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Vögeln für Anfänger

Susanne Wendel war viele Jahre sexuell frustriert, ohne es zu wissen. Bis ein Abend ihr Leben abrupt veränderte. Ganz offen beschreibt die Autorin im Buch „Gesundgevögelt" ihre Erfahrungen.

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Vögeln für Anfänger
© Thinkstock

Life Changing Sex – der Sex, der plötzlich alles verändert. So beschreibt Susanne Wendel das Er­lebnis, das ihr Leben völ­lig durcheinanderbrachte. Vor diesem Wendepunkt hatte sie sich scheiden lassen und er­kannt, dass es mehr im Leben geben musste als bisher. Ihre Neugier und die neu erworbene Freiheit ließen sie sexuelle Höhenflüge erleben. Wir baten zum Gespräch.

WOMAN : Wieso schreibt eine Ernährungswissenschafterin ein Buch über Sex?

Susanne Wendel : Ich habe einen ganz­heitlichen Zugang zu unserer Gesundheit, und da gehört ein ausgefülltes Sexleben einfach dazu. Außerdem bin ich ein sehr extrovertierter Mensch. Mir fällt es leicht, über Sexua­lität zu sprechen. Zurzeit gibt es ja für alles Mögliche einen Coach. Sogar für das Wohnung­ einrichten. Nur das Bettthema ist immer noch irgendwie tabu. Darum wollte ich eine Inspiration fürs Schlafzimmer schreiben.

WOMAN : Hatten Sie schon immer ein erfülltes Sexleben?

Susanne Wendel : Ich würde sagen, es war recht normal. Ich war ver­heiratet mit dem Mann, mit dem ich auch das erste Mal Sex hatte. Irgendwann lernte ich einen anderen kennen und verliebte mich Hals über Kopf. Daraus ist zwar nie etwas ge­worden, aber es war der Knack­punkt in meiner Beziehung. Ich wusste, dass es nicht so weitergehen kann.

WOMAN : Was ist dann passiert?

Susanne Wendel : Ich habe mich schei­den lassen, wollte einfach mehr. Meine Neugier verschlug mich dann zu verschiedenen Internetportalen. Dort lernte ich einen Mann kennen und bin noch am gleichen Abend zu ihm nach Hannover gefahren. Ich wohne in München. Das war wahnsinnig spannend. Ich wusste ja nicht, worauf ich mich da einlasse. Mit ihm er­lebte ich dann, was ich „Life Changing Sex“ nenne. Wir tanzten bis fünf Uhr früh, und dann hatten wir die restliche Nacht im Hotel Sex. Es fühlte sich alles so anders an. In die­ser Nacht habe ich meinen Körper das erste Mal seit langer Zeit wieder gespürt. Ich merkte, dass da etwas in mir steckt, das ich zuvor nicht gekannt hatte. Und ich wollte mehr.

WOMAN : Wie ging es weiter?

Susanne Wendel : Das nächste Erlebnis war dann in einem Swingerclub. Ich war schon immer sehr neugierig darauf, konnte so etwas aber mit meinem Ehemann nicht ausleben. Ich habe dann wieder im Internet einen Mann, der sich Mr. Darkmind nannte, kennengelernt. Er nahm mich in einen Swingerclub mit. Ich war sehr aufgeregt. Nicht nur, dass ich vorher noch nie in einem solchen Etablissement gewesen war, auch den Mann habe ich an dem Abend ja zum ersten Mal gesehen. Irgendwann fand ich mich dann auf einer Matratze mit Mr. Darkmind und einer Frau aus Stuttgart wieder. Mir wurde klar: Das ist erst der Anfang. Ich habe eine neue Welt betreten.

WOMAN : Haben Sie dabei auch schlechte Erfahrungen gemacht? Sie kannten die Männer ja meist nur aus dem Internet.

Susanne Wendel : Eigentlich nicht. Nur einmal, auf einer Sadomaso-Party, war mir alles irgendwie nicht ganz geheuer. Es war total düster dort, und die Stimmung war seltsam. Da habe ich mich gar nicht wohlgefühlt. Für mich muss SM immer humorvoll sein und nicht so Hardcore wie dort auf der Party. Aber meine Begleitung hat das auch gleich verstanden, und wir sind wieder gegangen.

WOMAN : Wir Frauen tun uns ja oft schwer damit, Sex und Gefühle zu trennen. Wie war das bei Ihnen? Haben Sie sich auch in einen Ihrer Sexpartner verliebt?

Susanne Wendel : Ja, das ist vorgekommen. Da sorgen auch die Hormone dafür. Und man muss sich im Klaren darüber sein, dass intensive sexuelle Erlebnisse auch emotionale Höhen und Tiefen mit sich bringen. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, Sex und Liebe auch zu trennen.

WOMAN : Sie haben ziemlich viel ausprobiert. Was war denn Ihr bestes Erlebnis?

Susanne Wendel : Meine SM-Erfahrungen. Dieses Gebiet fand ich immer schon spannend. Man wechselt ständig die Rolle, ist einmal dominant und einmal unterwürfig. Ich liebe es, Dinge auszuprobieren. Wir haben ja bestimmte Bilder zu SM im Kopf, aber erst wenn man es ausprobiert, weiß man, ob es einem auch gefällt.

WOMAN : Woman: Was, glauben Sie, sollte jede Frau ausprobieren?

Susanne Wendel : Für viele Menschen ist Sex leider nur so aufregend wie Duschen. Das sollte man ändern. Tantra kann da eine wunderbare Hilfe sein, wieder eine Verbindung zu seinem Körper herzustellen. Den meisten Frauen fehlt diese Verbindung. Man hat Geschlechtsteile, benutzt sie auch, aber die Verbindung ist nicht da. Für den Anfang würde ich sanfte Varianten des SM, wie Augenverbinden oder Fesseln, vorschlagen. So kann man sich langsam dem Gebiet nähern und erkennt sehr schnell die eigenen Vorlieben und natürlich auch die des Partners. Frauen sollten einfach neugierig sein und Spaß am Experimentieren haben.

WOMAN : Haben Sie so etwas wie einen Schlüssel für guten Sex?

Susanne Wendel : Man sollte in seinem Körper sein, im Hier und Jetzt. Ich glaube, dass es Frauen oft schwerfällt, den Kopf abzuschalten und einfach zu genießen. Die meisten gehen doch während des Sex die Einkaufsliste für den kommenden Tag durch. Sich einfach mehr Zeit für Erotik nehmen und nicht nur die schnelle Nummer vor dem Einschlafen durchziehen kann Wunder wirken.

WOMAN : Wie hat Sex Ihr Leben verändert?

Susanne Wendel : Ich fühle mich lebendiger und habe viel mehr Spaß. Es gibt mehr Auf und Ab in meinem Leben. Es ist ein ständiger Drahtseilakt. Und ich liebe ihn. Trotzdem bin ich heute etwas ruhiger geworden. Ich habe eine Partnerschaft und bekomme demnächst ein Kind.

WOMAN : Wir gratulieren. Wie kam dieser erneute Wendepunkt in Ihrem Leben zustande?

Susanne Wendel : Bei der vorher erwähnten düsteren SM-Party wurde mir klar, dass ich jetzt genug ausprobiert habe. Es war eine Art neuer Anfang, und ich spürte auf einmal den Wunsch nach einer festen Beziehung. Drei Monate später war ich auch schon mit meinem jetzigen Partner verlobt.

WOMAN : Wie geht Ihr neuer Partner mit Ihrer sexuellen Offenheit um? Ist er auch so erfahren wie Sie?

Susanne Wendel : Nein, überhaupt nicht. Sogar ganz im Gegenteil. Er ist einer der wenigen Männer, die bis Ende 30 noch gar keine sexuellen Erfahrungen gemacht haben.

WOMAN : Er war also noch Jungfrau? War das nicht komisch für Sie?

Susanne Wendel : Nein, im Gegenteil, er ist sehr neugierig, und so kann ich ihm vieles beibringen und mit ihm Neues ausprobieren.

Gesundgevögelt
seit 12.11. im Atto Verlag um € 20,- erhältlich.

Thema: Sex & Erotik