Ressort
Du befindest dich hier:

Verursacht die Pille Depressionen?

Millionen Frauen weltweit nehmen die Pille. 1 Million daraus wurde nun in einer Studie 13 Jahre lang begleitet und eine eindeutige Verbindung zwischen dem hormonellen Verhütungsmittel und Depressionen konnte festgestellt werden.

von

Macht die Pille dich depressiv?
© iStockphoto.com

In den 60er Jahren wurde die Antibabypille als Heilsbringer gefeiert. Und tatsächlich hat das Verhütungsmittel viel für die Wahlmöglichkeiten sowie Freiheiten der Frau und für die Kontrolle über den eigenen Körper getan. Aber mittlerweile fragen sich viele: Für welchen Preis?

Lustlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Migräne, erhöhtes Thromboserisiko sind nur ein paar Punkte, die man der Pille ankreidet. Und nun kommt ein weiterer erforschter Faktor dazu: Laut einer aktuell veröffentlichten und in Dänemark durchgeführten Studie konnte ein Zusammenhang zwischen der Einnahme der künstlichen Hormone sowie dem Auftreten von Depressionen festgestellt werden.

Dafür wurden die medizinischen Daten von über einer Million Frauen sowie Heranwachsenden im Alter zwischen 15 und 34 Jahren untersucht: Frauen, die sogenannte Kombinationspräparate einnehmen, hatten schon nach 6 Monaten eine 23% höhere Wahrscheinlichkeit, ein Antidepressivum verschrieben zu bekommen, als Frauen, die die Pille nicht nehmen. Frauen, die Einzelstoffpräparate (die "Minipille") einnehmen, hatten sogar eine 34% höhere Wahrscheinlichkeit, als depressiv diagnostiziert zu werden.

Unter heranwachsenden Mädchen explodiert diese Prozentzahl regelrecht: Bei Kombinationspräparaten steigt die Wahrscheinlichkeit auf 80%, bei der Minipille verdoppelt sich diese.

Aber die oft als mit weniger Nebenwirkungen behaftet genannten Alternativen zur Pille steigen nicht besser aus: Andere hormonbasierte Verhütungsmethoden wie die Hormonspirale, das Hormonpflaster oder der Verhütungsring erhöhten die Depressionsrate sogar noch stärker.

Noch ist die Pille das mit Abstand häufigste Mittel zur Geburtenkontrolle. Aber scheinbar hatte man jahrelang die negativen Auswirkungen, die künstliche Hormone auf die psychische Gesundheit haben, unterschätzt oder ignoriert.

Es stellt sich die Frage: Warum? Und warum liegt die Hauptverantwortung zur Schwangerschaftsverhütung selbst heute noch immer vornehmlich auf Seiten der Frauen. Oder wie es Holly Grigg-Spall im Guardian ausdrückt: "Wenn man bedenkt, dass Frauen nur sechs Tage pro Zyklus fruchtbar sind, Männer hingegen jeden einzelnen Tag, dann ist die Tatsache, dass die Last, eine ungewünschte Schwangerschaft zu verhindern, uns zufällt, unabhängig von der Last, die diese für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden bedeutet, einfach nur Sexismus."

Denn Frauen sind prinzipiell schon weitaus häufiger Opfer einer Depression: Frauen haben eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit depressiv zu werden wie Männer - wobei die Wahrscheinlichkeit vor der Pubertät noch ident ist. Dafür verantwortlich? Natürlich ebenso die Hormone. Nur diesmal eben die körpereigenen, namentlich Östrogen und Progesteron.

Macht die Pille dich depressiv?