fordern einige Politiker das Burka-Verbot. Dabei sieht man eine richtige Burka ( blauer Ganzkörperschleier mit einem Stoffgitter vor den Augen, Anm. ) bei uns kaum bis gar nicht. Üblicher, aber auch nur selten zu sehen ist der sogenannte Niqab.

Amina Baghajati: „Einzig im Sommer sind aufgrund des Tourismus einige Frauen mehr mit dieser Bekleidung anzutreffen – nämlich die im doppelten Sinne gut betuchten Touristinnen aus den Golfstaaten. Auf ihre Finanzkraft würde die Wirtschaft bestimmt ungern verzichten wollen...“

24 Stunden verkleidet.
Als Carina ihr Kleid gegen die schweren schwarzen Textilien getauscht hat, tauchen erste Unsicherheiten auf. Sie fühlt sich beengt. Zaghaft mischt sie sich mit dem bodenlangen Gewand unters Volk. Sie muss sich daran erst gewöhnen. Und: Sie weiß nicht, was ihr bevorsteht...
Die ersten Reaktionen fallen eher unfreundlich aus: „Burka! Burka!“, ruft ein junger Bauarbeiter Carina laut zu, während er sich bei der Würstelbude einen Snack bestellt. Durch den Schleier sieht niemand, dass sie peinlich berührt ist. Rasch geht sie weiter.

LESEN Sie die gesamte Reportage über Carinas Erlebnisse in WOMAN 21/2010!

WEITER: Das Interview mit Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Redaktion: Melanie Zingl