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WOMAN wählt - der große Polit-Check: Unsere Fragen an Ulrike Lunacek

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1 Frau - 5 Männer. Aber für wen werden sich bei der Wahl am 15. Oktober die fast 52 Prozent weibliche Wahlberechtigten entscheiden? Überzeugen dich die Antworten von Ulrike Lunacek (60), Die Grünen?


Ulrike Lunacek im Interview über Schulzeit und Bildung


1. Welche Note geben Sie sich für das letzte Jahr in Ihrem Job? Und warum?
Die Bestnote, da ich als Vizepräsidentin des Europaparlaments das Off-Setting aller Abgeordneten-Flüge im Europäischen Parlament bis zum Betrag von 250.000 Euro initiiert habe. Damit gibt es bei Eigenverpflichtungen von MEPs einen doppelten Klimabeitrag! Zudem ist es mir gelungen, noch bestehende Lücken in der Parteienfinanzierung (die auch von FPÖ-Europaabgeordneten systematisch ausgenutzt wurden) auf europäischer Ebene aufzudecken und ihre Schließung durchzusetzen. Und nicht zuletzt konnte ich bei Treffen mit der EU-Kommission auf höchster Ebene neuen Schwung für die Umsetzung der dringend notwendigen "EU-Roadmap gegen Homophobie und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität" erzeugen.

2. Welches unnütze Wissen besitzen Sie?
Keines, denn Wissen ist nicht unnütz, auch die von manchen als Orchideen-Themen genannten Inhalte haben mir schon oft weitergeholfen.

3. Haben Sie schon mal etwas gestohlen? Wenn ja, was?
Manche Menschen könnten meinen, dass ich ihnen Zeit gestohlen habe, da ich, wenn ich mich für etwas einsetze, sehr ausdauernd & hartnäckig sein kann.

4. Was würden Sie gerne lernen, wenn Sie Zeit dafür hätten?
Quechua, eine Sprache der indigenen Bevölkerung in den Anden. Weil das Verständnis der Welt in dieser Sprache völlig anders aufgebaut ist: Die Vergangenheit ist zum Beispiel vor mir, weil sie bekannt ist, und die Zukunft ist hinter mir, da ich sie nicht kenne. Mich fasziniert daran, dass unsere Welt so unterschiedlich verstanden und in Begriffe bzw. Denkmuster gefasst werden kann.

5. Wer hat Ihnen im Leben am meisten beigebracht?
Meine Eltern.

6. Welches Unterrichtsfach würden Sie gern abschaffen. Und welches dafür neu in den Stundenplan nehmen?
Abschaffen wollen die Grünen und ich kein Fach, dazunehmen aber Politische Bildung und Ethikunterricht für alle.

7. Was war das Schrecklichste an Ihrer Schulzeit?
Die Schuluniform in einem Jahr Volksschule in der Klosterschule.

8. Welchem Lehrer / welcher Lehrerin aus Ihrer Schulzeit würden Sie heute gern Danke sagen? Und warum?
Meinen Lehrerinnen für Englisch und Geschichte - weil ich von dem, was ich bei den beiden gelernt habe, bis heute profitiere.

9. Was würde Ihr Sitznachbar aus der Schule über Sie sagen?
Meine SchulkollegInnen würden sagen: "Ulrike hat super verkehrt herum lesen und uns deswegen vor den nächsten Fragen der LehrerInnen warnen können."

10. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie auf Ihrem Karriereweg ein paar Mal anders abgebogen wären?
Wenn ich nicht über mein Engagement für das erste Frauenhaus in Innsbruck und für die Entwicklungszusammenarbeit in die Politik gekommen wäre, wäre ich Dolmetscherin bei der UNO geworden. Das war mit 16 Jahren mein Berufswunsch.

11. Welchen Rat würden Sie Ihrem 14-jährigen Ich heute geben?
Mach das, so wie du es gemacht hast. Nimm die Chancen wahr, die du bekommst.

12. Was würden Sie in Ihrem Leben gern ungeschehen machen?
Non, je ne regrette rien!

13. Sind Sie heute, Ihrer Meinung nach, ein besserer Mensch als vor zehn Jahren?
Lassen Sie es mich so sagen: Ich habe in den letzten zehn Jahren vor allem auf europäischer Ebene viel dazugelernt und bin erfahrener geworden.