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Kennst du den Unterschied zwischen Vulva und Vagina?

Nein? Dann erklärt es dir gerne das Kollektiv Kimäre: Sechs Frauen setzten sich in ihrer Kunst mit den weiblichen Genitalien auseinander. Nächste Gelegenheit bietet die "Vulvassage" am 8. November in Wien.

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Kennst du den Unterschied zwischen Vulva und Vagina?
© Kollektiv Kimäre

Angefangen hat alles mit einem riesigen, erigierten Penis. Nicht in echt, sondern in einer Ausstellung im MUMOK. "Wann immer irgendwo Penisse ausgestellt werden, sind sie meisten monströs. Wenn Frauen nackt gezeigt werden, dann oft in lasziven Posen und im Ganzen - eine Vulva sieht man auch im künstlerischen Kontext selten bis gar nicht", erzählen Anja Pospisil und Marietta Born, die beide Teil des "Kollektiv Kimäre" sind. Dabei handelt es sich um den Zusammenschluss von sechs jungen Künstlerinnen, die in Wien arbeiten. Ihr aktuelles Thema: Die Vulva. Und vor allem: Ihre Enttabusisierung.

Denn das die weiblichen Genitalien immer noch ein Tabu sind, merke man schon an der Sprache: "Viele reden von 'da unten', wenn sie über ihre Vulva sprechen." Wenn schon, dann würden die Menschen noch eher das Wort "Vagina" über die Lippen kriegen - aber das ist der innen liegende Teil des weiblichen Geschlechts. Das, was man von außen sehen kann, ist nun mal die "Vulva". Die Reaktionen auf ihre Kunst wären recht unterschiedlich. In der Familie? Insbesondere Anjas Oma hat sich inzwischen näher mit ihrer Kunst befasst. "Am Anfang hat sie noch gefragt: 'Was machst denn du da?' Wenn sie heute meine Werke sieht, sagt sie, dass sie gerne selbst welche haben will - und wir sie ja nicht zu billig verkaufen sollen!" Bei einem Telefonat mit Anjas Mutter habe sie außerdem festgestellt, dass das "ja gar kein Porno" sei, was ihre Enkeltochter da macht.

Die Ausdrucksformen des Kollektivs sind vielfältig: Von Malereien und Plastiken über Lyrik bis hinzu Foto- und Videoinstallationen reicht die Pallette. "Wir probieren einfach alle gerne Dinge aus", sagen die beiden. Das merkt man schon beim Interview am Donaukanal, als sie einen an die Wand geschmierten Penis entdecken - ja, wenn man mal darauf achtet, merkt man, dass sie wirklich überall sind. Kurzerhand bemalen die beiden eine Slipeinlage, die mit ein paar künstlerischen Strichen schnell in eine Vulva verwandelt ist - und schwupps, klebt sie schon über dem Penis an der Wand. Man könnte fast sagen, das Kollektiv Kimäre hilft der Vulva den öffentlichen Raum zu erobern. Das sei vor allem auch deshalb wichtig, um für einen entkrampfteren Umgang zu sorgen. So haben sie auch etwa viel Straßenmalerei betrieben und mit den PassantInnen darüber geredet, was das sein soll und worum es hier geht.

"Vulvassage": Pop-Up am 8. November

Aber ihre Kunst findet nicht nur im öffentlichen Raum statt - am 8. November findet ein Pop-Up, die sogenannte "Vulvassage" statt. Und zwar im Wiener Amerlinghaus unter dem Titel "SIE! MICH AN". Eröffnung ist um 18:30, ab 20:30 Uhr öffnet auch der "UV-Lightroom" seine Pforten. Wichtig: Das ist nicht der Auftakt zu einer längerfristigen Ausstellung, sondern ein einziger, ganz spezieller Abend. Einem Abend "mit Charme, statt Scham", wie es auf der Facebook-Seite der Veranstaltung heißt. Im Rahmen des Pop-Up werden auch unangenehme Fragen zu Schönheitsidealen, Menstruation und Masturbation gestellt. Auch einen musikalischen Beitrag zum Thema wird es geben.

Marietta (links) und Anja an einem noch sommerlichen Tag am Donaukanal.

Vulven in den Sozialen Netzwerken

Wer sich schon vorab einen Eindruck von der Vulva-Kunst machen will: Das Kollektiv Kimäre ist sowohl auf Facebook wie auch auf Instagram vertreten - wobei zweiteres wesentlich mehr Likes und Reaktionen brächte, Facebook ist mehr als Info-Seite zu verstehen. Ob sie da für ihre Kunst angefeindet werden? "Am ehesten sind es noch merkwürdige bis kindische Kommentare." Etwa Männer, die anbieten, dass sie auch einen Penis malen könnten. Aber wie wir eingangs schon festgestellt haben - davon gibt es eigentlich eh schon genug. Mehr Vulven braucht die Kunst!