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„Letztlich ist es fast egal, ob ich einem Gast Schnitzel empfehle oder einem Kunden zu einer passenden Kommunikationsstrategie rate“

Als Managing Director trägt Waltraud K. die Gesamtverantwortung für zwei Medienmarken. Dabei war die Medienbranche eigentlich nie das Ziel der diplomierten Tourismuskauffrau. Was Schnitzel und Kommunikationsstrategien gemeinsam haben? Wie man sich als Frau in einer einstigen Männerdomäne behauptet? Und warum ohne Frauenpower gar nichts geht? Wir haben die 40-jährige Powerfrau zum Interview getroffen.


„Letztlich ist es fast egal, ob ich einem Gast Schnitzel empfehle oder einem Kunden zu einer passenden Kommunikationsstrategie rate“
© cemera-photography.com

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Ursprünglich kommen Sie aus der Steiermark, sind in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden. Warum haben Sie dem Land den Rücken gekehrt?

Waltraud K.: Ich bin irrsinnig gern auf dem Land aufgewachsen – ein solches Großwerden kann man wirklich nur jedem Kind wünschen. Aber irgendwann wird es einem zu eng: Jeder kennt jeden, jeder weiß, was der andere tut, und es herrscht allgemeines Getratsche. Das hat meinen Abnabelungsprozess beschleunigt. So bin ich mit 14 Jahren freiwillig ins Internat gegangen und habe schließlich bei den Schulschwestern in Graz maturiert. Für diese Möglichkeit, die Schule abschließen zu können, bin ich meinen Eltern bis heute dankbar – meine fünf Geschwister haben allesamt einen Lehrberuf erlernt. Als mir dann irgendwann auch die steirische Hauptstadt zu klein wurde, bin ich nach Wien gegangen. Auch wenn ich mir ein Landleben nicht mehr vorstellen kann, komme ich dennoch immer wieder gern „nach Hause“. Meine Wurzeln werden immer in der Steiermark sein – immerhin ist die Mehrheit der Großfamilie in der Umgebung geblieben.

Die Übernahme des elterlichen Hofs wäre keine Option gewesen?

Waltraud K.: (Lacht.) Nein, definitiv nicht. Außerdem war es damals so üblich, dass der erstgeborene Sohn die Landwirtschaft übernimmt. Und so kam’s dann letztlich auch.

Heute sind Sie Managing Director eines der reichweitenstärksten Magazine des Landes. Was darf man sich darunter vorstellen?

Waltraud K.: Die strategische Gesamtverantwortung, die man für eine Medienmarke hat. War dies früher ausschließlich das Magazin selbst, kam während der letzten Jahre doch einiges dazu – man kann sagen: Der Markt hat sich verändert. Die Herausforderung eines Managing Director ist es somit, mit einer Marke auf dem Markt zukunftsfähig zu bleiben und nicht im Sumpf der Mitstreiter zu versinken.

Eine Stelle, auf die man hinarbeitet? Oder wie kam’s dazu?

Waltraud K.: Es ist tatsächlich so, dass ich nicht darauf hingearbeitet habe. Ich war lange in Reihe zwei tätig – von neun Jahren war ich rund sechs als „Head of Sales“ für den Verkauf der Marke verantwortlich. Die Gesamtverantwortung lag damals noch bei jemand anderem. Aber wie es im Leben oft so ist, passieren manchmal die unvorhersehbarsten Dinge: So wurde ich nach einer eineinhalbjährigen Auszeit von dem Verlag, in dem ich eigentlich seit jeher tätig bin, zurückgeholt und in die Position des MD gehoben. Ein bisschen Glück hat wohl auch mitgespielt – dafür bin ich sehr dankbar.

Was, würden Sie sagen, sind die Herausforderungen Ihres Jobs? Was macht ihn besonders?

Waltraud K.: Ganz klar: die Vielfältigkeit. Ich kann tatsächlich sagen, dass mir in den gesamten zwölf Jahren, die ich nun in der Branche arbeite, kein einziges Mal langweilig wurde.

Aber gibt es – wie in jedem anderen Job auch – Schattenseiten?

Waltraud K.: Ich glaube, dass es in der heutigen Zeit vielen Menschen ähnlich geht. Neben Überstunden, die von Zeit zu Zeit fällig werden, sind der ständige Druck und Stress Schattenseiten, mit denen ein Großteil von uns zu kämpfen hat. Man wird schließlich an seiner Performance gemessen. Doch am Ende des Tages ist es genau das, was einen antreibt, einen irgendwie lebendig hält.

War Ihr Ziel immer die Medienbranche?

Waltraud K.: Eigentlich nicht. Nach der Matura folgte ein zweijähriges Kolleg zur diplomierten Tourismuskauffrau. Nach erfolgreichem Abschluss habe ich mich damals aus materieller Sicht entschieden, in die gehobene Gastronomie zu wechseln. Dort bin ich dann bis Ende 20 geblieben und durch Zufall und auf Anraten eines Bekannten in die Medienbranche gerutscht. Und tatsächlich: Die beiden Berufssparten sind einander gar nicht unähnlich. Beide basieren auf zwischenmenschlichen Kontakten, verfolgen das Ziel, Menschen glücklich zu machen – eigentlich genau das, was mich stets angetrieben und motiviert hat. Letztlich ist es völlig egal, ob ich nun einem Gast im Restaurant ein Schnitzel empfehle oder einem Kunden zu einer ganzheitlichen Lösung, einer Kommunikationsstrategie, die unterschiedliche Medienkanäle beinhaltet, rate. Was es in beiden Fällen braucht: Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers.

Was war letztlich ausschlaggebend?

Waltraud K.: Mit 28 Jahren kam in der Gastro der Moment, an dem ich dachte, irgendwie zipft mich alles bloß noch an – mein Hirn ist trotz zahlreicher Weiterbildungen nicht wirklich gefordert. Es fehlten die Herausforderung und vor allem der Sinn. Da war klar: Ich muss etwas verändern. Wenngleich der erste Anlauf nicht von Erfolg gekrönt war, hat man mich damals weiterempfohlen. Dann kam tatsächlich der Anruf, und nach zwei weiteren Gesprächen hatte man sich entschieden, mir als Quereinsteigerin eine Chance zu geben. Heute sind es mittlerweile zwölf Jahre, die ich in dieser Branche tätig bin. Dafür bin ich vor allem meiner damaligen Chefin sehr dankbar.

Apropos Chefin: Ist es schwer, sich in einer ursprünglich männlich dominierten Branche zu behaupten?

Waltraud K.: Ich muss sagen, dass es neben meiner damaligen Chefin bereits zahlreiche Powerfrauen im Verlag gegeben hat. Aber sie war es, die mich eigentlich von Beginn an gefordert und in meinen Stärken gefördert hat. So kam es, dass ich Stück für Stück immer mehr Verantwortung übernehmen durfte – eine großartige Möglichkeit.

Wie wichtig ist Ihnen Frauenpower innerhalb Ihres Teams?

Waltraud K.: Es ist tatsächlich so, wenn auch nicht beabsichtigt, dass mein Team ausschließlich aus Frauen besteht – wir sind ein Ponyhof (lacht). Das hat sich einfach so ergeben. Man kann sagen, das Team um mich herum ist eine bunte Mischung aus langjährigen Wegbegleiterinnen und neuen Kolleginnen. Jede meiner Kolleginnen hat andere Stärken, die ich als Führungskraft gezielt zu fördern versuche – schließlich sind wir als Team auf die Stärken der jeweils anderen angewiesen.

Sind Sie in Ihrem Beruf heute glücklich?

Waltraud K.: Zu 85 Prozent. Die restlichen 15 Prozent muss auch ich manchmal durchatmen. Es ist so, dass man in unserem Beruf viele „Nein“ zu hören bekommt und häufig – sowohl intern als auch extern – vertröstet wird. Ich würde mir einfach wünschen, dass manche Prozesse reibungsloser und schneller abliefen, um relevante Entscheidungen zügiger treffen zu können. Aber da mit 85 Prozent der glückliche Teil überwiegt, kann ich guten Gewissens sagen: Ja, ich bin glücklich und gehe gern zur Arbeit. Am Ende weiß ich, was mich erwartet: ein Team, das extrem loyal und fleißig ist. Es kommt am Ende immer auf die Menschen an.

Prinzipiell ein gut dotierter Job. Ist es Ihnen wichtiger, in dem, was Sie tun, einen Sinn zu sehen oder gut damit zu verdienen?

Waltraud K.: Der Sinn ist ganz klar der Treiber. Auch wenn Geld zu verdienen niemals schlecht ist. Ich bin niemand, der Millionen verdienen möchte. Ehrlicherweise wüsste ich nicht einmal, was ich mit vier Millionen, die ich im Lotto gewinne, machen würde. Mir ist es wichtig, schön zu wohnen, nette Urlaube zu verbringen und nicht jeden Euro umdrehen zu müssen, was ich lange Zeit tun musste. Insbesondere zu Schulzeiten, die ich mir mit mehreren Nebenjobs finanziert habe, musste ich jeden – damals noch – Schilling zweimal umdrehen.

Und privat: Sie selbst sind verheiratet?

Waltraud K.: Genau – zusammen sind wir nun seit etwas mehr als fünf und verheiratet seit genau drei Jahren. Kinder haben wir allerdings keine. Sind auch nicht in Planung. Zumal mein Mann tatsächlich sehr wenig mit Kindern anfangen kann und ich nie wirklich den Wunsch nach Kindern verspürt habe. Meine biologische Uhr habe ich nie ticken gehört. Außerdem mangelt es uns, dank der Großfamilie und meiner Patenkinder, mit denen ich gern Zeit verbringe, nicht an „Nachwuchs“.

Was ist Ihnen innerhalb Ihrer Beziehung besonders wichtig?

Waltraud K.: Ehrlichkeit, Verständnis, Spaß, Humor und eine solide Grundlage – ohne ähnliche Werte und Einstellungen ist ein funktionierendes Miteinander auf Dauer ziemlich ausgeschlossen …

Ist es Ihnen trotz Ehe wichtig, im Leben auf eigenen Beinen zu stehen und finanziell unabhängig zu sein?

Waltraud K.: Das war es immer! Innerhalb unserer Ehe teilen wir alles zu gleichen Teilen – so sind finanzielle Streitigkeiten von vornherein ausgeschlossen.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wovon träumen Sie?

Waltraud K.: Ich würde gern die Welt sehen – auch wenn ich mir niemals vorstellen könnte, im Ausland zu leben. So setze ich mir immer neue Etappenziele und arbeite fokussiert auf die nächste Reise hin. Das motiviert. Sonst habe ich eigentlich kaum große Träume, möchte weder ein Schloss am Meer noch einen Maserati – für mich sind es eher die kleinen Dinge im Leben, die wertvoll sind.

Und in der Pension?

Waltraud K.: Blicken wir noch weiter in Richtung Zukunft, möchte ich die Zeit, die man im Ruhestand hat, aktiv nutzen können, ohne großartig überlegen zu müssen, was ich mir leisten will und kann. Selbst wenn es noch eine gefühlte Ewigkeit bis dahin ist, freue ich mich irgendwie auf die Pension. Auf die Zeit, Dinge tun zu können, für die es einem derzeit an Kapazitäten fehlt. Allerdings weiß ich nicht, ob sich meine Einstellung ändert, wenn es dann tatsächlich so weit ist und man von einem doch recht fordernden Job ins absolute Nichtstun wechselt (lacht).

Um zu reisen, braucht es Geld. Viele Frauen fürchten sich finanziell vor ihrer Zukunft. Haben Sie Angst vor Altersarmut?

Waltraud K.: Ich glaube, dass Altersarmut vor allem Frauen betrifft, die aufgrund familiärer Situationen nur Teilzeit oder in Jobs mit niedrigem Grundgehalt arbeiten können. Diese Problematik sehe ich heute bei vielen meiner Freundinnen, die immer noch in der Gastronomie tätig sind, tagtäglich körperliche Höchstleistungen vollbringen und das für ein relativ überschaubares Grundgehalt – das Trinkgeld, das einen großen Teil der Einnahmen ausmacht, fließt nicht in den Pensionstopf. Persönlich bin ich in der glücklichen Lage, mich derzeit nicht vor Altersarmut fürchten zu müssen.

Verlassen Sie sich hierbei auf die staatliche Rente, oder sorgen Sie vor?

Waltraud K.: Ich sorge vor. Mit Mitte 20 hatte ich eine Versicherungsvertreterin als Nachbarin, bei der ich damals meine Haushaltsversicherung abgeschlossen habe. Und wie das bei Versicherungen oft so ist, hat man auch gleich über die Zukunft gesprochen. Weil ich damals selbst noch in der Gastronomie tätig war, war klar, dass es später irgendwann eng werden könnte. So kam’s, dass ich meine erste Altersvorsorge, eine sogenannte Pensionsversicherung mit garantierter Zusatzpension auf Lebenszeit, abgeschlossen habe. Zudem habe ich mit 27 Jahren einen Kredit für eine kleine Eigentumswohnung – damals noch zu einem relativ vernünftigen Preis – aufgenommen. Dafür musste man sich natürlich auch mit den Themen Lebens- und Ablebensversicherung auseinandersetzen, weil es für den Kreditgeber eine gewisse Absicherung braucht.

Und Ihr Mann?

Waltraud K.: Mit „Double income, no kids“ können wir uns gemeinsam recht gut bewegen. Zudem sind wir beide eher konservativ in puncto Vorsorge – sind für alles abgesichert und versichert. So ist es auch in Bezug auf die Pensionsvorsorge nicht bei einer geblieben, sondern es sind mittlerweile mehrere. Um mit gutem Gewissen in die Zukunft schauen zu können.

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