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Dorfrat lässt Frau vergewaltigen - als Strafe für den Vater

Es ist eine Geschichte, bei der einen Wut überkommt: In Pakistan ließ ein Dorfrat eine junge Mutter vergewaltigen - als Strafe für ihren Vater.


Dorfrat lässt Frau vergewaltigen - als Strafe für den Vater

Frauen in Pakistan (Symbolfoto) werden oft für Vergehen ihrer Familien bestraft

© Reuters/Mohsin Raza

In der Nacht schlich sie sich aus dem Haus ihres Vaters, ging auf den Dorfplatz, überschüttete sich mit Benzin und setzte sich selbst in Brand. Wenig später verstarb sie in einem Krankenhaus, brachte davor noch ein totes Baby zur Welt.

Die junge Frau war unbescholten, seit kurzem verheiratet, glücklich. Was führte dazu, dass sie ihrem Leben auf so grauenhafte Weise das Leben nahm? Es ist eine Geschichte,die einem Tränen der Wut in die Augen treibt.

Die Frau wurde vergewaltigt - auf einen Beschluss des Ältestenrates im pakistanischen Dorf Dhillu Gharbi, der sich damit an dem Vater der Frau rächen wollte.

Pakistan: Vergewaltigung als Rache am Vater

Wie die Zeitung Dawn berichtet, hatte der Mann zuvor eine Minderjährige im Distrikt Gujrat sexuell belästigt. Er wurde verhaftet, aber kurze Zeit darauf wieder freigelassen. Der Fall wurde anschließend dem Dorfrat vorgelegt, die Eltern des Kindes forderten Vergeltung. Der Rat entschied, dass der Vater des belästigten Mädchens zur Strafe die Tochter des Täters vergewaltigen soll.

Die Frau, die nur zwischenzeitlich im Haus ihres Vaters lebte, weil ihr Mann zur betreffenden Zeit im Ausland lebte, wurde nach der Vergewaltigung schwanger. Eine Schande, mit der sie nicht weiterleben wollte. Sie setzte sich selbst in Brand, wurde im kritischen Zustand ins Mayo Hospital in der Provinzhauptstadt Lahore eingeliefert.

Vor ihrem Tod erzählte sie den Ärzten, dass sie ihrem Mann, der in Kürze zurückkehren sollte, nicht unter die Augen treten wollte. Er hätte sie verstoßen: Sexuell missbraucht und schwanger wäre sie "beschädigt" gewesen und nicht mehr als Ehefrau in Frage gekommen.

Durch Dorfräte gibt es eine Paralleljustiz in Pakistan, die Frauenrechte verletzt

Nach dem Tod der jungen Frau wurde der Dorfrat festgenommen, leugnet jedoch, die Vergewaltigung angeordnet zu haben. Auch der mutmaßliche Vergewaltiger selbst beteuert seine Unschuld. Mit einem DNA-Test des tot geborenen Säuglings soll nun der Täter ermittelt werden.

Rache-Vergewaltigungen: Keine Seltenheit

Die Menschenrechtsaktivistin Jacqueline Sultan zeigte sich geschockt von dem Fall und sprach von einem unmenschlichen, barbarischen Akt. Die Regierung müsse den Vater und den Dorfrat, der für den Tod von zwei Menschen verantwortlich sei, zur Verantwortung ziehen, sagte sie der "Pakistan Christian Post". Es brauche außerdem ein Gesetz, dass alle Dorfräte für illegal erkläre. Sultan appellierte an das Hohe Gericht der Provinz Punjab und das Oberste Gericht Pakistans, beide Väter und sämtliche Mitglieder des Dorfrates festzunehmen und wegen Vergewaltigung und Mordes vor Gericht zu stellen.

Durch die Dorfräte gäbe es in Pakistan eine Paralleljustiz, die immer wieder die Rechte von Frauen verletzt, um mutmaßliche Rechtsverstöße ihrer Familien zu ahnden oder die Ehre der Gemeinschaft zu schützen. Vergewaltigungen und Zwangsheiraten seien keine Seltenheit, um Streitigkeiten zwischen Familien zu lösen.

Themen: Report, Sexismus