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Kondome um 660 Euro

Die Krise in Venezuela macht Toilettenartikeln zur Mangelware. Kondome kosten bis zu 660 Euro. Die Zahl der Jugendschwangerschaften und HIV-Infektionen steigt.


Kondome um 660 Euro

Warteschlange vor einem Supermarkt in Caracas: Kondome sind ausverkauft

© REUTERS/Jorge Silva

4.760 Bolivar. Oder umgerechnet 660 Euro. So viel kostet nach einem Bericht der deutschen Zeit aktuell eine Packung Kondome in Venezuela.

Durch das Sinken des Ölpreises sind die Einnahmen Venezuelas massiv eingebrochen. Dazu kommt eine enorme Teuerungsrate. 70 Prozent aller Güter des Landes werden importiert, Produkte europäischer und amerikanischer Hersteller, die für Dollars eingeführt werden müssen, sind im Einzelhandel kaum noch zu bekommen. Windeln,Deodorants oder Shampoo gibt es nur mehr zu astronomischen Preisen.

Vor den Supermärkten bilden sich kilometerlange Schlangen, Menschen stehen mehrere Stunden an, um Zucker, Fleisch oder eben Toilettenartikel zu ergattern. Reichere Venezolaner schicken ihre Angestellten oder bezahlen Laufburschen, damit sich diese statt ihrer anstellen.

Hat man es in den Supermarkt geschafft, steht man vor leeren Regalen

Doch nichts ist derzeit so begehrt wie Kondome. Nur mehr ganz wenige Packungen liegen in den Apotheken. Auf MercadoLibre, einem auf seltene Konsumgüter spezialisierten Webshop, sind nur mehr vier Packungen lieferbar. Zu horrenden Preisen. Der monatliche Mindestlohn liegt in Venezuela bei 5600 Bolivar, was nach dem offiziellen Umtauschkurs knapp 890 Dollar entspricht. Für Kondome 4760 Bolivar auszugeben: Ein nicht finanzierbarer Luxus.

Kondome auf der Website von MercadoLibre

Auch die Vorräte an Antibabypillen gehen einem Ende zu. Der Mangel an Verhütungsmitteln stürzt das Land in einer noch tiefere Krise. Denn im streng katholischen Venezuela sind Abtreibungen bei Strafe verboten. Dennoch hat der Staat eine der höchsten Raten an Jugendschwangerschaften und HIV-Neuinfektionen unter allen südamerikanischen Ländern.

Nun fürchten Experten, dass nicht nur die Zahl der HIV-Kranken, sondern auch jene heimlicher Abtreibungen ansteigen könnte, verbunden mit einem erhöhten Risiko, dass die Frauen bei den illegalen Eingriffen sterben könnten.

Die Massnahmen gegen die Kondom-Krise erscheinen hilflos. Zwar hat Präsident Nicolás Maduro schon im letzten Juni angekündigt, dass mit einer neuen Kondom-Fabrik der Bedarf an Kondomen bald gedeckt werden könnte – doch die einheimischen Verhüterlis sind von extrem schlechter Qualität.