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Verhütung: die Pille

Die Pille ist nach wie vor Europas beliebtestes Verhütungsmittel. WOMAN sprach mit drei Frauen über ihre Erfahrungen und warum sie (nicht) zu dieser Methode greifen.

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Verhütung: die Pille
© Corbis

Sie ist eines der beliebtesten und sichersten Verhütungsmittel (Linktipp: Verhütung skurrill ), gleichzeitig findet sie sich seit mehreren Jahren immer wieder im Zentrum von Kritik. Die Pille gibt Frauen seit mittlerweile fünfzig Jahren unkompliziert die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden, ob und wann sie gerne Nachwuchs möchten. 1960 hat es sich noch um eine wahre Hormonbombe gehandelt, die heutigen Pillen sind dagegen viel geringer dosiert.

Trotzdem gibt es noch immer zahlreiche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen , Gewichtszunahme oder sexuelle Lustlosigkeit . WOMAN sprach mit drei Leserinnen über ihre Erfahrungen mit der Verhütungsmethode.

Pille: Verhütungsmittel Nr. 1

"Ich nehme die Pille seit 17 Jahren, ganz ohne Beschwerden. Obwohl ich derzeit in keiner Beziehung lebe, möchte ich die Pille nicht absetzen. Auch die tägliche Einnahme ist für mich keine lästige Pflicht, sie ist so selbstverständlich wie Zähneputzen geworden", erklärt Daniela S., 36, aus Wien. Diesen Eindruck bestätigt auch Dr. Susanne Lynch, Fachärztin für Gynäkologie und Endokrinologie im 23. Wiener Gemeindebezirk ( www.dr-lynch.at ): "Heutige Präparate sind im Vergleich mit den früheren längst keine Hormonkeulen mehr und viel besser verträglich."

Die Nebenwirkungen der Pille

Trotzdem leiden nach wie vor viele Frauen unter unangenehmen Begleiterscheinungen, wie auch die 24-jährige Zahnarztassistentin Lenka M.. "Ich habe die Pille vier Jahre lang regelmäßig genommen und habe mich dabei nicht wohl gefühlt. Leider wurde ich von meinem damaligen Frauenarzt nicht gut beraten", erzählt sie. "Innerhalb der vier Jahre hatte ich viele körperliche Beschwerden, Zyklusstörungen und Schmerzen und probierte deshalb fünf verschiedene Präparate aus. Ein aufmerksamerer Arzt hat mir schließlich einen Hormontest empfohlen und mir dann eine sehr leichte Pille verschrieben. Die habe ich ganz gut vertragen."

Trotzdem hat sie die Pille vor zwei Jahren abgesetzt. Obwohl sie in einer Beziehung lebt, möchte sie auf diese Verhütungsmethode nicht mehr zurückgreifen. "Ich fühle mich ohne Pille einfach wohler", ist für sie inzwischen klar.

Es braucht eine Gewöhnungsphase

Die Auswirkungen der Pille zeigen sich langsam. "Der Körper braucht eine Gewöhnungsphase von mindestens drei Monaten. Anfängliche Beschwerden können danach abklingen. Aber ein ausführliches und genaues Gespräch mit einem erfahrenen Frauenarzt ist bei der Wahl des passenden Präparats besonders wichtig", rät Dr. Lynch. "Heute gibt es so viele verschiedene Pillen, da lässt sich für fast jede Frau, die auf diesem Weg verhüten möchte, die richtige finden. Die meisten sind sehr gering dosiert. Einige Präparate verfügen auch über ein neu entwickeltes Gestagen, das Wassereinlagerungen entgegenwirkt. So kann eine Gewichtszunahme vermieden werden."

Kontra-Indikationen

Manchen Frauen rät Dr. Lynch aber in jedem Fall von einer Einnahme ab. Leidet jemand häufig an Migräne , so kann das durch die hormonelle Veränderung noch verschlimmert werden. Das gilt auch für Patientinnen mit hormonabhängigen Tumoren. Bei starken Raucherinnen erhöht sich der Risikofaktor für Thrombose und Lungenembolie stark.

Widersprüchlich wirkt sich die Pille bei Krebserkrankungen aus. Brust- und Gebärmutterhalskrebsrisiko erhöhen sich, dagegen nehmen Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs bei Frauen, die die Pille schlucken, ab. "Unbedingt notwendig ist auf jeden Fall die regelmäßige Kontrolle beim Frauenarzt!", betont Lynch. "Denn wie jedes Medikament hat auch die Pille zwei Seiten."

Doch wie lange darf man sie einnehmen, ohne dem Körper und dem Hormonhaushalt zu schaden? Da sie oral eingenommen wird und als Erstes die Leber passiert, kann es längerfristig zu einem Leberschaden kommen. Deswegen sollten Frauen ab 35 an alternative Methoden denken, die es auch im Bereich der hormonellen Verhütung gibt.

Alternativen zur Pille

"Ich nehm die Pille, seit ich 16 war", erzählt die 18-jährige Laura Z., Schülerin. "Sie ist sehr leicht dosiert, und ich vertrage sie gut. Den Effekt, dass die Haut dadurch schöner wird, habe ich aber nicht festgestellt."

Inzwischen hat sie sich bei ihrer Frauenärztin über alle Vorteile und Risiken der Pille informiert und möchte auf den NuvaRing umsteigen (Linktipp: Erfahrungsbericht mit dem NuvaRing ). Dieser Kunststoffring wird direkt in die Scheide eingeführt und bleibt dort drei Wochen.

Beim Sex kann er, falls er als störend empfunden wird, ohne Folgen für ein bis zwei Stunden entfernt werden. Nach drei Wochen gibt es eine Woche Pause, dann setzt die Periode ein. Durch die Hormonabgabe direkt am Gebärmuttermund ist die Dosierung viel geringer, und die Leber wird geschont.

Eine weitere Alternative wäre das wöchentlich zu wechselnde Hormonpflaster, das aber oft auch aus ästhetischen Gründen abgelehnt wird. Es ist nicht besonders schön, und auf der Haut bildet sich ein Kleberand. Anders ist das bei einem Implanon, einem Hormonimplantat mit reinem Gestagen. Das dünne, biegsame Stäbchen wird unter die Haut am Oberarm eingeführt und nach drei Jahren wieder vom Arzt entfernt. "Diese Art der Verhütung ist eine Alternative für Frauen mit Menstruationsbeschwerden, weil der Zyklus dadurch ausfällt", erklärt Lynch. Dasselbe gilt für die Hormonspirale (sie verhütet fünf Jahre) und die Minipille.

Positive Nebenwirkungen der Pille

Aber es gibt auch positive Nebenwirkungen der Pille. Neben der Erleichterung bei Zyklusbeschwerden verhilft sie doch vielen Frauen zu schönerer Haut , da sie den Anteil an männlichen Hormonen reduziert. Auch arbeiten Pharmakonzerne intensiv an einer besseren Verträglichkeit.

Ein relativ neues Produkt etwa hat als Wirkstoff ein naturidentes Östrogen und verspricht dadurch besonders wenig Nebenwirkungen. "Allgemein gilt es vor einer Entscheidung zur hormonellen Verhütung, die individuellen Bedürfnisse zu prüfen und die Vor- und Nachteile genau abzuwägen", betont Dr. Lynch. "Für die meisten Frauen kann heute sicher eine Möglichkeit gefunden werden, auf diesem Weg verträglich ihre Familienplanung zu gestalten."

Thema: Verhütung