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Ein paar Wahrheiten über die Geburt

Im Geburtsvorbereitungskurs war ich die Streberin. Aber trotzdem hat mich NICHTS wirklich auf die Geburt vorbereitet. Ein paar Wahrheiten für Schwangere.

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Ein paar Wahrheiten über die Geburt

Und du dachtest, du wüsstest alles....?

© Thinkstock/Monkey Business Images Ltd

Es gibt Frauen, die ihre Babys zur Welt bringen, ohne jemals eine Geburtsvorbereitungsklasse betreten zu haben. Toll! Mutig. Für mich war das keine Option. Mit gezücktem Stift und Block saß ich in den Einheiten – und meine Hebamme hätte mich ob meiner dauernden Fragen vermutlich am liebsten sofort mit einer PDA ruhig gestellt. Kurzum: Ich war eine Schwangerschafts-Streberin.

Akupunktur, Akupressur, Yoga: mein Mann (...er war freiwillig dabei – behauptet der Gute zumindest ) und ich haben in den Monaten bis zur Geburt unserer Tochter alles auf der Checkliste für werdende Mütter abgehakt. Und tatsächlich eine Menge gelernt. Ich habe mich im Kreissaal fast in Trance gehechelt und gepresst wie eine Weltmeisterin.

Und trotzdem sind in den Momenten vor der Geburt, kurz danach und in den Tagen, bis wir das Spital verlassen konnten, ein paar Dinge passiert, auf die mich NICHTSNICHTSNICHTS, aber auch wirklich GAR NICHTS, so richtig vorbereitet hat. Weil ich der Ansicht bin, dass die hässliche Wahrheit immer besser als die beschönigende Lüge ist, will ich sie euch nicht vorenthalten:

1

Wenn es ernst wird, dreht man durch. Also: ich. Oh doch. Ich dachte, dass ich bereit wäre. Ich hatte ja immerhin ein paar Monate, um mich darauf einzustellen. Aber in dem Moment, in dem ich in den Kreissaal gerollt wurde, ich die Geräte, die Hebamme, die Krankenschwestern sah, wie sie herumflitzten und organisierten: Da überrollte mich die Panik urplötzlich, fies und hinterrücks. Ab nun konnte ich keine Bremse mehr ziehen – der Zug hatte den Bahnhof verlassen. Dieses Baby würde JETZT zur Welt kommen. Am liebsten hätte ich alle Anwesenden gefragt, ob wir vielleicht noch eine halbe Stunde warten können. Wollte ich wirklich! Man muss es mir wohl angesehen haben, sonst hätte mein Mann nicht sofort gefragt, ob "alles in Ordnung" sei. Zum Glück habe ich den Kreisch-Impuls unterdrückt und mit bibbernder Stimme "Mir geht's gut, mir geht's gut!" gemurmelt. Denk' dran: es ist manchmal besser, die Panik vor jenen Menschen zu verstecken, die sofort den Notarzt rufen würden.

2

Glaub nicht, dass dir ein Kreuzstich alle Schmerzen erspart. Ich gebe zu: Ich habe nicht alle Schmerzen heldenhaft ertragen. Nach ein paar Stunden in den Wehen war ich so am Ende, dass ich nur mehr "Drogen, Drogen – sofort her mit den Drogen" krächzen konnte. Ich bekam einen Kreuzstich (PDA). Die tat – bis auf einen kleinen Piekser und etwas Druck im Rücken – zwar überhaupt nicht weh. Aber war die restliche Geburt deshalb schmerzfrei? Nein. Es glich noch immer einem Höllenritt. Liebe andere Mütter: Entweder hat die PDA bei mir nicht gewirkt. Oder sie wirkt einfach nicht so völlig betäubend, wie ich mir das erwartet habe. Womöglich bin ich aber auch die wehleidigste Sissi auf diesem Planeten. Don't judge me.

3

Was ist da alles in meinem Körper? Ich hatte keinen Tau, dass wenn das Baby dem Geburtskanal entfleucht ist und die Plazenta (kleiner Tipp am Rande: Macht nicht meinen Fehler und lasst sie euch zeigen! Gegen diesen Anblick ist der Film "Alien" ein Gute-Nacht-Märchen!) entnommen wurde, nach wie vor UNGLAUBLICH VIEL Zeugs meinem Körper entweicht. Du liegst gerade in deinem Bettchen und genießt deinen Krankenhaus-Pudding, als plötzlich etwas zwischen deinen Oberschenkeln entlang läuft. Und glaubt mir: Es gibt wahrlich schönere Momente, als wenn dir während dem höflichen Gespräch mit deiner Schwiegermutter Zeugs aus der Vagina flutscht. Und habe ich schon diese immense Blutung erwähnt? Ich blutete noch Tage, wenn nicht gar Wochen, nach der Geburt. Was mich zum nächsten Traum(a) führt....:

4

...den sexy After-Birth-Dessous. In den ersten Tagen im Spital wirst du in eine höchst unerotische Netz-Unterhose samt überdimensionalen Damenbinden gesteckt. Verdammt sexy. Womöglich aber stärkt ja der Umstand, dass ihr zunächst BEIDE Windeln tragen müsst, die Mutter-Kind-Bindung. Ich habe sachte Zweifel...

5

Die schmerzhafteste Massage aller Zeiten. Wusstest du, dass die Krankenschwestern ab und an vorbeikommen, um dich zu massieren? Wenn du jetzt voller Vorfreude auf eine angenehme und vor allem kostenfreie Nackenlockerung bist: Vergiß' es gleich mal wieder. Sie massieren deinen Bauch genau an jener Stelle, an der vor kurzem noch ein 8-Kilo-Baby seinen Platz gefordert hat und an der (im Falle eines Kaiserschnitts) gerade noch jemand herum geschnippelt und zusammengeheftet hat. Es tut weh. Es tut wirklich wirklich wirklich weh. Daran ändert auch der positive Effekt, dass sich deine Gebärmutter dank dieser Massage schneller wieder zusammenzieht, nichts.

6

"Mein kleines, süßes....Schnarch!" Nach der Geburt wurde ich auf Magnesium gesetzt, weil ich in der Schwangerschaft unter Präeklampsie litt (geht mit erhöhtem Blutdruck und zu starker Eiweißausscheidung im Urin einher). Nunja. Magnesium macht dich extrem schläfrig. So schläfrig, dass ich am ersten Tag mit dem Löffel im Mund eingeschlafen bin. Kurzum: Die ersten kostbaren Tage nach der Geburt meiner Tochter musste ich mich zusammenreißen, um zumindest eine halbe Stunde am Stück wach zu bleiben.

7

Ich will nicht Dolly Buster sein. Ja, mir war klar, dass die Milch einschießt. Aber mir war im Vorfeld nicht bewusst, dass ich mich quasi über Nacht in ein Busen-Monster verwandeln würde, dass beim kleinsten Druck auf die Brüste am liebsten Quieken würde und bei dem sich in den ungünstigsten Augenblicken Milchflecken auf dem T-Shirt abzeichnen. Versteht mich nicht falsch: Ich habe meine Tochter supergerne gestillt, es waren ruhige, intime Augenblicke, die ich wirklich genossen habe. Aber das ganze Drumherum, die schmerzenden Brüste, die wunden Nippel – nein, darauf hätte ich gut und gerne verzichtet.

Das waren nur ein paar der eher unangenehmen Dinge, die ich vor, während und nach der Geburt erfahren habe. Aber wisst ihr was? Ich bin dafür dankbar.

Denn die wichtigste Sache, die einen so eine Geburt lehrt: Wenn du vor fremden Menschen geschrieen, geheult, geblutet, gepresst und gepupst hast (ihr verzeiht meine Direktheit) oder in einem unsexy Nachthemd mit triefenden Riesen-Brüsten über einen Krankenhaus-Gang geschlurft bist, dann lernst du, viele Dinge wesentlicher entspannter zu sehen.

(Eine Qualität, die du übrigens schon sehr bald brauchen wirst – etwa wenn dein Baby dir das erste Mal ein Milchbäuerchen über die Schulter auf dein T-Shirt rülpst)....

Kommentare

Jasmin Nerici

Liebe Frau Hase, wenn sie eine gescheite Geburtsvorbereitung gefunden hätten, hatten Sie
1. Stift und Papier daheim lassen können
2. Nicht in den Kreißsaal irgendeines Krankenhauses gerollt werden müssen
3. Keine PDA gewollt
4. sich Geld, Schmerz und Demütigung (entschuldigen sie meine Direktheit) erspart

Und das hat nichts mit verharmlosung oder verlieblichung der Geburt zu tun.

El Ba

Ich finde den Artikel nicht schlecht. Die Dimension von Schmerzen, Peinlichkeiten und Ängsten lässt sich ansatzweise in Worte fassen, die von Mutterliebe nicht. Und dass man mit Netzhöschen und Porno-Titten werdenden Müttern Angst einjagt? Naja...

Autor

Und wie wundervoll es überhaupt ist, ein Kind zu haben - da ist alles andere nebensächlich und wen interessiert es, was für Unterwäsche er trägt, wenn er gerade das Wunder Kind im Arm hält???? Dieser Artikel jagt werdenden Müttern nur unnötigerweise Angst ein - ich habe mir jede Geburt schlimmer vorgestellt, als sie dann war!!

Autor

Also ich finden diesen Artikel einfach schrecklich!!!! Als Mutter von 3 Kindern kann ich mich Frau Hase überhaupt nicht anschließen!! Wie oberflächlich ist denn diese Betrachtung der Geburt und den Tagen danach??? Mit keinem Wort wird erwähnt, wie einzigartig und unglaublich das Gefühl ist, ein Kind auf die Welt gebracht zu haben (alle 3 ohne PDA, ich hatte niemals das Bedürfnis danach)