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"Der Vergewaltiger bist du": Weltweite Protestaktion nun auch in Wien

Die feministische Protestaktion, die ihren Anfang in Chile hat, ging weltweit viral. Am Sonntag traf sich eine Gruppe von Frauen vor dem Wiener Museumsquartier.

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"Der Vergewaltiger bist du": Weltweite Protestaktion nun auch in Wien

Die Tanzperformance "Der Vergewaltiger bist du" hat von Chile aus einen Siegeszug rund um den Globus angetreten.

© copyright by marisel bongola

Es ist eine zugegeben unangenehme Szene: Frauen mit schwarzen Augenbinden stampfen auf den Boden, zeigen mit den Fingern nach vorne und rufen rhythmisch "Der Vergewaltiger bist du". Diese Protestaktion in Form einer Tanzperformance wurde vom chilenischen Kollektiv "Las Tesis" ins Leben gerufen und zeigt Wirkung. Sie hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt: In Städten wie London, Mexiko-Stadt, Lima, Berlin, Amsterdam, Barcelona und Paris gingen bereits Frauen auf die Straße, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und patriarchalische Strukturen zu kritisieren. Die Performances in den verschiedenen Städten breiteten sich auf Social Media rasant aus.

»Es war nicht meine Schuld, es lag nicht daran, wo ich war oder welche Kleidung ich trug. Der Vergewaltiger bist du.«

Ausgangspunkt in Chile

Die erste Aktion ging in Santiago de Chile vonstatten – Gewalt gegen Frauen ist in Chile ein großes Problem. Laut den Vereinten Nationen befinden sich 14 der 25 Staaten mit der höchsten Mordrate an Frauen in Lateinamerika. Die Augenbinden sollen symbolisch auf die Blindheit der Gesellschaft und der Justiz hindeuten. Mit dem Ruf "Der Vergewaltiger bist du" werde auch auf den Staat als Mitschuldigen hingedeutet.

Protestaktion in Wien

Am Sonntag, dem 8. Dezember, fanden sich um 15 Uhr rund 150 Demonstrantinnen auf dem Platz der Menschenrechte in Wien zusammen, um auch in Österreich ein Zeichen zu setzen. Organisiert wurde die Protestaktion von den BürgerInneninitiativen "Chile despertó Viena" und "Ni Una Menos – Austria". "Chile Desperto Viena hat sich aufgrund der Protestaktionen in Chile zusammengefunden, um diese auch vom Ausland aus zu unterstützen", sagt Gabriela Jorquera von der Initiative. "Chile wird im Ausland als ein stabiles, demokratisches Land gesehen. Wenn man jedoch etwas an der Oberfläche kratzt, kommen ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen und Skandale zum Vorschein", so die Aktivistin.

Gewalt gegen Frauen – ein weltweites Problem

Natürlich sei der Text und die Bewegungen der Performance nicht eins zu eins auf die Situation der Frauen in Österreich zu übertragen, jedoch könne man feststellen, dass die Aktion deswegen weltweit reproduziert werde, weil sie den Kern des Problems anspreche, so Gabriela Jorquera – nämlich Victim Blaming als Konsequenz einer patriarchalen und machistischen Gesellschaft. "Frauen und Mädchen werden nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft gesehen und die Gesetze, Praktiken, Regeln, Verhaltensweisen, Vorschriften etc. von Seiten der zuständigen Organe sind unzulänglich", sagt Jorquera.

Gewalt an Frauen und Mädchen ist ein weltweites Problem: "Deswegen haben sich auch gestern so viele österreichische Frauen angeschlossen. Es war eine unglaubliche Energie zu spüren und viele haben gemeint, dass auch ihnen im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt widerfahren ist und sie sich nach der Aktion und während der Proben irrsinnig gestützt und verstanden gefühlt haben. Für einige war es befreiend sagen zu können, die Schuld lag nicht bei mir", erzählt Gabriela Jorquera. Und hier nochmal ein paar eindrucksvolle Bilder vom Protest am Sonntag in Wien:

Bilder aus Chile seht ihr im folgenden Video: