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18 Jahre Haft für Rachepornos!

18 Jahre Haft! Mit diesem Urteil statuierte ein US-Gericht ein Exempel an Kevin Bollaert, dem Betreiber einer der größten Racheporno-Websites.

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18 Jahre Haft für Rachepornos!
© REUTERS/Tomas Bravo

Am Ende, als das Urteil vor dem Gericht in San Diego verkündet wurde, da weinte er dann. 18 Jahre wird der Amerikaner Kevin Bollaert hinter Gittern sitzen. Eine lange Zeit, um nachzudenken, über Gut und Böse, über Falsch und Richtig.

2012 war es, als der damals 24-Jährige seine niederträchtige Geschäftsidee entwickelte, die ihn zwischenzeitlich zu einem wohlhabenden Mann, letztendlich aber ins Kittchen beförderte.

Bollaert gründete das Portal ugotposted.com, auf dem User die Nacktfotos ihrer Ex-Freundinnen ohne deren Wissen posten konnten – jedoch unter Angabe des vollen Namens, der Wohnadresse und des Social Media Accounts der Opfer. "Rachepornos" nennt sich das neue Genre, das im WWW binnen kürzester Zeit tausende Anhänger fand. Mehr als 10.000 Bilder wurden zwischen Dezember 2012 und September 2013 hochgeladen. An den Peaks erreichte die Racheporno-Website rund 600.000 Visits pro Tag.

"Ich hatte keine Ahnung, dass mich Millionen Menschen im Internet nackt sehen konnten," erzählte eines der Opfer vor dem Gericht. "Bis ich plötzlich auf Facebook abscheuliche Mails von Typen erhielt, die mein Foto und meinen Kontakt auf ugotposted.com gesehen hatten."

Nacktfotos unwissender Frauen ins Netz gestellt – dann erpresst

Doch die lukrative Traffic-Vermarktung seiner Racheporno-Website war Kevin Bollaert zu wenig. 900 Dollar durch Anzeigenschaltungen pro Monat – da geht mehr. Scham, so dachte er, ist das beste Schmiermittel für weiteres Einkommen. Im Besitz aller Daten der Opfer, kontaktierte er diese und bot ihnen gegen ein Entgelt die Löschung ihrer Bilder an. Diesen Dienst nannte er "Changemyreputation.com " – zu deutsch in etwa "Verbessere meinen Ruf".

27 Frauen stiegen aus Angst vor weiterer öffentlicher Demütigung auf die Erpressung ein, überwiesen in Summe 30.000 Dollar auf Bollaerts Konto. Vor Gericht sprachen die Frauen über die Schande, die sie erleiden mussten: "Ich hatte Todesangst, dass plötzlich irgendeiner dieser Wahnsinnigen, die sich an meinem Nacktfoto im Internet aufgegeilt haben, vor meiner Tür steht und mir etwas antut. Als ich Kevin Bollaert kontaktierte und ihn bat, mein Bild und meine Daten zu löschen, lachte er nur, meinte, dass er mein Bild auch ganz hübsch fände – und dass er sowas Nettes nur dann löschen würde, wenn ich Geld überwiesen hätte."

Vor Gericht bereute Bollaert. "Ich habe durch mein Handeln das Leben zahlreicher Frauen ruiniert. Es tut mir unendlich leid." Doch Tränen kamen ihm erst aus Selbstmitleid.

Das strenge Urteil von 18 Jahren Haft dürfte einen Präzedenzfall geschaffen haben. Und einem Mann namens Hunter Moore bereits schlaflose Nächte bereiten. Dem Gründer der noch wesentlich erfolgreicheren Racheporno-Seite isanyoneup.com wird in wenigen Wochen der Prozess gemacht.

Themen: Sexismus, Report