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"Charlie's Angels" für Indien

Sie können Karate und sind bereit, mit absoluter Härte vorzugehen: Wie eine 40-köpfige Frauentruppe Vergewaltigern in Indiens Hauptstadt Dehli das Fürchten lehrt.

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"Charlie's Angels" für Indien

Polizistinnen in New Dehli: Die Straßen sollen für Frauen wieder sicher werden

© REUTERS/Mansi Thapliyal

Ihr Gesichtsausdruck ist finster, sie kicken ihren imaginären Angreifer mit Aggression. Gekleidet in weiße Karate-Kimonos trainiert ein Kader junger Frauen in einem Turnsaal in Neu Delhi asiatische Kampftechniken. Noch ist es Morgen – in wenigen Stunden werden die Polizistinnen auf die Straßen schwärmen, um die indische Hauptstadt von Sexualstraftätern zu befreien.

Junge Polizistinnen bei der Karate-Ausbildung

Wer in Indien lebt, liest täglich von Vergewaltigungen. Die Nachricht von den grässlichsten erreicht auch den Westen, oft zusammen mit dem unfassbaren Kommentar irgendeines Ministers, dass solche Taten "versehentlich" geschähen oder "manchmal richtig, manchmal falsch" seien. 2013 wurden den indischen Behörden rund 310.000 Straftaten gegen Frauen gemeldet – die Dunkelziffer liegt freilich weit höher. Seit der grausamen Gruppenvergewaltigung einer 23-jährigen Studentin Ende 2012 gilt vor allem Neu Delhi als Hauptstadt der Sexualstraftaten.

Nun sollen weibliche Spezialeinheiten die Stadt sicherer machen. In monatelangen Trainings wurde der 40-köpfige Trupp ausgebildet. Nun sind die "Charlie's Angels", wie die Polizistinnen von ihren Ausbildern genannt werden, bereit für den Einsatz.

Statt wie bislang Uniformen werden die Frauen sich in Zivilkleidung unter die Bevölkerung mischen, sich vor allem auf belebten Bus- und in U-Bahnstationen und in der Umgebung von Universitäten oder Fachhochschulen umsehen. Dazu verteilen sie Broschüren mit Tipps zum richtigen Verhalten in Notfällen.

"Der Spezialtrupp wird jene Ecken der Stadt im Auge haben, an denen Frauen besonders gefährdet sind," betont Polizei-Chef Varsha Sharma, von der Presse "Papa Angel" genannt, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Junge Mädchen und Frauen in Neu Dehli sollen sich dank unserer Angel sicherer fühlen."

Doch auch wenn Frauenrechtlerinnen die Initiative im Gegensatz zum Vorstoß, einen Revolver für Frauen oder Anti-Vergewaltigungs-Jeans zu etablieren, begrüßen und die Frauen-Armee als einen "guten ersten Schritt bezeichnen", gibt es trotzdem Kritikpunkte. So sei ein Trupp aus 40 Frauen in einer Millionenstadt wie Neu Delhi maximal ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wenn auch ein dringend benötigter, wie die Studentin Sakshi Sharma, 19, im Gespräch mit AFP betont: "Ich muss mit dem Bus ins College fahren und bin dabei den lüsternen Blicken und Händen der Männer ausgesetzt. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie möglicherweise von einer Polizistin beobachtet werden, lassen sie die Anzüglichkeiten vielleicht bleiben."

Themen: Sexismus, Report