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Verhütungs-Guide

Fast jede Frau zwischen 15 und 50 verhütet auf ihre Art – doch ist es auch die richtige? Der Körper verändert sich, Neues kommt auf den Markt. Pille, Spirale, & Co. im Update!

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Frau, Mann, Sex
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"Weiß ich ja eh alles. Verhütung mach ich doch permanent", denkt sich jetzt sicher so manche von euch. Doch Fakt ist: Viele wissen bei Weitem nicht so gut Bescheid, wie sie glauben – und zwar egal in welchem Alter. Denn: Man bleibt gern bei halbwegs bewährten Methoden, auch wenn die Lebenssituation sich geändert hat und andere Mittel zielführender oder verträglicher wären. Spätestens, wenn Nebenwirkungen auftauchen, sollte man prüfen, welche Möglichkeiten es noch gibt.

Doch leider nehmen sich nicht alle Ärzte Zeit für ein ausführliches Beratungsgespräch. Grund genug für WOMAN, die gängigen Verhütungsmethoden unter die Lupe zu nehmen. Frauenarzt Dr. Johannes Seidel vom Ordinationszentrum Woman & Health erklärt, wie die einzelnen Methoden wirken und was es bei der Anwendung zu beachten gibt. Alle wichtigen Infos auf einen Blick findest du unten. Zusätzlich gibt es noch Neuigkeiten vom großen Markt der Verhütungsmöglichkeiten.

EINE KLEINE TABLETTE ... Die mit Abstand beliebteste Form ist die Pille, mehr als 50 Prozent aller Frauen vertrauen darauf. Heute gibt es eine Vielzahl an Präparaten, die zumeist mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen arbeiten. Das Gelbkörperhormon Gestagen unterdrückt den Eisprung, Östrogen sorgt für Regelmäßigkeit und bessere Verträglichkeit. Es gibt auch reine Gestagenpillen etwa für stillende Mütter oder Frauen mit Thromboserisiko. Diese führen allerdings eher zu unreiner Haut, unerwünschtem Haarwuchs oder Zwischenblutungen.

IM ZYKLUS. Durch die Pille hat man keinen Zyklus mehr, die Blutung ist künstlich indiziert. Das kommt vielen Frauen zugute, die ohnehin lieber auf die Regel verzichten würden. "Es ist absolut unbedenklich, die Pille zwei oder auch mehrere Monate hindurch ohne Pause zu nehmen und so eine Regelblutung zu verhindern. Für die Gesundheit ist sie nämlich nicht nötig", weiß Experte Seidel. Viele Frauen machen das auch regelmäßig. Seit Kurzem gibt es außerdem eine neue Pille der Firma Ratiopharm, die erstmals für die Einnahme 90 Tage lang ohne Unterbrechung zugelassen ist. Die Langzeiteinnahme der Pille hat auch gewisse Vorteile: Frauenkrankheiten wie Endometriose (hormonell bedingte Wucherung der Gebärmutterschleimhaut) oder Eisenmangel (wird durch den regelmäßigen Blutverlust verstärkt) bekommt man so besser in den Griff.
Wer übrigens nicht täglich eine Tablette nehmen will, kann zu Vaginalring oder Hormonpflaster greifen. Sie funktionieren genau gleich wie die Pille, nur die Darreichungsform ist anders. Verträglichkeit und Sicherheit (Pearl-Index: Gibt an, wie viele Frauen von 100 trotz korrekter Anwendung mit einer Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden) sind gleich.

LANGE WIRKUNG. Ähnlich wie die Gestagen-Pille wirken auch hormonelle Langzeitverhütungen: Hormonspirale, Implantat und Dreimonatsspritze. Sie unterdrücken den Aufbau der Schleimhaut, die Blutung wird dadurch nur noch ganz leicht oder hört sogar ganz auf. Der große Vorteil: Durch die lokale Wirkung ist die Hormondosis sehr gering, und man kann keine Anwendungsfehler machen.

BÖSE HORMONE? In den vergangenen Jahren wurde über die Verträglichkeit von Pille und anderen hormonellen Verhütungsmethoden immer wieder diskutiert. Frauen klagen über ein verändertes Körpergefühl, Stimmungsschwankungen, sogar depressive Verstimmungen und Libidoverlust. "Diese Nebenwirkung kann die Pille tatsächlich hervorrufen. Denn das Gestagen dockt über das Blut auch an bestimmten Rezeptoren im Gehirn an und kann so auf die Psyche wirken", erläutert Dr. Seidel. "Wenn man die Pille absetzt, ist diese Wirkung aber nach wenigen Tagen verschwunden. Ich empfehle, als Erstes ein anderes Präparat zu versuchen, eine neue Wirkstoffkonzentration verträgt man oft besser. Hat dieses die gleiche Wirkung, sollte man die Verhütungsmethode wechseln. Auf jeden Fall gilt: Wenn Sie das Gefühl haben, sich nicht wohlzufühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt!" Es gibt mittlerweile übrigens auch Pillen, die mit natürlichem Östrogen arbeiten. Diese, hofft man, sind besser verträglich und sollen darüber hinaus das Thromboserisiko senken. Bei hormoneller Langzeitverhütung ist das Absetzen bei Unverträglichkeit etwas schwieriger. Denn beim Hormonimplantat und vor allem bei der Dreimonatsspritze hält die Wirkung des Gestagens im Blut – auch die verhütende Wirkung – oft noch Monate nach Entfernung bzw. nach der offiziellen Wirkdauer an. Außerdem kann es, vor allem bei jüngeren Frauen, zu einem Östrogenmangel kommen. Geringere Knochendichte und eventuell sogar Ermüdungsbrüche können die Folge sein. Vor allem von der Spritze rät Seidel daher eher ab.

OHNE HORMONE. Wer langfristig, aber ohne Hormone seine Fruchtbarkeit kontrollieren will, greift zur Kupfer- oder Goldspirale. Durch die Abgabe von Kupferionen werden die Spermien geschädigt, der Fremdkörper in der Gebärmutter löst eine Entzündungsreaktion aus, die Eizelle kann sich nicht einnisten. An sich ist die Spirale bestens verträglich, allerdings verlängert und verstärkt sie die Blutung tendenziell. Auch die Regelschmerzen können mehr werden. Besser verträglich ist das neue Kupferbällchen, da seine runde Form für weniger Irritation sorgt. Das Einsetzen tut generell weh, es kann aber auf Wunsch während einer Fünf-Minuten-Kurznarkose durchgeführt werden.

UNTERBINDUNG & VASEKTOMIE. Dabei handelt es sich um zwei endgültige Verhütungsmethoden. Bei der Unterbindung werden die Eileiter der Frau operativ in Vollnarkose entfernt. Guter Nebeneffekt dabei, wie Seidel erklärt: "Wenn man die Eileiter komplett entfernt, wie seit einigen Jahren üblich, wird auch das Risiko für Eierstockkrebs gesenkt. Diesen Eingriff sollten allerdings nur Frauen mit abgeschlossenem Kinderwunsch machen lassen. Danach wäre eine Schwangerschaft nur noch mit künstlicher Befruchtung möglich."
Viel unkomplizierter ist die Vasektomie. Dabei werden die Samenleiter des Mannes durchtrennt, die Spermien können nicht mehr mit dem Ejakulat nach draußen. Der Eingriff erfolgt ambulant, mit örtlicher Betäubung.

PILLE DANACH. Falls alle Stricke reißen und durch einen Verhütungsfehler wirklich die Gefahr einer ungewollten Schwangerschaft besteht, gibt es immer noch die "Pille danach", seit Kurzem auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wichtig ist, die Tablette so schnell wie möglich nach der "Panne" einzunehmen, am besten innerhalb der nächsten 12 Stunden. Denn, was viele nicht wissen: Die "Pille danach" zögert den Eisprung hinaus. Ist der Eisprung bereits vorbei und die Befruchtung hat während des Geschlechtsverkehrs oder unmittelbar danach schon stattgefunden, ist das Präparat wirkungslos.

Pille

Die mit Abstand beliebteste Form der Verhütung. Jetzt neu: Pille im Langzyklus.

SO FUNKTIONIERT'S: Tablette zur oralen Einnahme. Unterdrückt entweder in Kombination aus Östrogen und Gestagen oder als reines Gestagen-Präparat den Eisprung. Gibt es je nach Präparat im 28-Tage-Zyklus mit einer Einnahmepause von 4 oder 7 Tagen. Neu am Markt ist eine Pille, die für 90 Tage ohne Einnahmepause zugelassen ist, während der gesamten Einnahmedauer ist keine Blutung vorgesehen. Hormonpflaster und Vaginalring funktionieren gleich wie die Pille. Die Wirkstoffaufnahme geht jedoch nicht über den Margen-Darm-Trakt, sondern über die Haut bzw. über die Schleimhäute.

VORTEILE: Extrem leicht in der Anwendung, sehr gut verträglich, hohe Wirksamkeit. Hilft auch bei starken Regelschmerzen, das Östrogen mindert Akne.

NACHTEILE: Schmierblutungen, erhöhtes Thromboserisiko, Pilzinfektionen, unreine Haut, verstärkter Haarwuchs durch Gestagen. Stimmungsschwankungen, Libidoverlust möglich.

GEEIGNET FÜR: Jede Frau, bei der es zu keinen Gegenanzeichen kommt. Ausgenommen sind starke Raucherinnen ab 40 wegen des verstärkten Thromboserisikos.

PEARL-INDEX & PREIS: Zwischen 0,4 und 0,7. Die Kosten liegen je nach Präparat zwischen 7 und 20 Euro pro Monat.

Kondom

Bei Kondom und Diaphragma wird das Eindringen der Spermien verhindert.

SO FUNKTIONIERT'S: Durch Überstülpen eines Kondoms über den erigierten Penis werden die Spermien mit einer natürlichen Barriere abgefangen, ohne in die Gebärmutter einzudringen. Mit dem Einführen eines Diaphragmas in die Vagina wird der Muttermund verschlossen, die Spermien können nicht durch. Zusätzlich wird eine samenabtötende Creme verwendet.

VORTEILE: Jederzeit und überall anwendbar. Das Kondom ist außerdem das einzige Verhütungsmittel, das vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.

NACHTEILE: Umständlich in der Anwendung, kann das Liebesspiel stören. Außerdem ist die Sicherheit nicht so hoch. Kondome können oft auch reißen.

GEEIGNET FÜR: Alle Personen, die sich von der Anwendung nicht beim Sex stören lassen. Das Kondom ist unverzichtbar für alle mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

PEARL-INDEX & PREIS: Zwischen 2 und 15. Kondome kosten ab ca. € 1,-pro Stück, ein Diaphragma (wiederverwendbar) kostet ab ca. € 20,-.

Spirale

Kupferspirale, Goldspirale, Kupferkette, Kupferball verhüten über langen Zeitraum.

SO FUNKTIONIERT'S: Das Kupfer, aus dem die Spirale besteht, tötet auf natürliche Art die Spermien, zusätzlich verhindert die Spirale die Einnistung einer eventuell doch befruchteten Eizelle in der Gebärmutter. Die Spirale gibt es in verschiedenen Größen und Bauarten, z. B. als Kupferkette. Diese muss in der Gebärmutterwand befestigt werden. Beliebt ist auch die Goldspirale. Hier hat der Kupferdraht einen Kern aus Gold, dadurch soll sie besser verträglich sein. Ganz neu ist das Kupferbällchen. Es lässt sich leichter einsetzen und sorgt durch seine runde Form ohne scharfe Ecken und Kanten für weniger Irritationen.

VORTEILE: Sehr gut verträgliche Langzeitverhütung ohne Hormone, nach Entfernung ist Fruchtbarkeit sofort wieder hergestellt.

NACHTEILE: Verstärkt bei vielen Frauen eventuelle Regelschmerzen und verlängert oft auch die Blutung.

GEEIGNET FÜR: Alle Frauen mit eher leichter Blutung ohne Schmerzen. Durch unterschiedliche Größen und Formen ist Verhütung auf Kupferbasis auch für junge Frauen, die noch nicht geboren haben, gut verträglich.

PEARL-INDEX & PREIS: Zwischen 0,1 und 0,5. Je nach Produkt kostet es inklusive Einsetzen und Nachkontrolle ab ca. € 400,-.

Hormonspirale

Langzeitverhütung mit Hormonen. Außerdem: Hormonimplantat, Dreimonatsspritze.

SO FUNKTIONIERT'S: In die Gebärmutter wird ein T-förmiges Kunststoffstäbchen eingesetzt, das mit einem Gestagen (Gelbkörperhormon) versetzt ist. Das Hormonimplantat ist ein Stäbchen, das üblicherweise unter die Haut im Oberarm eingesetzt wird und Gestagen abgibt. Bei der Dreimonatsspritze wird das Gestagen alle drei Monate injiziert. Sie alle verhindern nicht den Eisprung, allerdings baut die Gebärmutter keine Schleimhaut auf.

VORTEILE: Sehr sichere Verhütungsart. Hilft bei Schmerzen durch Endometriose, einer Schleimhautwucherung, da es den Aufbau derselben unterdrückt. Blutung bleibt oft aus.

NACHTEILE: Kann Hautunreinheiten, Wasseransammlungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust auslösen. Vor allem Hormonimplantat und Spritze wirken oft sehr lange nach.

GEEIGNET FÜR: Prinzipiell jede Frau. Praktisch für stillende Mütter, da sie kein Östrogen enthält.

PEARL-INDEX & PREIS: Zwischen 0,1 und 0,3. Hormonspirale, Hormonimplantat (Wirkung 5 bzw. 3 Jahre) ab ca. € 400,-. Dreimonatsspritze: Ca. € 30,-/Anwendung.