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Vagina zukleben? Die fragwürdigste Idee zur Menstruation

Weil wir Frauen selbst nicht mit einer besseren Lösung zur Regelblutung dahergekommen sind, hilft uns nun ein Chiropraktiker aus Kansas auf die Sprünge: Und will mit einer neuen Art von Kleber die Vagina zukleben.

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Die fragwürdigste Idee zur Periode
© iStockphoto.com

Mensez nennt sich der Kleber, der in Form eines Lippenstiftes auf die Vagina aufgetragen wird, um so die Regelblutung zu stoppen, wenn es nach dessen Erfinder Dan Dopps geht: Einfach die Schamlippen zukleben und schon sei man komplett sorgenfrei, weil die Regelblutung nicht mehr raus aus dem eigenen Körper kann.

Nie wieder Tampons, Binden oder Menstruationstasse in der Periode? Nun ja, die Aussicht darauf, Klebstoff auf eine unserer sensibelsten Körperstellen aufzutragen, versetzt uns auch nicht wirklich in Vorfreude. Und so soll das Ganze funktionieren: Mensez sei eine Kombination aus Aminosäuren und Öl, die einmal aufgetragen dafür sorgt, dass die Schamlippen aneinander kleben bleiben und kein Blut austreten könne. Besucht man jedoch die Toilette, so würde der Kleber durch Urin gelöst werden und alles kann einfach in die Toilette abfließen.

Wir habe VIELE Fragen

Nun ja, zum zweiten Mal - wir hätten dazu ein paar offene Fragen: Wie kann dieser Kleber bei den Flüssigkeiten Blut, Ausfluss und Schweiß halten, aber sich bei Urin lösen? Und weitaus wichtiger: Kennt Herr Dopps überhaupt die weibliche Anatomie? Denn Regelblutung und Urin kommen bekanntlicherweise aus unterschiedlichen Quellen - einmal aus der Vagina und einmal aus der Harnröhre. Wie kann der Kleber dann überhaupt an der richtigen Stelle gelöst werden?

Auseinandersetzung auf Facebook

Diese Fragen haben nicht nur wir uns gestellt, sondern ebenso zahlreiche Personen auf der Facebookseite von Mendez und diese erhielten neben dem unschlagbaren Argument, dass der Kleber mehr Sinn ergäbe als ein Stöpsel, eine überaus charmante Antwort (welche mittlerweile gelöscht und durch das weiter unten stehende Posting ersetzt wurde):

"Hättet bessere Lösung finden sollen"

Übersetzung: "Ja, ich bin ein Mann und ihr als Frauen hättet mit einer besseren Lösung daherkommen sollen als Windeln und Stöpseln. Frauen sind durch die Periode 25 Prozent ihrer Lebenszeit abgelenkt und daher sind sie weitaus weniger produktiv, als sie sein könnten. Frauen wären eigentlich oft viel kreativer als Männer, aber durch ihre Periode werden ihre Fähigkeiten und ihr Hirn gedrosselt. ... Mein Traum wäre, dass Frauen befreit sind von dieser Ablenkung ... , um zu sehen, wie sie sich dann entwickeln."

Tampon ist kein Stöpsel

Abgesehen davon, dass ein Tampon kein Stöpsel ist, sondern eine Methode, bei der das Regelblut aufgesaugt wird, lässt sich nicht im Geringsten erkennen, warum ein Klebstoff die sonstigen Auswirkungen des Zyklus stoppen sollte, um so die sogenannte Ablenkung verschwinden zu lassen? Der Klebstoff hält keinerlei Hormone auf, die unsere Stimmung beeinflussen und der Klebstoff hält auch nicht die Schmerzen auf, die mit der Menstruation einhergehen, weil unser Körper durch krampfartiges Zusammenziehen aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abstößt.

Vorurteile befeuert

Darüber hinaus bestätigt der Mensez-Erfinder sämtliche Vorurteile gegenüber Frauen: Sie seien weniger produktiv und schwächer als Männer. Aber die Periode ist etwas, das zum Leben dazu gehört - und wir sollen und können nichts an der Menstruation an sich ändern, sondern einzig daran, wie andere damit umgehen. Tipps von einem Chiropraktiker, der scheins nicht weiß, wie ein weiblicher Körper funktioniert, sind dabei nicht wirklich hilfreich. Denn die Periode macht uns nicht zu einem 25% weniger tauglichen Menschen, sondern sie gehört einfach zum Menschsein dazu.