Ressort
Du befindest dich hier:

Vorsorge von Frau zu Frau

Trotz Niedrigzinsen und Inflation steht für uns Frauen der langfristige Vermögensaufbau oft nicht an erster Stelle. Leider, sagt Finanzexpertin Monika Maximilian. Denn gerade sie sind nach wie vor von Altersarmut am meisten bedroht.


Vorsorge von Frau zu Frau
© clemensschneider.com

Die Frauen-Finanzkluft zieht sich durch das ganze Leben. Sie startet bereits im Kindesalter, denn Mädchen bekommen um 17 Prozent weniger Taschengeld als Buben (Quelle: finanzheldinnen.de). Später folgen dann nach wie vor geschlechtsspezifische Unterschiede beim Stundenlohn. So liegt der durchschnittliche Verdienst von Frauen 20 Prozent unter dem der Männer. Fortgesetzt wird die Lücke in der Pension. Sie fällt für Frauen im Durchschnitt um 21 Prozent geringer aus.

Finanzexpertin Monika Maximilian plädiert dafür, dass Frauen unbedingt in ihre Unabhängigkeit investieren müssen, um auch später sorgenfrei leben zu können.

„Nur ich bin für mein finanzielles Wohlbefinden verantwortlich.“


Sparen Frauen anders als Männer?
Maximilian: Ja, leider! Männer sind dabei viel konsequenter und mehr auf sich und ihre finanzielle Unabhängigkeit fokussiert. Männer haben klare Vorstellungen, wie viel Geld sie, zum Beispiel, zusätzlich zur staatlichen Alterspension haben wollen. In den seltensten Fällen stoppt ein Mann seine Sparformen oder löst sie auf. Frauen nehmen leider oft Änderungen im Leben als Begründung, ihre Sparpläne auszusetzen oder zur Gänze aufzulösen. Einmal ist der genannte Grund die neue Partnerschaft und die damit verbundene gemeinsame Wohnung, die eingerichtet werden muss. Der zweite Anlass ist dann meistens die Geburt eines Kindes und die meist selbst gewählte Teilzeit der Frauen. Dann höre ich auch immer wieder Gründe wie: „Ich will lieber jetzt leben.“ Ausreden gibt es leider unendlich viele.

Sehr traurig macht mich, dass die gestoppte Vorsorgestrategie oft nie wieder aufgenommen und weitergeführt wird. Um seine Sparziele, seine finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit zu erreichen, bedarf es Konsequenz und Disziplin. Das ist wie ein Marathonlauf. Wenn ich nach 17 Kilometern aufhöre, komme ich halt nicht ans Ziel. Frauen sind in ihrer Finanzstrategie auch viel risikoaverser als Männer. Es werden noch immer das klassische Sparbuch und der Bausparvertrag als Sparform genutzt, was aber leider bei der Zinslandschaft nicht einmal das Kapital erhält. Das wissen viele gar nicht.

»„Geld macht frei. Es bedeutet, selbstbestimmt agieren zu können.“ - Monika Maximilian, Anlageberaterin«

Warum fehlt uns so oft das Faible beim Thema Geldvermehrung?
Maximilian: Frauen haben oft kein Interesse am Thema Geld, Kapitalerhalt, Vermögensaufbau, Vermögensstreuung und nehmen sich daher auch leider für Finanzbildung keine Zeit. Oft gehen sie davon aus, dass sie zu wenig Kapital haben, um zu sparen. Leider setzen einige auch noch andere Prioritäten in ihrem Geldverhalten. Bares wird in die Kinder investiert, oft ist auch die Designertasche oder der Friseurbesuch wichtiger, als etwas zur Seite zu legen. Ich empfehle wirklich jeder Frau – egal welchen Alters, egal welchen wirtschaftlichen Backgrounds –, sich nicht auf den Partner, auf ein Erbe und auf Alimentation- und Unterhaltszahlungen zu verlassen. Das ist leider in den seltensten Fällen gut gegangen. Nicht ein anderer ist für mein finanzielles Wohlsein verantwortlich. Nur ich selbst. Und das sollte als tägliches Mantra gelten.

Warum ist die finanzielle Absicherung für uns so essenziell?
Maximilian: Ganz einfach, weil Geld frei macht. Es bedeutet, selbstbestimmt agieren zu können. Ein guter Finanzpolster bedeutet zusätzlich, autonom vom staatlichen System zu sein. Bin ich nicht auf die staatliche Pension angewiesen, weil ich es geschafft habe, mir selbst eine ausreichende Invest-Absicherung aufzubauen, brauche ich auch keine Angst vor Kürzungen und Reformen – die bis dato noch nie zum Besseren ausgegangen sind – zu haben.

Welche Veranlagung empfehlen Sie Frauen mit geringem Einkommen?
Maximilian: Ich halte nichts von allgemeinen Empfehlungen. Jede Frau hat eine andere Ist-Situation, jede hat eine andere Risikobereitschaft, jede einen anderen Anlagehorizont. Es gilt hier tatsächlich viel zu beachten. Aber jede Frau hat es verdient, eine für sie maßgeschneiderte Lösung in Sachen Veranlagung, Vorsorge und Absicherung zu haben – auf die Lebenssituation flexibel angepasst. Es gibt genügend Veranlagungsformen, wenn frau bereit ist, sich zu informieren und die für sie passenden Lösungen dann konsequent und diszipliniert in Angriff zu nehmen und auch durchzuhalten.