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"Upskirting": Wie eine betroffene Britin das Gesetz änderte

Ob Gina Martin in England oder Sigi Maurer in Österreich: Wie politisches Engagement und Mut zu fortschrittlichen Gesetzen gegen sexuelle Belästigung beitragen können.

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"Upskirting": Wie eine betroffene Britin das Gesetz änderte
© iStock/DRB Images, LLC

Nicht alles, was falsch ist, ist auch durch Gesetze verboten. Das lehrte uns etwa erst kürzlich der Vorfall rund um Ex-Grünen-Politikerin Sigi Maurer. Sie erhielt obszöne Droh-Nachrichten eines Mannes, an dessen Geschäft sie häufig vorbei geht. Aber: Kein österreichisches Gesetz verbietet das, Maurer hatte keine rechtliche Handhabe, um gegen den Belästiger vorzugehen. Deshalb hatte sie sich dazu entschieden, die Nachrichten öffentlich zu machen - nicht zuletzt um anderen Frauen die von so etwas betroffen sind, Mut zu machen.


Aber auch um zu zeigen, welchen unfassbaren Äußerungen und Übergriffen man als Frau immer wieder ausgesetzt ist - und wie wenig man oft rechtlich dagegen machen kann. Denn: Während Maurer nicht gegen die Belästigung vorgehen kann, hat der Beschuldigte nun seinerseits Klage gegen Maurer wegen Kreditschädigung und übler Nachrede eingebracht - was an Absurdität eigentlich nicht mehr zu überbieten ist und Maurer einen enormen finanziellen Schaden zufügen könnte. Einzig: Diese ganze, abstruse Causa hat nun dazu geführt, dass sich eine bereits im März von der Regierung eingesetzte "Task Force sexuelle Belästigung" auch dieser Art der Cyber-Belästigung annehmen soll.

Upskirting: Ungewolltes unter den Rock fotografieren

So ähnlich ging es auch einer jungen Britin. Bei einem Festival im Hyde Park in London wurde Gina Martin mehrfach von zwei Typen angebaggert, sie hat sie abgewiesen. Daraufhin zückte einer der beiden seine Handykamera und fotografierte unter ihren Rock - ein Übegriff, der in Großbritannien als "upskirting" bezeichnet wird - und verschickte das Bild an alle seine umstehenden Freunde. Gina Martin entriss ihm das Handy und rannte damit davon. Als schlussendlich die Polizei eingriff, wurde ihr gesagt, sogenanntes "Upskirting" sei kein Strafbestand, man könne nichts machen, ihr Fall wurde geschlossen. Also entschloss sie sich, eine Petition für die erneute Öffnung zu starten. Diese ist in weiterer Folge zu einer Kampagne für die Schaffung eines Gesetztes dagegen avanciert. Gina Martin war überrascht, wie viele andere Frauen auch von derartigen Übergriffen betroffen sind und wie groß der Zuspruch zu ihrem politischen Engagement ist.

Ein Jahr, nachdem Gina Martin auf dem Musikfestival belästigt wurde und ihre Kampagne gestartet hat, scheint dieser Kampf für besseren rechtlichen Schutz nun endlich Früchte zu tragen: Am Freitag gab die britische Justizministerin Lucy Frazer bekannt, dass man einer Gesetzesvorlage zustimmen werde, die das sogenannte "Upskirting" verbieten wird und das Vergehen mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. "Dadurch, dass wir 'Uspkirting' zu einem spezifischen Vergehen erklären, senden wir eine klare Botschaft, dass so ein Verhalten nicht toleriert wird und die Belästiger angemessen bestraft werden", so Justizministerin Lucy Frazer. Sie wolle sich bei Wera Hobhouse (jene Abgeordnete, der Liberal-Demokraten, die die Gesetzesvorlage eingebracht hat, Anm.) und Gina Martin, sowie allen anderen, die die Kampagne unterstützt haben, bedanken.

"Jetzt hören uns die Mächtigen!"

Und was sagt Gina Martin selbst? "Vor einem Jahr habe ich diese Kampagne gestartet, nachdem ich das Ziel eines solchen Übergriffs war. Und jetzt ist das Ergebnis all dieser harten Arbeit, dass Frauen und Mädchen, die dieses Gesetz brauchen, nun von jenen gehört werden, die an der Macht sind." Word! Und wenn uns diese Geschichte eines zeigt: Es zahlt sich aus laut zu sein, für seine Rechte aufzustehen - und die Gesetze und somit die Welt, in der wir leben, zu verändern.

Hier das Guardian-Video mit Gina Martin: