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"Voll verschleiert": eine Komödie ums Kopftuch

Islamischer Fanatismus trifft auf westliche Emanzipation: Heiß diskutiert wurde in Frankreich die politische Komödie "Voll verschleiert". Die Regisseurin Sou Abadi, selbst Muslima, hat viele eigene Erfahrungen eingebaut.

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Voll verschleiert

Verbotene Liebe? In "Voll verschleiert" schlüpft ein Student in einen Tschador, um seine Freundin zu sehen, die von ihrem Bruder weggesperrt wurde.

© Filmladen Filmverleih

Seit Oktober gilt in Österreich das Verbot der Vollverschleierung. In Frankreich, dem europäischen Land mit der stärksten islamischen Zuwanderung - 1990 lebten dort 568.000 Muslime, laut Statistik werden es 2030 mehr als 6,8 Millionen sein -, schon sechs Jahre länger. Wie bei uns sind 150 Euro Strafe zu zahlen, wenn Frauen öffentlich eine Burka oder einen Tschador tragen.

GLAUBENSKRIEG. Regisseurin Sou Abadi, 49, beleuchtet in "Voll verschleiert" (aktuell bei uns im Kino), wie lächerlich fanatischer Islamismus sein kann. Und steckt dafür einen Mann in den Tschador.

Der Inhalt: Armand und Leila sind verliebt, studieren Politik und planen ein Praktikum bei der UNO in New York. Er hat iranische Wurzeln, aber seine Eltern sind nicht religiöse Kommunisten. Sie stammt aus Nordafrika, kann aber kein Arabisch und ist in Paris voll integriert. Doch dann kommt Leilas Bruder nach acht Monaten im Jemen völlig verändert wieder heim: Ultrareligiös geworden, sperrt er seine Schwester in der Wohnung ein, verprügelt ihren Freund und verbietet, dass die beiden einander sehen.

Armand aber gibt nicht auf. Er zieht sich einen Tschador über, lernt, in roten Stöckelschuhen zu gehen, macht einen Schnellkurs in Sachen Islam - und gibt sich als Leilas Freundin aus. Bruder Mahmoud verliebt sich Hals über Kopf in Scheherazade, von der nur die Augen zu sehen sind, und glaubt, Allah habe sie ihm geschickt.

Voll verschleiert

HUMOR ALS WAFFE. Die Handlung klingt nach Travestie-Klamauk, ist es aber keineswegs. Regisseurin Sou Abadi, die auch das Drehbuch verfasste, ist eine scharfe politische Komödie gelungen, in der sie viel Selbsterlebtes erzählt. Die Iranerin war 15 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern von Teheran nach Kanada emigrierte. Am Flughafen trug sie das letzte Mal das obligatorische Kopftuch und musste einer Tante versprechen, nie mehr im Leben ihre Haare zu verhüllen. Selbst wenn es regnet oder schneit. Daran hat sie sich bis heute gehalten.

"Die Entscheidung, im Namen Gottes den Körper zu verstecken, ist eine Bürde für die Frauen. Und es verhöhnt die Männer, die sich nicht unter Kontrolle haben und ausflippen, wenn sie Haare sehen", meinte Abadi in einem Interview. Der Film heizte in Frankreich die Verschleierungsdebatte zwischen zwei polarisierenden Gruppen an: den Menschen, die moslemische Traditionen wie Kopftuch oder islamische Speiseregeln akzeptieren. Und den Anhängern von Marine Le Pen, die alles Nichtfranzösische ablehnen. Abadi zeigt, dass man gegen Fundamentalismus und Extremismus nur den Humor als Waffe einsetzen kann. "Es war meine Absicht, dass die Zuschauer im Kino lachen. Auch Muslime tun es. Ich bin mit dem Motto aufgewachsen: Du kannst alles erzählen, aber du musst es höflich machen."

Voll verschleiert
Thema: Kino & TV

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