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Wahlkampf: Was sie sagen & wie es ankommt

Zu den Nationalratswahlen am 29. September wurden die Chefinnen & Chefs der sechs größten Parteien in vielen Interviews zu ihren Standpunkten befragt. WOMAN schaut hinter die professionelle Fassade und fragt nach Gefühlen und Fehlern. Politikwissenschafter Peter Filzmaier klopft die Aussagen der Kandidaten und Kandidatinnen auf Authentizität ab.

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Wahlkampf: Was sie sagen & wie es ankommt

KRITISCH IN ALLE RICHTUNGEN. Peter Filzmaier ist der einflussreichste Politwissenschafter des Landes und analysiert regelmäßig das politische Geschehen. Für WOMAN hat er die Antworten der KandidatInnen unter die Lupe genommen.

© Photo by Element5 Digital on Unsplash

MARIA STERN, 46

Seit 2017 in der Politik, wurde die Künstlerin & Lehrerin im August 2018 zur Obfrau der Liste JETZT gewählt. Nun kämpft sie ums politische Überleben.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Vor einer halben Stunde meinen Mann. Es ging um Strategisches meines Wahlkampfes. Auch wenn ich es ungern zugebe - er liegt oft richtig.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Die Bereitschaft, Kinderarmut zu bekämpfen.
3. Und was unterschätzt?
Die vielen Stunden, die mit Machtkämpfen verplempert werden.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
Mit €2.000 kommt man zu viert (meine Kinder und ich) zwar nicht weit, es geht sich aber knapp aus.
5. Wer kennt Sie am besten?
Meine Kinder. Weil sie mich ihr ganzes Leben lang beinahe täglich erleben und wir viel miteinander reden. Wir haben Trotzphasen, die eine oder andere Pubertät überlebt und lachen viel über unsere ureigensten Blödheiten. Nachdem wir uns umarmt haben.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
Die Gelassenheit, die mit der Routine kommt.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
Auf allen Kanälen. Täglich.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Auf wütende Ohnmacht.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Wenn ich schreibe, singe oder tanze. Oder wenn ich in ein Gespräch vertieft bin.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Jeder. Meine Fehler und ich verstehen uns gut. Wenn ich noch viele mache, bin ich vielleicht eines Tages eine alte, weise Frau, die auf ein reiches Leben zurückblicken kann.
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Neider, die gegen mich arbeiten.
12. Was lernen Sie gerade?
Dass es wunderbar ist, mit unserem jetzigen Team den Wahlkampf zu bestreiten.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Vieles, und das ist gut so. Ich bin sehr neugierig. Die Welt ist ein wunderbarer Ort, um täglich zu lernen.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
😊💃🥂
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Meine Ungeduld.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Das müssen Sie meine Familie fragen.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Heute. Nach der Yogastunde. Ich fühlte mich so lebendig, dass es beinahe wehtat.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Eine Mondrakete steuern.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
"Be My Rebel" von Nena und Dave Stewart
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Bauch. Immer wenn ich eine Kopfentscheidung traf, ging es bombastisch daneben.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik?
Die ununterbrochene Geschwindigkeit. Wenn man sich nicht bewusst Grenzen setzt, kann man schnell ausbrennen.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Ich hab noch nie gelogen.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
Bis zum Aufwachen.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politikerin zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Das erkläre ich ihnen jetzt schon. Teilweise haben sie dafür Verständnis und geben mir Tipps. Ich tue gut daran, sie zu befolgen.
25. Wie viele Parteien haben Sie schon gewählt und welche?
Drei: bei Präsidentschaftswahlen Rot, sonst Grün und JETZT.
26. Welche Berufe werden Sie noch ausüben?
Fragen Sie mich bitte in zehn Jahren.
27. Fürchten Sie sich eigentlich vor dem 29. September?
Nein. Ich bin Optimistin und liebe Klarheit.
28. Was ist das größte Vorurteil rund um Ihre Person?
Vielleicht, dass ich eine Traumtänzerin bin, mit der man alles machen kann. Irrtum: Bis jetzt hab ich jede Auseinandersetzung letztlich gewonnen. Jede einzelne.
29. Wie sieht Ihr beruflicher Plan B für den Herbst aus?
Basisarbeit für Alleinerziehende. Holland ist da richtungsweisend.

FILZMAIER ÜBER MARIA STERN

Was für Maria Stern spricht: Ihre Antworten wirken am allermeisten "echt". Weil wahrscheinlich selbst geschrieben. Sie klingt nicht so, als hätte ein Pressesprecher den Fragebogen vorausgefüllt oder daran herumgefuhrwerkt. Stern antwortet nicht taktisch, was gut ankommt. Sie schreibt, was sie mag und denkt. Der Haken daran: In den ORF-"Sommergesprächen" sagte sie, dass sie vor allem FPÖ-WählerInnen ansprechen will. Schon da hat sie sich zugleich eine linke Mehrheit gewünscht. Was ein Widerspruch in sich ist. Nun verkündet sie, bisher Rot und Grün gewählt zu haben. Soll sich so ein/e bisherige/r AnhängerIn der FPÖ besonders angesprochen fühlen?
PS: Hm, Stern hat nach eigenen Angaben noch nie gelogen. Das kann in der subjektiven Wahrnehmung richtig sein. Doch Dr. Google führt in Sekundenschnelle zu unzähligen Zitaten medizinischer ExpertInnrn der Psychiatrie und Psychotherapie, die besagen, dass Lügen zum normalen menschlichen Verhalten gehören: "Einen Menschen, der noch nie in seinem Leben gelogen hat, gibt es nicht."

WERNER KOGLER, 57

18 Jahre lang war er NR-Abgeordneter, 2017 wurde er Bundessprecher der Grünen, im Mai 2019 trat er für sie als Spitzenkandidat bei der Europawahl an.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Die führenden Klima-Wissenschafter Stefan Schleicher und Reinhold Lang zum Maßnahmenbündel für ökologisch nachhaltigen, wirtschaftlich vernünftigen und sozial gerechten Klimaschutz.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Die Kompetenz, das Engagement und die Ehrlichkeit der Etablierten.
3. Und was unterschätzt?
Die Härte der verkrusteten Strukturen und die Bereitschaft, in Sachen Umweltschutz genau nichts zu tun.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
Wahrscheinlich weniger als andere in vergleichbarer Position.
5. Wer kennt Sie am besten?
Meine Lebensgefährtin, weil sie regelmäßig meine Schwächen erlebt.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
In kürzeren Sätzen zu sprechen.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
Fernsehen, Print, beides auch international, Online-Medien und Twitter.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Angst, wenn auch ohnehin nur selten auftauchend.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Wenn am Sonntagnachmittag das Handy für ein paar Stunden ausgeschaltet ist.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Dass ich mich vor der NR-Wahl 2017 in wichtigen Punkten mit meinen Einschätzungen nicht durchgesetzt habe.
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Kann ich nicht genau sagen, weil ich sehr schnell wieder auflade.
12. Was lernen Sie gerade?
Zwei Mal innerhalb von vier Monaten Spitzenkandidat zu sein.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Das meiste.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
💚👍😎
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Aufbrausende Ungeduld.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Groß genug, um mich für große grüne Ideen zu engagieren.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Bei der Verabschiedung meines Vaters.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Singen.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
"Plötzlich Prinzessin". ;)
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Beides, weil mein Kopf auf den Bauch hört.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik ?
Das "Spitzen"-Getue.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Um meiner Mutter keine großen Sorgen zu bereiten.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
Zwischen 6:05 Uhr und 6:20 Uhr morgens, als ich im Taxi zum Bahnhof unterwegs war.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politiker zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Wenn, dann damit, dass ich die Unterlassungstäter in Regierung und Wirtschaft nicht schnell genug zum Handeln gezwungen habe.
25. Was passt überhaupt nicht zu Ihnen?
Teure modische Kleidung.
26. Welche Erwartung haben Sie an Ihre KollegInnen?
Anstand, Engagement und Kompetenz.
27. Und an Ihre Mitmenschen?
Da habe ich nicht zu hohe Erwartungen, ich bin kein Moralist.
28. Was regt Sie auf?
Bestechliche Politiker; absichtlich Chancengerechtigkeit zu torpedieren.
29. Was ist Ihre stärkste Eigenschaft?
Nicht umfallen, und wenn doch, sofort aufstehen und weiterkämpfen.

FILZMAIER ÜBER WERNER KOGLER

Frage 6 wurde eindeutig am besten beantwortet. ;) In klassischen Interviews - die "Pressestunde" im ORF etwa dauert knapp eine Stunde - sollen die Antworten der PolitikerInnen länger sein als die Fragen der JournalistInnen. In einem Wordrap oder Miniinterview nicht. Man spürt förmlich das Bemühen Werner Koglers, sich an diese einfache Regel zu halten. Ein bisschen wirken Kogler oder seine Pressesprecherin auch hin-und hergerissen. Einerseits wollen sie persönliche Antworten geben und nicht allzu skrupellos jede Frage für das Platzieren einer Wahlkampfbotschaft nützen. Andererseits doch. Wie beim Hinweis auf die Unterstützung der Grünen durch Wissenschafter gleich zu Beginn.
PS: Was fehlt, sind Anspielungen auf Koglers Rolle als Kontrolleur und Aufdecker. Nach dem Hypo-Alpe-Adria-Skandal ist er in diese Rolle geschlüpft. Da wirkte er noch überzeugender als beim Klimaschutz. Der als Hauptthema ist freilich für einen Grünen ein aufgelegter Elfmeter. Ohne Tormann. Also tritt Kogler den Ball der Worte dementsprechend.

BEATE MEINL-REISINGER, 41

Bis 2012 war die Juristin ÖVP-Mitglied, danach zog sie für die NEOS in den Nationalrat, später in den Wiener Landtag. Seit Juni 2018 ist sie NEOS-Chefin.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Meinen Mann - anlässlich meiner Rede zu unserem Wahlkampfauftakt.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Den Gestaltungsanspruch von Türkis-Blau.
3. Und was unterschätzt?
Den Machtanspruch von Türkis-Blau.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
Ich habe keine hohen Ansprüche - Miete und Fixkosten müssen gedeckt sein. Ansonsten investiere ich viel in die Bildung meiner Kinder.
5. Wer kennt Sie am besten?
Mein Mann. Er erträgt mich seit 16 Jahren.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
Keine. Ich bin bisher immer gut damit gefahren, meinen eigenen Weg zu gehen.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
In nationalen und internationalen Medien.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Ohnmacht.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Wenn ich mit meinem Baby schmuse.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Als ich mich während meines Studiums ein Jahr im Selbstmitleid ergangen habe.
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Fragebögen beantworten. ;)
12. Was lernen Sie gerade?
Wie korruptionsbereit HC Strache war - ich lese gerade das Ibiza-Buch. Ansonsten: Klavier.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Was und wann Sebastian Kurz von Ibiza wusste - und nichts unternommen hat.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
😂🤩👏
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Meine Ungeduld.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Groß genug für die Politik, klein genug für Demut.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Vor ein paar Wochen, als meine Kinder mir gesagt haben, dass ich so wenig zu Hause bin.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Quantenphysik.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
"Kinder an die Macht" - weil wir Bildung im Wahlkampf über alles stellen.
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Sehr viel Kopfmensch. Aber bei den wichtigen Entscheidungen verlasse ich mich auf meinen Bauch - so paradox das klingt.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik?
24/7 auf unzähligen Kanälen erreichbar zu sein. Und die Zeichenbeschränkung: Ständiges Verknappen unter Zeitdruck macht Politik nicht besser.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Um niemanden zu verletzen.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
Gar nicht.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politikerin zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Ich habe doch den Anspruch, zu gestalten, und genau WEIL meine Kinder diese Frage stellen könnten, bin ich in die Politik gegangen.
25. Welcher Typ Mensch wäre für Sie ein Alptraum als Kollege?
Ein Narzisst.
26. Was bringt Sie aus der Fassung?
Unehrlichkeit.
27. Was tun Sie, wenn Sie sich ausgelaugt fühlen?
Ich nehme mir ein Buch und lese darin. Und dann geh ich schlafen.
28. Wie viel Zeit haben Sie für Freundschaften?
Gerade durch die wenige Zeit, die ich durch Politik & Familie habe, sieht man wahre Freundschaften, die nicht davon abhängen, wie viel Zeit man hat.
29. Wann waren Sie zuletzt sprachlos?
Als ich das erste Mal das Ibiza-Video gesehen habe.

FILZMAIER ÜBER MEINL-REISINGER

Beate Meinl-Reisinger hat ihren Beruf nicht verfehlt. Sie ist von Herzen gerne Politikerin. Beim Ausfüllen des Fragebogens zeigt sich das auf andere Art: Mitten im Wahlkampf wird jede Chance genutzt, eine Frage mit den Reizwörtern Ibiza, türkis-blau und Kurz zu beantworten. Das ist professionell, aber ein wenig unnatürlich. Was auffällt? Kinder, Kinder, Kinder. Diese kommen dauernd vor. Die Analyse dazu ist heikel. Als Mutter ist Meinl-Reisinger hier authentisch und glaubwürdig. Nur warf sie einmal Sebastian Kurz indirekt dessen Kinderlosigkeit vor. So private Dinge eignen sich nicht als Gegenstand von Kritik. Seitdem gibt es kaum ein Interview, in dem bei Meinl-Reisinger nicht Kinder vorkommen. Ihre eigenen oder die von irgendwem. Gut, Kinder sind ja wirklich unsere Zukunft. Doch das wird früher oder später viel zu viel des Guten und wirkt penetrant.
PS: Als Pluspunkt hat Meinl-Reisinger verstanden, was ein Wordrap ist. Es geht um kurze Antworten. Was ja oft für PolitikerInnen sozusagen gegen ihre Natur ist. ;)

NORBERT HOFER, 48

2016 nahm er an der BP-Wahl teil, von 2017 bis 2019 war Hofer Verkehrsminister. Nach der Ibiza- Affäre wurde er im Mai 2019 FPÖ-Chef.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Meine Mitarbeiter im Büro. Ich werde von diesem Team gut betreut und gecoacht, und ich bin auch sehr froh über dieses tolle Betriebsklima. Außerdem vergeht kaum ein Tag, an dem mir nicht auch meine Mutter gute Ratschläge für die Politik gibt. Da geht es meist darum, Ruhe zu bewahren und in einer ausgeglichenen Stimmung die richtigen Entscheidungen zu treffen.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Ich habe beim letzten Bundespräsidentschafts-Wahlkampf nicht damit gerechnet, dass die Kandidaten von SPÖ und ÖVP nur je rund zehn Prozent der Stimmen machen. Ich glaube, es lag aber nicht an den beiden Kandidaten, die sehr engagiert waren, sondern eher am allgemeinen Stimmungsbild.
3. Und was unterschätzt?
Die Dauer des Bundespräsidentschafts-Wahlkampfes.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
Ich bin weder verschwenderisch noch geizig. Ich investiere in die Familie, in die Wirtschaft und lege mir auch immer ein bisschen was auf die Seite.
5. Wer kennt Sie am besten?
Meine Mutter. Kein anderer Mensch auf der Welt weiß so genau, wie ich ticke. Und natürlich meine Kinder und meine Frau.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
Es gibt keine Eigenschaft, die ich mir von anderen Menschen abschaue. Es ist wichtig, so an sich zu arbeiten, dass man jeden Tag ein wenig besser wird.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
Seit einigen Jahren vornehmlich über das Internet.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Auf das Gefühl der Kränkung, wenn politische Gegner mich wegen meiner Behinderung kritisieren.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Beim Sport und beim Fliegen.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Die Entscheidung, am 11. August 2003 noch einen weiteren Flug mit dem Paragleiter zu machen. Die Zeit danach war sehr herausfordernd, hat mich aber auch positiv verändert.
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Das war 2016, das Jahr des Bundespräsidentschafts-Wahlkampfes.
12. Was lernen Sie gerade?
Den Stoff für die Instrumentenflugberechtigung - 17 Kilo Unterlagen in englischer Sprache.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Meine Französisch-Kenntnisse habe ich leider komplett verlernt. Das tut mir leid.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
👍🙏😊
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Zu wenig Zeit für Freunde &Familie.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Ich habe mich am 11. August 2003 von einem zu großen Ego verabschiedet.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Das war erst vor wenigen Tagen bei einem sehr guten Film.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Stricken. Obwohl ich es eigentlich in der Schule noch gelernt habe.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
"Zurück in die Zukunft"/"Don't stop me now" von Queen
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Eines funktioniert ohne das andere nicht.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik?
Wenn mich etwas daran nerven würde, wäre ich nicht mehr in der Spitzenpolitik.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Ich tue das, um andere nicht zu kränken.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
Bis 5:30 Uhr, dann bin ich aufgestanden.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politiker zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Eine einzelne Person kann die Welt nicht retten, aber jeder kann einen Beitrag dazu leisten.
25. Welchen Job würden Sie Heinz-Christian Strache empfehlen?
Es wäre vermessen, einer anderen Person zu empfehlen, welchem Job sie nachgehen soll.
26. Tue Gutes und rede oder schweige darüber?
Für das eigene Seelenwohl ist es besser, Gutes zu tun und dieses nicht wie ein Marktschreier vor sich her zu tragen.
27. Welche drei Fähigkeiten hätten Sie gern?
Klavier spielen können, fließend Französisch sprechen und neben meinem Segel-Kunstflugschein auch den Motor-Kunstflugschein machen.
28. Wo hat Ihre Loyalität ihre Grenzen?
Dort, wo andere Menschen verletzt werden.
29. Der Wolf im Schafspelz: Erkennen Sie sich in diesem Vergleich wieder?
Ich sehe mich selbst eher als Golden Retriever.

FILZMAIER ÜBER NORBERT HOFER

Norbert Hofer hat einen Fluch und Segen zugleich. Seit dem wiederholten Präsidentschaftswahlkampf 2016 gibt es nichts, was er nicht längst gefragt wurde. Also kann er ein jahrelang aufgebautes Imagebild kommunizieren. Zugleich wirkt das für Porträts von ihm Gesagte und/oder vom Pressesprecher Geschriebene manchmal wie eine Endlosschleife von Wiederholungen. Ein bisschen hört sich die Sache auch zu sehr nach "PR-Sprech" an. Trotz einem zugegeben sehr persönlichen Zugang. Oder vielleicht gerade deshalb. Warum? Mutter, Frau und Kinder. Die tollen Mitarbeiter. Ein Lieblingslied wie ein blauer Wahlkampfsong. Der Sparwillen, ohne knausrig zu sein. Das Klavier und der Sport. Als wäre eine Checkliste abgearbeitet worden, was ein Kandidat im Wahlkampf auf der Gefühlsebene alles erwähnen muss.
PS: Ach ja, und Hofer ist laut Eigenaussage ein treuherziger Retriever. Alles klar, was mit der wahlbedingten PR-Sprache gemeint ist? Man stelle sich vor, welche Diskussionen es geben würde, wenn er sich als deutscher Schäferhund sähe. ;)

PAMELA RENDI-WAGNER, 48

Die Tropenmedizinerin war von März bis Dezember 2017 Gesundheitsministerin. Im November 2018 beerbte sie Ex-Kanzler Christian Kern, seitdem ist sie geschäftsführende Parteichefin der SPÖ.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Heinz Fischer, weil er die meiste Erfahrung hat und mir immer für einen guten Rat zur Seite steht.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Die Sachorientierung einiger PolitikerInnen. Oft stehen leider Befindlichkeiten und nicht Sachthemen im Vordergrund.
3. Und was unterschätzt?
Den Schlafmangel, den die Spitzenpolitik mit sich bringt.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
Das Wichtigste ist, dass es meinen beiden Töchtern an nichts fehlt.
5. Wer kennt Sie am besten?
Nach 20 Jahren Ehe kennt mich mein Mann, mit dem ich durch dick und dünn gegangen bin, am besten.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
Nichts. Ich bin ich - mit eigenen Ideen, Vorstellungen und Plänen.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
Im Grunde wie alle anderen auch: durch Medien und im persönlichen Kontakt.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Auf die tiefe Trauer beim Begräbnis meiner Großmutter.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Wenn ich Zeit mit meinen Töchtern verbringe. Insbesondere, wenn ich mit ihnen beim Puzzeln bin.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Ich bin ein Mensch, der nicht zurückblickt, sondern immer den Blick nach vorne gerichtet hat. Wie die Skilegende Franz Klammer immer sagt: "Wenn du ins Ziel kommen willst, darfst du nie nach links und rechts schauen, sondern musst das Ziel im Auge haben."
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Die schlaflosen Nächte, als der Ibiza-Skandal an die Öffentlichkeit gekommen ist und wir zu entscheiden hatten, was aus unserer Sicht das Beste für die Republik ist.
12. Was lernen Sie gerade?
Unter höchstem Druck und mit wenig Schlaf eine hohe Konzentration zu behalten.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Was auf den Festplatten von Sebastian Kurz, die unter falschem Namen bei einer externen Firma geschreddert wurden, ist.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
🤣😍💪
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Dass ich leider gar nicht gut singen kann.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Mein Zugang zu Politik und meiner Arbeit war immer, Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen und Sachthemen im Vordergrund zu haben. Von Befindlichkeiten halte ich grundsätzlich nicht viel.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Beim Begräbnis meiner Großmutter.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Singen.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
"Don't stop me now" von Queen.
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Kommt auf die Situation an. Sowohl als auch.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik?
Dass einige PolitikerInnen ihre Befindlichkeiten vor Sachthemen stellen.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Das tue ich grundsätzlich nicht. Ich finde, die Wahrheit ist zumutbar.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
In der Nacht, als ich geschlafen habe.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politikerin zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Gar nicht, denn ich gebe jeden Tag alles.
25. Was verunsichert Sie?
Wenn meine Tochter mir auf die Frage, wie die Mathe-Schularbeit war, eine PolitikerInnen-Antwort gibt.
26. Was ist Ihre Lieblingsspeise?
Krautfleckerl.
27. Wie viel geben Sie maximal für eine Nacht im Hotel aus?
Wenn ich mit meiner Familie auf Urlaub bin, kombinieren wir das meistens mit Besuchen bei Freunden und übernachten auch oft bei ihnen.
28. Wie nennen Ihre Freunde Sie?
Pam.
29. Wofür werden Sie am häufigsten gelobt?
Lob ist in der Spitzenpolitik leider viel zu selten.

FILZMAIER ÜBER PAMELA RENDI-WAGNER

Die SPÖ ist spät dran. Mit ihrem Versuch einer Aufholjagd im Wahlkampf und mit Pamela Rendi-Wagners Antworten. Diese kamen von allen ParteichefInnen am allerspätesten. Wurde besonders sorgsam überlegt, um nichts Falsches zu sagen? Es wirkt ein wenig, als hätte der Rotstift ihrer Pressemenschen bloß keine Fehler machen wollen. Niemals lügen, jeden Tag alles geben, stets das Ziel im Auge haben, beruflich Emotionen unterdrücken und nie in einem teuren Hotel schlafen. Klingt alles super. Hey, das Gegenteil davon ist ab und zu menschlich. Gerade Rendi-Wagner als halbe Quereinsteigerin könnte mit mehr Natürlichkeit - die sie im Fernsehen vor ein paar Jahren als Nichtparteichefin zeigte -besser punkten als mit dem, was ihr Berater womöglich einreden.
PS: Der Nachsatz könnte bei mehreren PolitikerInnen stehen: Dasselbe Lieblingslied, aber nicht singen können, sowie nicht zugeben, mal auch einfach zu schwindeln. All das sind Mehrfachnennungen beim Wordrap. Seid ihr euch echt alle so ähnlich?

SEBASTIAN KURZ, 33

Der ÖVP-Chef startete 2011 als Staatssekretär für Integration in die Spitzenpolitik. Von Ende 2017 bis Mai 2019 war er Bundeskanzler.

1. Wen haben Sie zuletzt um Rat gefragt?
Das mache ich sehr regelmäßig! Politisch natürlich mein Team, Experten oder Menschen, die ich unterwegs im ganzen Land treffe. Privat meine Freundin, meine Eltern und enge Freunde.
2. Was haben Sie an der Politik überschätzt?
Politik ist immer auch das Finden von Kompromissen, das kann manchmal auch zur Herausforderung werden.
3. Und was unterschätzt?
Dass sich Unwahrheiten, die über einen veröffentlicht werden, rasant ausbreiten.
4. Wie viel Geld brauchen Sie zum Leben?
-
5. Wer kennt Sie am besten?
Das sind sicher meine Freundin und meine Eltern.
6. Welche Eigenschaften würden Sie sich gerne von den anderen Parteichefs abschauen?
Ich finde das Durchhaltevermögen von Werner Kogler beeindruckend.
7. Wo informieren Sie sich über das Weltgeschehen und Politisches?
Vorwiegend online - bei nationalen und internationalen Medien.
8. Auf welches Gefühl würden Sie gern für immer verzichten?
Gefühle sind etwas Unverzichtbares.
9. Wann vergessen Sie alles um sich herum?
Beim Bergsteigen kann ich so richtig abschalten.
10. Welcher Fehler hat Sie rückblickend persönlich weitergebracht?
Ich glaube, Rückschläge machen einen manchmal stärker - das kommt im Kleinen öfter vor.
11. Was hat Ihre Energie am meisten verbraucht?
Ich bin an sich sehr ausgeglichen, aber die Zeit rund um das Ibiza-Video war sehr herausfordernd.
12. Was lernen Sie gerade?
Ich freue mich jeden Tag, neue Menschen kennenzulernen.
13. Was wissen Sie noch immer nicht?
Die Handynummer meiner Mama auswendig.
14. Welche drei Emojis verwenden Sie am häufigsten?
😊👍😂
15. Was mögen Sie an sich selbst nicht?
Dass ich leider gar nicht musikalisch bin.
16. Wie groß ist Ihr Ego?
Das müssen andere beurteilen.
17. Wann haben Sie zuletzt geweint?
Richtig traurig war ich, als es meiner Oma sehr schlecht ging.
18. Was können Sie überhaupt nicht?
Singen.
19. An welchen Film/Songtitel erinnert Sie Ihre Situation gerade?
Momentan erinnere ich mich sehr oft an "Viva la Vida" von Coldplay, unseren Wahlkampfsong von 2017, wo wir unsere Bewegung gestartet haben.
20. Kopfmensch oder Bauchmensch?
Beides, es braucht die Kombination.
21. Was nervt Sie an der Spitzenpolitik?
Dass Anpatzversuche mittlerweile an der Tagesordnung stehen.
22. Warum haben Sie zuletzt gelogen?
Passiert privat im Kleinen immer wieder, wenn ich zusichere, dass ich eh gleich am Heimweg von meinen Terminen bin.
23. Wie lange haben Sie heute nichts getan?
Nichts tun kommt momentan eigentlich gar nicht vor.
24. Wie werden Sie später Ihren Kindern erklären, dass Sie als Politiker zu wenig getan haben, um die Welt zu retten?
Eine Person alleine kann nicht die Welt retten. Ich gebe aber jeden Tag mein Bestes in meinem Einflussbereich.
25. Was ist Ihre größte Begabung?
Zuhören.
26. Wer oder was kann Sie verunsichern?
Menschen, die mir sehr nahe stehen.
27. Wären Sie lieber älter oder jünger?
Es passt genau so, wie es jetzt ist.
28. Wie eitel sind Sie?
-
29. Woran haben Sie mittlerweile den Glauben verloren?
Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, das wird nicht so schnell passieren.

FILZMAIER ÜBER SEBASTIAN KURZ

Kennen Sie das Gefühl? Dass Sie an dem, was jemand über sich sagt, nicht direkt etwas auszusetzen haben? Weil da nichts ist, das unmittelbar zum Widerspruch herausfordert? Doch bleibt ein komisches Gefühl, dass das Ganze unbefriedigend ist? Weil allzu aalglatt oder so? So geht es jetzt dem Analytiker. Die Kurz'schen Antworten sind das Musterbeispiel eines geglätteten Wordrap. Nach Spontanität klingt genau gar nichts. Hochprofessionelle Stehsätze passen perfekt zum Wahlkampf des ÖVP-Spitzenkandidaten. Man will bloß keine Angriffsflächen bieten. Nur erfahren wir über den Mensch Sebastian wenig. Dass Freundin, Eltern und Oma wichtig sind, das ist klar. Jeder Parteicomputer würde schreiben, dass Politiker X sein Bestes gibt, Kompromisse sucht, aus Rückschlägen lernt und so weiter. Die Bergsteigerantwort hört sich an wie ein türkises Werbebild aus dem Sommer.
PS: Was einige vielleicht stört, findet der Politikwissenschafter richtig: die Nichtantworten bei ein paar Fragen. Es gibt viele Lebensbereiche von PolitikerInnen, die uns nichts angehen. Punkt.

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