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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will dass jede Frau 6 Babys kriegt - während das Land zusammenbricht

"Passend" zum kommenden Weltfrauentag: Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro fordert alle Frauen dazu auf, sechs Kinder "zum Wohl des Landes" zu bekommen.

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Venezuelas Präsident Nicolás Maduro will dass jede Frau 6 Babys kriegt - während das Land zusammenbricht
© 2020 Getty Images

Ein Drittel der Bevölkerung Venezuelas hungert laut einer Studie der UN, Krankenhäuser müssen ohne Strom sowie einem Mangel an Medikamenten auskommen und eine Million Kinder wurden von ihren Familien zurückgelassen, die zur Flucht ins Ausland gezwungen wurden. Aktuell befindet sich das Land in Südamerika in einer massiven Polit- als auch Wirtschaftskrise. Präsident Nicolás Maduro hat dazu nun die optimale Lösung: noch mehr Kinder!

"Bringt Kinder auf die Welt!" sagte er, als er am Dienstag einen "Plan" für Frauengesundheit bewarb. "Jede Frau soll sechs Kinder haben! Jede! Zum Wohl des Landes!" Dazu ergänzte er noch, es sei schließlich "Frauenwoche", ein Hinweis auf den Internationalen Frauentag am 8. März.

Wie unsagbar passend. Schließlich geht es an diesem Tag ja eh nur um die Rechte von Frauen, die doch eigentlich das Recht auf den eigenen Körper einschließen sollten. Und in Venezuela ist es dank der Krise fast unmöglich Verhütungsmittel zu erhalten, gepaart mit strengen Abtreibungsgesetzen. Was dazu führte, dass immer mehr Babys ausgesetzt werden. Eine Wohltätigkeitsorganisation schätzt, dass die Zahl der auf der Straße oder an den Eingängen öffentlicher Gebäude zurückgelassenen Kinder allein im Jahr 2018 um 70 Prozent gestiegen ist.

"Krankenhäuser funktionieren nicht, Impfstoffe sind knapp, Frauen können nicht stillen, weil sie unterernährt sind oder keine Babynahrung kaufen, weil sie unerschwinglich ist, und das Land ist aufgrund des humanitären Notstands einer erzwungenen Migration ausgesetzt", twitterte die Oppositionspolitikerin Manuela Bolivar zu Maduros Vorschlag.

Man muss also schon sehr zynisch sein, um seiner weiblichen Bevölkerung ausgerechnet in dieser prekären Notsituation vorzugeben, sechs Kinder zu bekommen...

Maduro ist seit 2013 Staatspräsident Venezuelas. Aufgrund seiner wiederholten Versuche, das gewählte Parlament abzusetzen, wird er zunehmend als Diktator bezeichnet. Zwischen 2013 und 2018 waren 13 % der venezolanischen Kinder unterernährt, so Unicef. Oppositionsführer Juan Guaidó wird mittlerweile von 54 Ländern als eigentlicher Präsident Venezuelas angesehen. Aber Maduro hat die Unterstützung des venezolanischen Militärs und ist daher immer noch an der Macht.