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Eine Roman-Figur als Rollenvorbild?

Die Roman-Figur "Veilchen" ist eine Powerfrau mit blondem Afro und Lederjacke. Wie viel Vorbild-Potential steckt in ihr? Wir haben mit Autor Joe Fischler darüber gesprochen.

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Valerie Veilchen - Joe Fischler

Autor Joe Fischler mit Veilchen, der Hauptfigur seiner Romane.

© Watzek Photografie

Valerie "Veilchen" Mauser ist eine Halbtirolerin mit blondem Afro, die stets eine Lederjacke und Turnschuhe trägt. Sie ist ziemlich schlank - aber nicht nur weil sie bei ihrer Arbeit als "Oberleutnantin" viel körperlich-polizeilichen Einsatz hat, sondern auch weil sie häufig vergisst zu essen. Veilchen ist eine Kämpferin, deren Namen nicht von der Blume stammt, sondern von dem blauen Auge, das sie öfters vom Dienst mit nach Hause nimmt. In den Veilchen-Romanen setzt sich die Hauptfigur in einer Männerdomaine durch. Wir haben den Autor Joe Fischler gefragt, warum Veilchen ein echtes Frauenvorbild sein könnte.

WOMAN: Wie kamen Sie auf Valerie „Veilchen“ Mauser?
Joe Fischler: Ich wollte unbedingt eine Frau als Heldin haben. Eine, die auffällt, die man sich merkt. Eine Kämpferin, was sich auch darin zeigt, dass ihr Spitzname „Veilchen“ nicht von den Blumen, sondern dem blauen Auge kommt, das sie manchmal vom Dienst nach Hause bringt. Sie kämpft mit vollem Einsatz und vergisst zu oft auf sich selbst.

WOMAN: Warum hat sie einen blonden Afro und eine Lederjacke?
Joe Fischler: Für den Afro kann sie ja nichts, der wurde ihr in die Wiege gelegt (von mir, gut… vielleicht, weil ich auffällige Haare super finde). Früher wurde sie dafür gehänselt, in der Schule etwa. Aber heute trägt sie ihr haariges Schicksal mit Stolz. Sie ist eine Frau, die ihrem Kampf für die Gerechtigkeit vieles unterordnet. Sie kleidet sich praktisch, und so eine Lederjacke macht eine Menge mit…

Valerie Veilchen - Joe Fischler
Valerie "Veilchen" Mauser

WOMAN: Was können sich Frauen von diesem „Veilchen“ abschauen?
Joe Fischler: Ich würde mir nie anmaßen, mit Valerie Mauser irgendetwas vorzugeben oder als besonders erstrebenswert darzustellen. Wir haben schon Oberlehrer genug und so ist Veilchen einfach eine Frau, die mitten im Leben steht, ihren Rucksack zu tragen hat und trotzdem ihren Dienst tut – auf ihre ganz eigene Weise. Veilchen soll kein Vorbild sein, sie ist einfach da.

WOMAN: Welches Frauenbild möchten Sie transportieren?
Joe Fischler: Meines: Frauen sind super!

WOMAN: Wie verhält sich „Veilchen“ in der Männerdomaine Polizeidienst?
Joe Fischler: Wie in vielen Bereichen arbeiten heute auch in der Polizei viele erfolgreiche Frauen, natürlich zu wenige – Pionierinnen haben sich ihren Platz erkämpft, andere folgen, alles geht langsam, aber es geht und die Geschlechtergrenzen sind längst nicht mehr so wichtig wie z.B. noch in der Zeit meiner Kindheit. Valerie Mauser hat sich aufgrund ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinns für den Polizeidienst entschieden und mit überragenden Leistungen nach oben gearbeitet. Ihr Status ist kein Thema.

WOMAN: Ist „Veilchens Feuer“ ein Frauenbuch?
Joe Fischler: Ich denke, dass Krimis generell besonders gerne von Frauen gelesen werden. Aber weil für mich persönlich das Geschlecht zwar sexuell, aber nicht gesellschaftlich relevant ist, würde es keinen Sinn machen, ein Buch darauf anzulegen. Ich möchte gute Unterhaltung bieten und sowohl auf Fenster- als auch Türseite am Nachtkästchen liegen dürfen.

WOMAN: Wovon werden sie als Autor inspiriert?
Joe Fischler: Wie alle Künstler: Von dem, was rund um uns passiert, Tag für Tag, im Kleinen wie im Großen. Gespräche, Fernsehen, Bücher, Musik, Beobachtungen, Erlebnisse – nur das, was man aufnimmt, kann eines Tages auch wieder aus einem herauskommen. Weshalb ich glaube, dass man als Autor mitten im Leben stehen muss ¬– als Eremit könnte ich kaum spannende Krimis schreiben. Ich könnte höchstens einen abschreiben, aber nichts Neues schaffen. Also: Inspiration kommt aus dem Alltag. Je mehr man in sich hineinlässt, desto mehr kann auch wieder herauskommen.

WOMAN: Brauchen Sie manchmal Tipps für die Frauenfigur „Veilchen“ – und wenn ja, wer gibt sie Ihnen?
Joe Fischler: Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, was auch bedeuten kann, mich mal durch Magazine und Stylingprodukte meiner Freundin zu wühlen. Aber das sind Nebenschauplätze. Die wirklich wichtigen Dinge, wie das Verhalten meiner Figur Valerie Mauser in bestimmten Situationen und Dialogen, kommen aus der Summe von Beobachtungen und Erfahrungen, die sich im Lauf des Lebens sammeln. Ich glaube übrigens nicht, dass Frauen rätselhafte Wesen sind. Ich glaube, Männer, die so etwas sagen, sind einfach nicht aufmerksam genug.

WOMAN: Am Ende von „Veilchens Feuer“ wird klar, dass sich Valerie Mauser ihrer Vergangenheit stellen muss. Wie geht es weiter mit dem Veilchen?
Joe Fischler: Ja, genau das wird passieren ¬– Valerie Mausers Vergangenheit holt sie ein: Die Rückkehr der verlorenen Tochter. Rasant, spannend und ganz anders als gedacht. Aber pst… mehr darf ich noch nicht verraten! Nur so viel: Der neue Veilchen-Fall erscheint im Oktober 2016.

Valerie Veilchen - Joe Fischler

Der neue Roman "Veilchens Feuer - Valerie Mausers zweiter Fall" ist ab jetzt für 9,95 Euro im Haymon Verlag erhältlich.

Themen: Sexismus,

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