Ressort
Du befindest dich hier:

Vorsätze tatsächlich halten: Wir wollen Dinge nicht zu wenig, sondern zu sehr

Wie gute Vorsätze wirklich gehalten werden: Endlich mehr Sport betreiben, mit dem Rauchen aufhören, sich gesünder ernähren - wie oft haben wir uns das schon vorgenommen und nicht geschafft. Dabei könnte es so einfach sein!


Vorsätze einhalten
© iStockphoto.com

Ab morgen esse ich aber wirklich weniger! Am Montag fange ich endlich mit dem Laufen an! Wenn ich 30 bin, höre ich mit dem Rauchen auf. Wer kennt sie nicht, die guten Vorsätze? Und passend dazu all die misslungenen Versuche?

Mit Erkenntnissen aus der Hirnforschung jedoch, sollen Vorsätze wirklich gehalten werden, da sie zu neuen Gewohnheiten umgewandelt werden. Hirnforscher und Mentaltrainer Dr. Marcus Täuber verrät dafür seine Methode: „Der Weg zum Erfolg führt über das richtige Kopfkino. Wir wollen Dinge nicht zu wenig, sondern zu sehr!“

Wie Vorsätze wirklich gehalten werden

„Die meisten Probleme gehen wir falsch an“, ist Täuber überzeugt. „Wir betrachten schlechte Gewohnheiten als eine Art Feind, den es mit Willenskraft zu besiegen gilt. So paradox es klingen mag, wenn wir mit zu viel Willenskraft und Druck an die Sache gehen, sabotieren wir uns."

»Wenn wir nur mit ausreichend Disziplin und Willensstärke an das Problem herangehen, dann schaffen wir das. Dieser Ansatz ist einfach, logisch und FALSCH!«

Beispielsweise Sportlerinnen und Sportler kennen dieses Phänomen sehr gut. Übermotivation führt zu Verkrampfung und dann erst recht zu keiner Spitzenleistung. Und wenn wir versagen, kommen noch dazu Schuldgefühle auf. Dass dies der falsche Ansatz ist, beweist ebenso eine Studie zum Thema Diät der US-Forschenden Claire Adams und Mark Leary, die aufzeigten, dass Schuldgefühle beim Naschen die Wahrscheinlichkeit von Rückfällen nur erhöhen.

Gewohnheiten ändern, aber effektiv

Den Schlüssel zum Erfolg sieht Täuber vielmehr darin, „mit weniger Anspannung, aber dem richtigen Maß an Motivation an Dinge heranzugehen. Unsere Gewohnheiten sitzen ganz tief im Gehirn. In der Region der Basalganglien. Wenn wir aus Gewohnheit handeln, sind wir wie Schlafwandelnde unterwegs. Wir denken gar nicht mehr großartig darüber nach.“

Das Folgen dieser Gewohnheiten wird vom Gehirn als Belohnung empfunden. Abweichungen werden dagegen als störend empfunden. „Sie sind wie Umleitungen auf unserem täglichen Weg zur Arbeit: Das irritiert, nervt, ärgert.“, so der Hirnforscher. Alte Gewohnheiten zu bekämpfen, heißt also, auf Konfrontation mit dem eigenen Belohnungssystem zu gehen. „Wir setzen uns unter Druck gegen etwas, das uns emotional eigentlich guttut. Das kann gar nicht vernünftig funktionieren“, bringt Täuber das Problem auf den Punkt.

Was also sollen wir tun, um schlechte Gewohnheiten zu ändern?

„Ganz einfach: Neue Gewohnheit anlegen und stärken“, betont der Hirnforscher mit einem Lächeln, wohlweislich, dass dies eben nicht so einfach ist. Aber mit diesen 3 Punkten kann es gelingen:

1

Setze zu der neuen Gewohnheit einen neuen Reiz und halte diese wie ein Ritual konstant. Dazu richte zum Beispiel deine Sportsachen rechtzeitig her, lege diese immer auf denselben, gut sichtbaren Platz, geh immer zur selben Zeit sporteln, bring dich immer in dieselbe Emotion (etwa durch die immer gleiche Musik) oder beziehe andere Menschen mit ein (idealerweise als Gruppe zum Work-out). Je öfter du dies auf die immer selbe Art wiederholst, desto stärker wird eine neue Gewohnheit daraus.

2

Dein Gehirn braucht eine Belohnung. Da die innere Motivation erst nach 1 bis 2 Wochen kommt, muss diese zunächst von außen erfolgen. Belohne dich daher nach dem Sport. Sogar mit Schokolade. Denn sobald dein Gehirn von selbst Glückshormone produziert, kannst du die Belohnung wieder weglassen.

3

Übertreib es zu Beginn nicht. Gewöhn dich langsam und schrittweise an das neue Verhalten. Wenn du im Fitnessstudio gleich Vollgas gibst, treten rasch Ermüdung und Frustration ein. Du empfindest es als zu anstrengend und gibst wieder auf.

Vorstellungskraft ist wichtiger als Willenskraft

Mentaltraining kann dabei unterstützend wirken. Alles was du dir vorstellst, möchte dein Gehirn gerne umsetzen“, erläutert Täuber. „Stell dir daher vor, wie du Sport machst, wie du fitter wirst, wie du neues Wohlbefinden erlangst. Das beflügelt die Motivation.“

"Besser als sich mit Willenskraft auf die Lösung zu versteifen, ist es, sich die Lösung vorzustellen", so der Hirnforscher.

Mehr aus der Trickkiste der Hirnforschung findest du auf ifmes.at/tipps