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Vulvodynie: Wenn Sex nur mehr weh tut!

Nach dem Sex brennt alles, es zieht. Der Beckenboden schmerzt. Vulvodynie: Wenn die Liebe schmerzhaft wird. Wie die Symptome aussehen – und was hilft.

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Vulvodynie: Wenn Sex nur mehr weh tut!
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Beim und nach dem Sex verspürst du plötzlich Schmerzen im Genitalbereich. Dein Genitalbereich brennt, es zieht, alles fühlt sich wund an. Und es bleibt nicht nur bei Schmerzen beim Sex: Auch das Tragen eines Tampons, enganliegende Hosen oder das Sitzen auf einem Fahrradsattel wird zur Pein. Schon leichte Berührungen verursachen ein Gefühl, alles würde alles scheuern, die Vulva unter Feuer stehen...

Eine extreme Belastung – nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Die Betroffenen wünschen sich in ihrer Partnerschaft Sex, können ihn aber nicht ohne Schmerz ertragen. Der ist manchmal so stark, dass die Betroffenen sogar der Arbeit oder Schule fernbleiben müssen.

Schmerzen nach dem Sex: Was kann das bedeuten?

Die Diagnose selbst ist schwer. Bei Brennen und Jucken in der Scheide wird zunächst vor allem nach einer Pilzinfektion oder Bakterien gefahndet, die dann mit Antibiotika oder Antomykotika behandelt werden. Wenn keine Besserung eintritt oder die Symptome sich sogar verschlimmern, dann bleibt als Diagnose: Vulvodynie.

Bei Vulvodynie handelt es sich nämlich genau genommen nicht um eine Krankheit. Unter diesem Begriff werden eher die auftretenden Symptome, also die Schmerzen an den äußeren, primären Geschlechtsorganen der Frau zusammengefasst.

Leicht ist sie nicht zu diagnostizieren, vor allem, nachdem bei den Betroffenen andere, ähnlich gelagerte Krankheiten häufiger auftraten als bei anderen Frauen. Sie leiden häufiger unter Blasenentzündung oder anderen Harnwegsinfekten, an wiederkehrenden Pilzinfektionen, Reizdarm und chronischer Erschöpfung.

Schätzungen zufolge sind 20% der Frauen von Vulvodynie betroffen. Auch eine Befragung von 1.012 Frauen über 18 Jahren durch die University of Medicine and Dentistry of New Jersey ergab, dass bereits rund zehn Prozent schon einmal Vulvodynie-Symptome aufgewiesen hatten.

Was sind die Ursachen für Vulvodynie?

Auch das lässt sich leider nicht exakt festlegen. Manche Ärzte vermuten körperliche Ursachen, was aber schwer nachweisbar ist. Kontaktallergie, Hautkrankheiten, eine fehlerhafte Immunreaktion, psychische Gründe, neurologische oder sogar rheumatische Beschwerden – all dies muss abgetestet werden und lässt sich doch oft nicht eindeutig bestimmen. Manchen Patientinnen hilft ein Wirkstoff, der gegen durch Nervenschäden verursachte Schmerzen wirkt. Obwohl bei den Frauen bei der Diagnostik keinerlei Nervenschäden nachgewiesen werden. Für die Forschung ist die Vulvodynie zwar kein komplettes Rätsel. Aber eben auch noch kein völlig erschlossenes Feld.

Was lindert die Schmerzen nach dem Sex?

Vorrangiges Ziel der Therapie ist es, die Schmerzen zu reduzieren. Jede Frau reagiert anders. Bei manchen von Vulvodynie betroffenen Patientinnen wirkt Wärme lindernd, andere empfinden Kälte als wohltuend. Beckenbodentraining und Entspannungsübungen wie autogenes Training helfen, die durch den Schmerz verspannte Muskulatur zu lindern und besser damit zurechtzukommen. Vielen Frauen hilft eine begleitende Sexualtherapie, um die durch Schmerzen beim Sex erlebten Einschränkungen der eigenen Sexualität besser zu verarbeiten.