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Das hat Veronika Steinböck mit dem Kosmos Theater vor

Das Wiener Kosmos Theater ist seit jeher eine feministische Institution, das wird sich auch mit Veronika Steinböck nicht ändern. Wie die neue Leiterin die Rolle von Kultur und Theater in politisch turbulenten Zeiten sieht, erklärt sie im interview mit WOMAN.at.

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Das hat Veronika Steinböck mit dem Kosmos Theater vor
© K.Schaarschmidt, Greiz

18 Jahre war Veronika Steinböck nicht in Wien und hat vor allem in Dresden Theater gemacht. Aber jetzt ist sie wieder da und hat im 7. Bezirk eine Institution übernommen - das Kosmos Theater in der Siebensterngasse. Schon unter Vorgängerin bzw. Gründerin Barbara Klein stand das Haus für starkes Theater von starken Frauen - kein Wunder, geht doch die Entstehung des Kosmos Theaters auf öffentliche Interventionen und nicht zuletzt eine Hausbesetzung zurück.

Und an diesem Anspruch wird sich auch unter der neuen Leiterin, Veronika Steinböck, nichts ändern, wie sie im Interview mit WOMAN.at erklärt. „Es geht mir durchaus um die Bewahrung dessen, was die letzten 20 Jahre hier aufgebaut wurde - das kann man nicht hoch genug schätzen. Ich setze mich hier natürlich ein bisschen ins ‚gemachte Nest‘“, sagt Steinböck. Für das Haus sei gekämpft worden, es gab Durststrecken - aber man habe immer an die Sache geglaubt und sich immer wieder aufgerappelt.

Das Team hat sie größtenteils übernommen, denn im Haus ist man eingespielt, der Betrieb funktioniert. „Frischen Wind“ will sie natürlich trotzdem mitbringen, auch was mögliche Zuschreibungen durch das Publikum betrifft. Das habe nicht zuletzt damit zu tun, dass sich auch der „Feminismus“ selbst weiter entwickelt hat und heute „extrem viele Facetten hat“, wie Steinböck sagt. „Feminismus ist zunehmend zu einer sozialen Bewegung geworden, die sich für ein besseres Leben für alle einsetzt.“

Frauenstimmen im Zentrum

Und das heißt für sie: Man muss sich den Feminismus nicht so explizit auf die Fahnen heften, sondern einfach die Praxis leben. Und, das schlägt sich sowohl auf das Team, wie auch auf das, was man auf der Bühne sieht, nieder. Das Team besteht zu einem großen Teil aus Frauen und auch bei der Stück-Auswahl bzw. der Programmgestaltung werden stets Autorinnen und starke Frauenstimmen ins Zentrum gerückt. „Da fährt die Eisenbahn drüber.“

Das wird etwa auch das Stück „BEGEHREN“ zeigen, das ab 4. Dezember am Spielplan steht. Dafür hat die Autorin, Gesine Schmidt, Interviews mit sechs Personen zwischen 26 und 75 Jahren geführt, die Einblicke in ihre sexuellen Biografien geben. Hinter dem Stück steht das Team vom Kunstkollektiv makemake und hinterfragt dabei die gewohnten und immer wieder kehrenden Bilder von „Begehren“.

Begehren ist das „Leitmotiv“

Gleichzeitig ist „Begehren“ auch das Leitmotiv, das über der ganzen Spielsaison liegt, führt Steinböck aus. „Da geht es sowohl um das widerständige Begehren, aber auch um das sexuelle Begehren. Aber auch um das Frauenvolksbegehren oder das Begehren, das vor 18 Jahren zur Gründung des Kosmos Theaters geführt hat, dem Begehren nach einem Raum für Frauen. All das ist Thema.“ Und das ziehe sich eben durch alle Stücke, die am Programm stehen.

Und natürlich stehe das „Begehren“ dieser Tage ohnehin auch politisch am Programm: „Als klar war, dass ich das Kosmos Theater übernehme, war gerade Trump gewählt worden und der „Women’s March“ hat statt gefunden. Die Metoo-Bewegung war aktuell und ich dachte mir, ‚Wow, was für eine Welle.‘ Viele Menschen haben darüber geredet, sich beschäftigt und Position bezogen.“ Und als sie dann wirklich den Betrieb aufgenommen hat, kam die „österreichische Welle“, wie Steinböck die Entwicklungen des Sommers beschreibt. Damit meint sie auch die Einsparungen, die viele Fraueninstitutionen empfindlich getroffen haben bzw. Ihnen teilweise sogar die Existenzgrundlage entzogen haben.

Das Theater als Agora

„Das sind zum Teil genau die Organisationen, die auch hier bei uns im Theater einen Raum haben sollen, mit vielen machen wir gemeinsam Projekte. Seien es die Frauenhäuser oder „One Billion Rising Austria“, für die es am 25. November, dem internationale Tage gegen Gewalt an Frauen, eine Benefiz-Veranstaltung geben wird. „Das ist genau die Rolle, die Theater und Kunst erfüllen sollte: Einen Raum zur Auseinandersetzung zu schaffen. Die Agora gibt es heute nicht mehr, also müssen wir andere Räume schaffen.“

Denn sie sehe ihre Rolle nicht darin, sich ständig tagespolitisch zu äußern. „Aber ich versuche durch die Formate und Themen, die wir hier im Theater anbieten, etwas ins Rollen zu bringen“, so Steinböck über die Rolle von Theater, Kunst und Kultur in politisch turbulenten Zeiten. Und dabei ist „turbulent“ noch relativ freundlich ausgedrückt: „Ich empfinde es momentan so: Auf der einen Seite spüre ich eine sehr starke Zustimmung und Unterstützung durch die Community, wenn man so will durch meine „Blase“. Andererseits wird mir manchmal Angst und Bange und ich frage mich, wie lange es uns noch gibt.“

"Auf_Begehren": Offenes Theaterprojekt ab Jänner

Gegen Existenzängste hilft aber bekanntlich eine tatkräftige, engagierte Jugend und auch die ist im Kosmos Theater ab 7. Jänner 2019 zuhause. In einem offenen Theaterprojekt, das eine Kooperation mit „Starke Stimmen“ ist wird im neuen Jahre jeden Montag das Haus geöffnet. Willkommen sind alle Menschen ab 16 Jahren, es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Also alle, die schon immer Theater machen wollten und Lust darauf haben, gemeinsam mit anderen ein Stück zu entwickeln, sind hier genau richtig. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Und noch ein kleiner Tipp für Kurzentschlossener: Am Samstag, 17. November, ist im Rahmen der „Europäischen Theaternacht“ Tag der offenen Tür im Kosmos Theater. Ab 15 Uhr stehen die Türen offen, um 20 Uhr wird ein letztes Mal das Stück „MÜTTER“ gespielt - Karten gibt’s nur an der Abendkasse, es gilt „Pay as you wish“.

Den Spielplan und alle Infos zum Kosmos Theater findest du hier.

Thema: Feminismus

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