Ressort
Du befindest dich hier:

Vulvodynie: Was es mit den Schmerzen im Genitalbereich auf sich hat

Nach dem Sex, beim Einführen des Tampons oder beim Fahrradfahren: Die Vulva brennt, zieht sich zusammen. Wie die Symptome einer Vulvodynie aussehen – und was hilft.

von ,

vulvodynie

Schmerzen im Genitalbereich: Woran kann es liegen?

© Photo by Duncan Shaffer on Unsplash

Beim und nach dem Sex verspürst du plötzlich Schmerzen im Genitalbereich. Dein Genitalbereich brennt, es zieht, alles fühlt sich wund an. Und es bleibt nicht nur bei Schmerzen beim Sex: Auch das Tragen eines Tampons, enganliegende Hosen oder das Sitzen auf einem Fahrradsattel wird zur Pein. Schon leichte Berührungen verursachen ein Gefühl, alles würde alles scheuern, die Vulva unter Feuer stehen...

Eine extreme Belastung – nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Die Betroffenen wünschen sich in ihrer Partnerschaft Sex, können ihn aber nicht ohne Schmerz ertragen. Der ist manchmal so stark, dass die Betroffenen sogar der Arbeit oder Schule fernbleiben müssen.

Schmerzen nach dem Sex: Was kann das bedeuten?

Die Diagnose selbst ist schwer. Bei Brennen und Jucken in der Scheide wird zunächst vor allem nach einer Pilzinfektion oder Bakterien gefahndet, die dann mit Antibiotika oder Antomykotika behandelt werden. Wenn keine Besserung eintritt oder die Symptome sich sogar verschlimmern, dann bleibt als Diagnose: Vulvodynie.

Bei Vulvodynie handelt es sich nämlich genau genommen nicht um eine Krankheit. Unter diesem Begriff werden eher die auftretenden Symptome, also die Schmerzen an den äußeren, primären Geschlechtsorganen der Frau zusammengefasst.

Leicht ist sie nicht zu diagnostizieren, vor allem, nachdem bei den Betroffenen andere, ähnlich gelagerte Krankheiten häufiger auftraten als bei anderen Frauen. Sie leiden häufiger unter Blasenentzündung oder anderen Harnwegsinfekten, an wiederkehrenden Pilzinfektionen, Reizdarm und chronischer Erschöpfung.

Schmerzen im Genitalbereich können das Sexleben stark belasten.

Schätzungen zufolge sind 20% der Frauen von Vulvodynie betroffen. Auch eine Befragung von 1.012 Frauen über 18 Jahren durch die University of Medicine and Dentistry of New Jersey ergab, dass bereits rund zehn Prozent schon einmal Vulvodynie-Symptome aufgewiesen hatten.

Auf der Webseite der National Vulvodynia Association beschreiben Patientinnen die Schmerzen. Laut ihnen können sich jene wie "mit Säure übergossen werden" oder "wie, wenn man konstant mit einem Messer gestochen wird" anfühlen.

Was sind die Ursachen für Vulvodynie?

Auch das lässt sich leider nicht exakt festlegen. Manche Ärzte vermuten körperliche Ursachen, was aber schwer nachweisbar ist. Kontaktallergie, Hautkrankheiten, eine fehlerhafte Immunreaktion, psychische Gründe, neurologische oder sogar rheumatische Beschwerden – all dies muss abgetestet werden und lässt sich doch oft nicht eindeutig bestimmen. Manchen Patientinnen hilft ein Wirkstoff, der gegen durch Nervenschäden verursachte Schmerzen wirkt. Obwohl bei den Frauen bei der Diagnostik keinerlei Nervenschäden nachgewiesen werden.

Begünstigende Faktoren: Enge Hosen & Rasur

Aktuelle Forschungen haben aber gezeigt, dass die Mode auch eine negative Auswirkung auf die Schmerzen im Genitalbereich haben kann. Denn das Tragen von engen Hosen wird mit der Vulvodynie in Verbindung gebracht. Laut der Studie der Boston University School of Public Health können nicht nur Skinny Jeans, sondern auch das komplette Entfernen des Schamhaares die Schmerzen begünstigen oder sogar auslösen.

Bei Frauen, die angaben, vier oder fünfmal pro Woche enganliegende Hosen zu tragen, war das Risiko auf eine Vulvodynie doppelt so hoch wie bei Frauen, die nur selten oder nie enge Hosen trugen. Noch extremere Werte kamen bei Frauen heraus, die ihre Schamhaare entfernen: Sie waren um 74 Prozent mehr gefährdet.

Laut der ForscherInnen, kann die ständige Haarentfernung Mikroverletzungen im empfindlichen Genitalbereich verursachen, die im Laufe der Jahre zu einem Entzündungsherd auswachsen können. Dasselbe trifft auch auf Hosen mit einem engen Schritt zu: Durch Reibung wird die Haut immer und immer wieder irritiert, was Entzündungen begünstigen kann.

vulvodynie yoga
Entspannungsübungen können Betroffenen helfen.

Schmerzen im Genitalbereich: Was hilft?

Vorrangiges Ziel der Therapie ist es, die Schmerzen zu reduzieren. Jede Frau reagiert anders. Bei manchen von Vulvodynie betroffenen Patientinnen wirkt Wärme lindernd, andere empfinden Kälte als wohltuend. Beckenbodentraining und Entspannungsübungen wie autogenes Training helfen, die durch den Schmerz verspannte Muskulatur zu lindern und besser damit zurechtzukommen.

Vielen Frauen helfen Wärmepads, um den akuten Schmerz zu lindern.

Enge Hosen und entfernte Schamhaare sind nicht bei jeder Frau die Gründe für die Schmerzen. Doch, wer oft Probleme im Genitalbereich hat, seien es Pilzinfektionen, Geschlechtskrankheiten oder eben Schmerzen, sollte eher aufs ständige Rasieren verzichten. Ebenso gilt es, nicht jeden Tag enge Hosen zu tragen.

Vielen Frauen, bei denen vor allem nach dem Sex Schmerzen auftreten, hilft eine begleitende Sexualtherapie, um die durch erlebten Einschränkungen der eigenen Sexualität besser zu verarbeiten

Dieser Ratgeber ist für Frauen, die aus verschiedenen Gründen Schmerzen beim Sex empfinden.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren: