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Venezuela: Krise treibt Frauen in Prostitution

Die Wirtschaftskrise in Venezuela verschlimmert sich. Immer mehr Frauen werden in die Prostitution getrieben, wie ein neuer Bericht nun warnt.

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Venezuela: Krise treibt Frauen in Prostitution

Junge Frauen in Venezuela: Wenig Chancen am Arbeitsmarkt

© REUTERS/Carlos Garcia Rawlins

Seit vier Monaten verkauft sich Alondre jedes Wochenende auf den Straßen von Cucuta, einer Grenzstadt zwischen Venezuela und Kolumbien. Sie erträgt die schwitzenden, stinkenden Körper der Freier, die sie nach der Arbeit für eine schnelle Nummer im Auto an der Ecke auflesen. 50.000 kolumbianische Pesos, umgerechnet etwa 20 Euro, kann sie mit 20 Minuten Sex verdienen.

Sonntag Abend überquert Alondre dann die Grenze, um am Montag ihren Dienst in einer Fabrik in ihrer Heimat Venezuela anzutreten. In dem von einer massiven Wirtschaftskrise gebeutelten Land liegt der monatliche Mindestverdienst bei etwa 19 Euro – und der Wert des venezolanischen Bolivars stürzt aktuell ins bodenlose.

So treibt die Krise immer mehr venezolanische Frauen in die Prostitution nach Kolumbien, warnt ein neuer Bericht einer Menschenrechtsorganisation: "In Kolumbien können die Frauen in einer halben Stunde mit ihrem Körper mehr verdienen als in einem ganzen Monat Arbeit in ihrer Heimat." Vielen der Teilzeit-Prostituierten bleibt kaum eine andere Chance, um ihre Kinder zu ernähren.

Das Risiko für die Frauen ist hoch. Denn obwohl Prostitution in Kolumbien legal ist, versucht die Regierung der illegalen Sex-Arbeit einen Riegel vorzuschieben. Immer wieder gibt es Razzien in den Clubs und auf den Straßen der Grenzstädte zu Venezuela, werden die Frauen verhaftet und erst nach einem Gefängnisaufenthalt zurück in ihr Heimatland geschickt. Mütter kommen so mehrere Tage nicht zurück zu ihren Kindern, Frauen nicht rechtzeitig zu ihrer regulären Arbeit.

Doch Kolumbien hat triftige Gründe für das harsche Vorgehen gegen die illegalen Prostituierten aus dem Nachbarland. Denn in Venezuela stiegen parallel zum Einbruch der Wirtschaft die Preise für normale Alltagsartikel wie Shampoo oder Toilettenpapier. Die damit verbundene Sorge der kolumbianischen Gesundheitsbehörden: Die Kosten für eine Packung Kondome liegen in Venezuela derzeit bei unglaublichen 660 Euro. Weshalb die meisten Teilzeit-Prostituierten Sex ohne Verhütung anbieten – mit bedenklichen Folgen...

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