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Die Wahrheit über den Urlaub mit Kindern

Urlaub! Zwischen Windeleimer, Babybrei und Trotzphase braucht man den dringend. Wenn Ferien mit Kind nur wirklich Erholung wären, meint Mamabloggerin Sue.

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Die Wahrheit über den Urlaub mit Kindern
© Instagram

Urlaub – zwischen Windeleimer, Babybrei und Trotzphase wünscht man sich ja insgeheim oft nichts sehnlicher. Schon während man sich mit 3.000 anderen Mamas in vorweihnachtlicher Shopping-Idylle vor der Grabbelkiste um die reduzierten Baby-Schlafsäcke prügelt, träumt man von Meer, Sand, Sonne und Cocktails und fasst spätestens da den fixen Plan, jetzt aber wirklich die überschüssigen Babypfunde zugunsten des neuen Bikinis zu verlieren.

Dass ein Urlaub mit Kind leider nur wenig mit dem Urlaub zu tun hat, den man bei solchen Träumereien im Kopf hat, weiß man da ja Gott sei Dank noch nicht (oder hat es seit dem letzten desaströsen Familienurlaub erfolgreich verdrängt). Zu diesem Zeitpunkt denkt man noch: Urlaub, das war doch das mit lange schlafen, gut essen, auf der Liege brutzeln, Seele baumeln lassen….das will ich jetzt, hier und sofort!

»Tausche Fiji gegen Jesolo: Mit Kind ist praktisch das neue aufregend«

Etwa ein halbes Jahr später findet man sich dann nur leider in einer ganz anderen Situation wieder – und zwar nicht nur deshalb, weil man es natürlich doch nicht geschafft hat, sich in den neuen Bikini hineinzuhungern. Die erste Ernüchterung ist meist schon das gewählte Reiseziel. Meine letzten Destinationen, bevor ich schwanger wurde: Neuseeland und Fiji. Meine ersten Destinationen mit Kind: Millstatt und Jesolo.

Der wahre Spaß beginnt allerdings, wenn es ans Packen geht. Sind Baby oder Budget zu klein, um sich einen Flug zu gönnen, hat man nämlich die ehrenvolle Aufgabe, den gesamten Hausstand in einen handelsüblichen Personenkraftwagen zu packen. Beim ersten Urlaub mit Noah mussten wir uns allen Ernstes ein größeres Auto ausleihen, bevor wir mit Beistellbett, Vaporisator, Fläschchen, Windeln, Feuchttüchern, Schlafsäcken, Kinderwagen, Milchpulver, Wippe und 1.000 anderen Dingen bepackt in Richtung Kärnten lostuckern konnten und dabei wohl eher aussahen, als hätten wir uns für ein Stapel-Spiel bei „Wetten, dass…“ angemeldet.

Da fängt es schon an: Wann ist der perfekte Zeitpunkt für die Abfahrt?

Äußerst wichtig ist dabei übrigens der richtige Zeitpunkt für die Abfahrt. Ist das Kind nicht mehr so klein, dass es tagsüber verlässlich einige Stunden am Stück schläft, will die kostbare Stunde Mittagsschlaf, die der Zwerg nicht hinten auf den billigen Plätzen nörgelt, gut eingeteilt werden! Leider ist dies aber trotz noch so exakter Excel-Prognosen ein Ding der Unmöglichkeit – genau an diesem Tag wird der liebe Nachwuchs nach einem erfrischenden 10-Minuten-Nickerchern bei der ersten Bodenwelle die Äuglein wieder aufschlagen und lautstark nach Unterhaltung verlangen.

In Schichten dürfen Mama und Papa dann auf der Rückbank den Animateur spielen und ungeachtet der Tatsache, dass ihnen beim Rüberbeugen zum Kindersitz bereits nach den ersten Minuten kotzübel geworden ist, ein Bilderbuch nach dem anderen aus dem Ärmel zaubern oder das liebe Kind mit Saft, Keksis und Brezerl bei Laune halten.

Ist man nach vielen Stunden und Klopausen dann endlich am Ort seiner Träume angelangt, will sich leider auch dort das bekannte Urlaubsgefühl nicht wirklich einstellen. Früher, ja früher, da gönnte man sich erst mal einen Begrüßungs-Cocktail auf der Sonnenterrasse – heute wischt man dem Kind nach fünf Minuten die Blutsuppe aus dem Gesicht, weil es in Sekundenschnelle die einzige gefährliche Stelle in der kindersicheren Unterkunft ausgemacht und sich Lippe voran über die Terrassenschwelle gestürzt hat.

Das hysterisch brüllende Kind am Arm versucht man also, irgendwo in den 200 unausgepackten Taschen Winnie-Pooh-Pflaster, Schnuller und verloren gegangene Urlaubslaune zu finden, anstatt sich wohlverdient durch das Angebot der Pool-Bar zu testen.

Selbst wenn die aufgeplatzte Lippe dann erfolgreich unter dem Lieblingsschnuller versteckt ist, will sich oft ums Verrecken kein Motiv finden, das man guten Gewissens unter dem Titel „So schön hier im Urlaub!“ auf Facebook posten könnte, um die Daheimgebliebenen neidisch zu machen. Dem Kind ist die Sonne zu heiß, der Sand zu sandig, das Wasser zu nass und auch sonst alles zu blöd.

»Der eigene Hintern berührt die luxuriöse Strandliege maximal für 5 Sekunden«

Der eigene Hintern hat den gesamten Urlaub noch für keine fünf Sekunden die teuer bezahlte Strandliege berührt, weil man im Dauerbespaßungsmodus versucht, das Kind mit dem 500. Sandförmchen davon zu überzeugen, dass Strandurlaub doch was ganz was Tolles ist! Mittagsschlaf und geregelte Mahlzeiten werden ab dem ersten Tag aus Prinzip verweigert – höchstens unterbrochen von etwa 20 Eis am Tag, die das Kind sich herablässt, eventuell zu essen.

Das erste Mal, als ich die Erfahrung machen durfte, dass meinem Kind im Urlaub wirklich gar nichts recht zu machen ist, suchte ich die Schuld noch bei mir. Doch als ich mich in einer quasi außerkörperlichen Erfahrung selbst dabei beobachtete, wie ich im Luna Park mein sauer verdientes Geld abwechselnd gegen Eistüten eintauschte und in verschiedenfarbig blinkende Fahrzeuge warf, während Noah unter all den juchzenden Kindern das einzige war, das in seinem roten Rennauto flennte, wurde mir klar: Nichts, was ich machte, würde an Noahs Urlaubsfrust etwas ändern. So richtig glücklich war der kleine Mann erst wieder, als wir nach einer Woche „Spaß“ daheim die Haustür wieder aufsperrten.

Mittlerweile kann er dem Thema Strandurlaub zwar schon etwas mehr abgewinnen, aber ehrlich gesagt bräuchte ich nach so einem Familienurlaub meistens immer noch eine Sache ganz, ganz dringend: Urlaub.

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog und Buch „Hand aufs Herz“ darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt’s auf Facebook.com/handaufsherzblog.

Kommentare

Katha Mayla

Ich denke mit Kindern kann man sehr viel erleben auch wenn dieser Sommer so verregnet ist wie kaum einer, aber dann am besten ab in die Stadt und Museen erleben, machen wir mit unseren Kleinen immer in Linz, da gibt es vom Ars Electronica bis hin zum Pöstlingberg alles was kinderherzen höher schlagen lässt, wenn es das Wetter zulässt dann auch auf Veranstaltungen wie das Pflasterspektakel oder co

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