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Vanessa Swarovski-Piedra im WOMAN-
Interview: "Ich bleibe ein Tiroler Mädel!"

Die Schwester von Nadja Swarovski-Adams hat ihre eigene Schmucklinie. WOMAN besuchte die 41-Jährige zuhause in Texas und sprach mit ihr exklusiv über ihr wertvollstes Geschmeide, ihre Familie und Schicksalsschläge.


Vanessa Swarovski-Piedra im WOMAN-
Interview: "Ich bleibe ein Tiroler Mädel!"
© Larry W. Smith

WOMAN: Frau Swarovski Piedra, Sie sind die ältere Tochter von Gesellschafter Helmut Swarovski und seiner Frau Danna. Und somit auch die Schwester von Nadja Swarovski-Adams, die erste Frau im Executive Board von Swarovski ist und von London aus ihre Geschäfte leitet. Sie hingegen leben in Texas. Wie oft sehen Sie einander – wo sie doch alle in verschiedene Himmelsrichtungen verstreut sind?

Swarovski: Wir sehen uns so oft wie möglich, da ich sehr eng mit meinen Eltern verbunden bin. Mein Vater kommt mich in Texas besuchen, wenn er in der Nähe einen Geschäfts-Termin hat, er will ja schließlich seine Enkelkinder sehen. Meine Mutter treffe ich in Florida und meine Schwester sehe ich spätestens zu Weihnachten, wenn wir alle zusammen sind. Meine Mädels und Nadjas Kinder freuen sich immer sehr wenn sie miteinander spielen können, sie sind beinahe gleich alt.

WOMAN: Wann und aus welchem Anlass waren Sie das letzte Mal in Tirol?

Swarovski: Da war ich vor drei Jahren das letzte Mal. Ich bin immer gerne dort, weil ich dann meine Cousinen und Cousins sehen kann, die Tiroler Berge und die heimische Küche genießen kann. Obwohl ich gerne in den USA lebe, vermisse ich trotzdem die Tiroler Atmosphäre und Kultur. Immerhin bin ich ja dort aufgewachsen.

WOMAN: Hat Sie eine Managerkarriere im Familienimperium nie interessiert?

Swarovski: Ich habe früher im Familienbetrieb mitgearbeitet. Zuerst in Österreich, dann in Los Angeles, dann in Zürich. Aber ich wollte immer meine eigene Firma haben...

WOMAN: Sind Nadja und Sie sich ähnlich oder grundverschieden?

Swarovski: Wir sind uns total ähnlich und dann wieder doch nicht. Wir sehen uns sehr ähnlich, sind beide mit Ausländern verheiratet. Wir sind beide karrierebewusst, sie arbeitet direkt im Swarovski Betrieb mit, kümmert sich um die Kommunikation, ich leite meine eigene Firma.

WOMAN: Warum arbeiten Sie überhaupt? Sie könnten sich doch auch ein schönes Leben machen – das nötige Auskommen haben Sie ja bestimmt...

Swarovski: Ja, das stimmt, sehr gute Frage! Logisch könnte ich den ganzen Tag Golfen, aber das wäre mir zu langweilig und würde mich intellektuell nicht fordern. Ich glaube in Europa ist es eher ein Stigma dass wohlhabende Damen und Herren nicht arbeiten, wenn Sie nicht müssen. Aber wenn man gute Voraussetzungen hat, macht es Spaß diese zu benützen. Es ist sogar wichtig, denn man hat die Chance die Umgebung positive zu ändern, Arbeitsplätze zu schaffen, und das ist der Start einer neuen Business Generation – wie ein Dominoeffekt. Wir brauchen Selbststarter und überhaupt baut man auch etwas für die Nachkommen. Die könnten dann ein Geschäft, wenn sie Interesse haben, weiterführen. Aber ich würde niemandem etwas aufzwingen!

WOMAN: Ist der Name „Swarovski“ eigentlich Hürde oder Hilfe?

Swarovski: Es gibt privat wie beruflich Vor- und Nachteile. Man muss extra bewusst umgehen, man muss sich benehmen... In Europa ist es viel schwerer, denn die Paparazzi verfolgen einen dort auf Schritt und Tritt. Da muss man gut aufpassen, es sei denn, man möchte diese Art von Aufmerksamkeit. Hier in den USA ist es noch milder, obwohl dies sich auch langsam dem europäischen Standard in der kritischen Berichterstattung angepasst wird. Ich stelle mich gerne unter dem Namen meines Mannes den Leuten vor, denn da werde ich ganz normal behandelt. Überhaupt auf Messen und beim Einkauf bekomme ich bessere Konditionen, als wenn ich als „Swarovski” auftrete.

WOMAN: Vor zwei Jahren haben Sie eine eigene Kollektion gelauncht mit dem Branding „VSP“. Unter dieser Marke bieten Sie eigene Schmuckkreationen an. Was hat Sie dazu inspiriert?

Swarovski: Mein Mann war der Hauptkatalysator und meine Muse. Meine Eltern haben mich nie zurück gehalten, und dadurch wurde ich automatisch auch von ihnen unterstützt... Kaufen kann man die Teile u.a. bei Bergdorf Goodmaan N.Y. Und auch direkt bei mir im Internet bestellen unter www.vspcompany.com . Hauptzielgruppe sind Frauen und der Preis variiert zwischen $ 40 und $ 6000. Es soll für jedes Portemonnaie etwas dabei sein. Es wäre schön, wenn ich in fünf Jahren mit meinem Unternehmen in allen Staaten der USA und in Asien und Europa vertreten bin.

WOMAN: Wie wohnen Sie eigentlich?

Swarovski: Ich wohne in einer sogenannten „gated golf community“ außerhalb von Dallas. Meine Nachbarn sind z. B: die Jonas Brothers. Es ist wie im eigenen kleinen Dorf wohnen. Alle Nachbarn kennen sich, es gibt keinen Durchzugsverkehr. Das ist praktisch für unsere zwei Töchter, denn sie können unbeaufsichtigt in der Nachbarschaft Fahrrad fahren und zum Kinder-Club gehen, ohne dass ich Angst haben muss.

WOMAN: Sie haben ein sehr modern eingerichtetes Haus...

Swarovski: Ja, wir haben erst vor kurzem renoviert, neu gestrichen etc. Das Schönste an unserem Haus ist der romantische Garten mit Laube, wo ganz kleine Hühner herumspazieren und mir Eier frische Eier legen. Man kann ein Mädchen aus Tirol heraus bekommen, aber man kann nicht Tirol aus dem Mädchen heraus bekommen! (lacht) Auch wenn wir viel reisen, ist meiner Familie und mir unser Zuhause ganz wichtig. Wir haben auch ständig Besuch aus Österreich oder Freunden aus New York und Los Angeles.

WOMAN: Was mögen Sie am texanischen Lifestyle?

Swarovski: Es ist ähnlich wie am Land in Tirol, sehr grün, nur es regnet weniger. Ich mag die Anonymität, die es bietet. Und trotzdem gibt es keine „hidden agendas“. Wenn man Leute kennen lernt, kann man davon ausgehen, dass die womöglich auch ihre Millionen haben. Man neidet sich hier nichts. Das ist sehr angenehm.

WOMAN: An welchem Platz fühlen Sie sich besonders wohl?

Swarovski: Immer dort, wo sich meine Mädels und mein Mann befinden. Ich könnte überall wohnen, solange wir als Familie zusammen sind.

WOMAN: Aufgewachsen sind Sie in Wattens. Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt? War es immer wie ein Prinzessinnentraum?

Swarovski: Nein... Wie alle hatten wir damals nur zwei Fernsehsender und auf einem wurde Russisch gelehrt. Der kalte Krieg saß damals den Leuten noch in den Knochen. Wir hatten einen schönen großen Garten was viele andere vielleicht nicht hatten und was man dann auch zu schätzen lernt. In den Sommern reisten wieder oft in die USA zu Mutters Verwandten. Und auch in die Disney World in Florida. Das war in den 70gern unser Highlight und vollkommen surreal! Mit meiner Cousine Anouschka ( Fionas Schwester, Anm. ) habe ich sehr gern Barbie gespielt. Wenn wir zusammen waren, waren meist auch unsere Cousins Paul und Alexander dabei. Wir sind alle gleich alt.

WOMAN: Mussten Sie oft in die Kirche gehen – wie es sich für fromme Tiroler gehört?

Swarovski: Wir sind jeden Sonntag in die evangelische Kirche gegangen. Meine Mutter hatte sie bauen lassen.

WOMAN: War Ihre Mutter berufstätig?

Swarovski: Meine Mutter hat nicht gearbeitet, Sie war mit uns zu hause und Muttersein war ihr Job. Mein Vater war untertags immer im Büro. Wir hatten zwar ein Kindermädchen, aber nicht anstatt unserer Mutter, sondern für den Fall, wenn meine Eltern auf Reisen gingen.

WOMAN: Welchen Lebensstil, welche Werte hat Ihnen Ihre Mutter – sie ist Amerikanerin – vermittelt?

Swarovski: Don't judge a book by its cover. Also: Beurteile ein Buch nie nach seiner Außenansicht. Meine Mutter hat mir schon früh eine größere Welt nähergebracht. Wir haben jedes Jahr meine Grosseltern in USA besucht, und sind eben dadurch bi-cultural aufgewachsen. Das ist das beste Geschenk das man Kindern als Eltern geben kann.

WOMAN: Die Swarovski-Männer gelten als mächtige Patriarchen. Haben Sie Ihren Vater Helmut auch als solchen erlebt?

Swarovski: Für mich ist mein Vater immer mein Vater: leicht ansprechbar, lustig und sehr lieb. In der Firma ist er aber eine große Respektsperson, logisch…Er hat aber ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitern und Angestellten, überhaupt mit jenen aus dem technischen Bereich. Er meinte immer: Steter Tropfen höhlt den Stein! Zeige Durchhaltevermögen und gib nie auf! Auch seine Liebe zur Kreativität und Herstellung war immer sehr ansteckend und motivierend! Ebenso seine Leidenschaft für die Natur, die Tiere und die Jagd hat mich geprägt. In den Achtzigern kam der Aufschwung in der Firma und ich ging ins Internat. Zuerst in Kempfenhausen am Starnberger See und dann in der Schule Schloss Salem am Bodensee.

WOMAN: Mit 14 haben Sie einen Sommer lang eine Goldschmiedeausbildung am Design-Institut in Rom absolviert. Wie kam es dazu?

Swarovski: Das war durch meinen Vater motiviert. Goldschmiede hat mich immer interessiert! Mein Professor war Steffano Ricci, Hauptdesigner für Bulgari damals. Eine super Erfahrung! Maturiert habe ich an der „Blake Prep-School“ in den USA. Dort habe ich bei meinen amerikanischen Cousins gewohnt. Und dann habe ich an der Universität von Südkalifornien studiert und mit 21 noch ergänzend Edelsteinfachkunde. Ich habe dann in einem New Yorker Diamantkonzern gearbeitet und war nach meiner Rückkehr nach Tirol die erste Gemologin in der Firma in Wattens, in unserer Edelstein Abteilung.

WOMAN: Warum sind Sie 1997 doch wieder zurück in die USA gezogen, genaugenommen nach Vero Beach, Florida? Wurde Ihnen Tirol zu klein und eng?

Swarovski: Gut erkannt. Tirol wird schnell klein. Ich vermisse es, aber es bietet sich viel mehr im Ausland/USA an, das ist einfach Fakt. Für mich war es immer leicht, da ich mich in USA genau so zuhause fühle.

WOMAN: Tragen Sie privat eigentlich auch immer Schmuck?

Swarovski: Meistens ja...

WOMAN: Welches Schmuckstück hat den emotional gesehen den höchsten Wert für Sie?

Swarovski: Mein Ehering...

WOMAN: Das wird Ihren Mann, Profi-Baseballer Jorge Piedra aber freuen! Sie sind heuer 10 Jahre verheiratet! Wo und wie haben Sie einander kennengelernt?

Swarovski: Ich habe meinen Mann in einem Restaurant in Florida kennen gelernt und ihm anonym einen Drink spendiert. Er wusste doch irgendwie, dass der von mir kam und bedankte sich bei mir. Das Beste war, dass er so vertiefter Sportler war und nicht viel von der “Kristallwelt“ wusste... So erfrischend! Und umgekehrt war es genauso: ich wusste nichts über Amerikanisches Baseball. Obwohl die meisten Mädchen total darauf fliegen (lacht) .

WOMAN: Jorge ist zehn Jahre jünger als Sie. War das jemals ein Problem für Sie beide?

Swarovski: Das fällt uns nicht so auf, weil wir gleich alt aussehen. Und dann weiß ich natürlich nicht wie es wäre mit einem älteren Mann, das kann ich nicht beurteilen, ich kenne ja nur diesen.

WOMAN: Wie und wo haben Sie Ja gesagt?

Swarovski: In Florida. Es war eine schnelle Entscheidung, weil ich nur mit Ehering am Finger mit Jorge auf Turnier reisen würde, und die Zeit war knapp. Freunde und Familie waren eingeladen, es war eine kleine Hochzeit.

WOMAN: Wie hat Ihre Familie auf Jorge reagiert, weil er Sportler ist und nicht der „Herr Doktor,“ den sich viele Eltern für die Tochter wünschen...

Swarovski: Zuerst skeptisch und dann als sie ihn kennen lernten sehr gut. Er hat eine gute Ausstrahlung und liebe, nette Art. Er hat ganz traditionell bei meinem Vater um meine Hand angehalten, ohne dass ich es wusste und mich dann mit einem Ring überrascht.

WOMAN: Inzwischen sind Sie auch zweifache Mutter...

Swarovski: Ja. Olivia ist 8 und gerade in der 3. Klasse und Mina, 4, ist dreimal die Woche im Kindergarten. Aber nur weil es Mina gefällt. Ansonsten hätte ich Sie gerne um mich. In meinem Büro hab ich deshalb einen Raum in meinem Büro eingerichtet, wo die Kleine mit ihren Freunden spielen kann. Und zuhause haben wir einen Minischauzer und ein Wiesel! Meinem Mann und mir ist es wichtig, viel Zeit mit den Mädchen zu verbringen und gezielt Projekte und Ausflüge zu organisieren und zu reisen. Wir legen Wert auf kulturelle Bildung und besuchen daher oft Museen und Kunstaustellungen mit ihnen. Jorge und ich renovieren auch historische Gebäude – das ist ein Hobby.

WOMAN: Ihr Ehemann war – entnehme ich dem Internet – 2005 in einen Dopingskandal verwickelt, wurde von mehreren Spielen suspendiert und musste sich danach mit einem weniger lukrativen Vertrag zufriedengeben. Hat das Ihre Partnerschaft belastet?

Swarovski: Ich bin 100 Prozent hinter ihm gestanden. Es war sehr unfair. Mein Mann hatte damals drei Knieoperationen hinter sich. Um so schnell wie möglich wieder geheilt zu werden verschrieb sein Arzt Jorge Medikamente, die im Test aufgeschienen sind. Doch es waren keine „anabolic steroids”, wie ihm angehängt wurde... Klar hat uns das gestresst, aber es ist Schnee von gestern.

WOMAN: Haben Sie jemals an Scheidung gedacht?

Swarovski: Nein. Wir haben die Mädels zusammen, und Scheidung für uns kommt nur in Frage, wenn ein weiteres Zusammenleben lebensgefährlich wäre, nicht aber aus Langweile oder wegen Streitereien. Man kann im Leben nicht immer davon laufen, wenn etwas unangenehm wird. Man muss die Selbstdisziplin haben, Sachen ausarbeiten zu können. Nur dann ist man ein gutes Vorbild für die Kinder. Sonst haben die ja keine Chance. Jorge sieht das genauso.

WOMAN: Gab es schon schmerzliche Krisen in Ihrem Leben, die Sie und Jorge gemeinsam bewältigt haben?

Swarovski: Ja. Den Tod unserer kleinen Tochter Eva. Sie kam zwei Jahre nach unserer Olivia zur Welt und ist mit drei Monaten an Herz Komplikationen gestorben. Wir haben es als Familie bewältigt, aber es hat einen Riss hinterlassen. Gestärkt hat es uns sicher nicht, aber es erweckte in mir eine andere Lebensanschauung. Normalerweise gehen 90 Prozent der Ehen in die Brüche, wenn ein das gemeinsame Kind stirbt...

WOMAN: Was bedeutet Reichtum für Sie?

Swarovski: Ohne Sorgen zu sein.

Interview: Petra Klikovits