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Wandern, Klettern und die Berge: Das ist wie Therapie

Die Berge, die hat Susanne Kraft in ihrer DNA. Für sie sind sie Fitnessgerät, Lehrmeister und Therapeutin in einem. Was hinter dieser Liebe steckt und was auf den Gipfeln gar nichts zu suchen hat, erzählt die Bloggerin im Interview.

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Wandern, Klettern und die Berge: Das ist wie Therapie

PURE BEGEISTERUNG. In der Höhe lebt Susanne Kraft, 26, so richtig auf. Für einen Wahnsinns-Sonnenaufgang steht sie auch gern mal um 3 in der Früh auf.

© privat

Trailrunning, Wandern, Klettern, Skitouren - das liebt Susanne Kraft. Weil es in den Bergen stattfindet. Für die angehende Sportwissenschafterin aus Salzburg sind die Felsmassive im Grunde ein Sportgerät. Aber eines, das sie emotional stark bindet. Trainiert es doch Psyche und Geist mindestens so sehr wie den Körper. Darüber schreibt die 26-jährige auf ihrem Blog berghasen.com, den sie mit der 33-jährigen Veronika John betreibt. Uns verriet sie, wie der Berg Gemeinschaftssinn schult, wann man Grenzen akzeptieren muss und wie man Ängste überwindet.

Was ist an den Bergen so faszinierend?
KRAFT:
Die Landschaft und die Natur, in der man sich da bewegt, sind einfach wunderschön. Es gibt so viele Abenteuer zu erleben, wenn man um drei Uhr in der Früh aufsteht, um einen Wahnsinns-Sonnenaufgang zu erleben, oder wenn man einen besonders ambitionierten Gipfel erklimmt. Der Berg fordert mich körperlich, aber auch geistig sehr heraus. Und er lässt mich meine Grenzen entdecken.

Was lernt man über die in den Bergen?
KRAFT:
Man muss sich immer wieder überwinden und seinen Ängsten stellen. Etwa wenn man ungesichert über einen langen Grat geht. Da heißt es voll konzentriert sein. Ein falscher Schritt kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Man muss fokussiert sein und die Angst kontrollieren. Belohnt wird man dafür mit dem unglaublichen Gefühl, wenn man es geschafft hat, und das nur mit den eigenen Fähigkeiten.

ALLROUNDERIN. Trailrunning, Skitouren, Klettern, Wandern - hauptsache, es ist in den Bergen. Doch Susi sucht das Abenteuer nicht um jeden Preis. Sicherheit ist ihr sehr wichtig, ein unnötiges Risiko würde sie nicht eingehen.


Ist dieser Adrenalinkick das Risiko wert?
KRAFT:
Da geht es nicht um Adrenalin. Wenn ich so einen Kick haben will, mache ich Bungeejumping. Es ist eher das Einssein mit dem Moment, dem Berg, der Partnerin, das Erkennen des eigenen Potenzials. Teamgeist und Vertrauen stehen da im Vordergrund. Man muss sich bei einer Tour zu 100 Prozent auf den anderen verlassen können. Dass es so jemanden gibt, diese Person das auch zurückgibt, ist ein echt tolles Gefühl.

Risiko gehört also dazu?
KRAFT:
Ja, natürlich, aber kein unnötiges. Ich bereite mich auf jede Tour genau vor, schaue mir potenzielle Gefahren an, schätze ab, ob ich die bewältigen kann. Da braucht es Geduld, man muss nachgeben lernen und manchmal auch ein Scheitern akzeptieren. Weil die äußeren Umstände eine Tour nicht zulassen oder weil man einfach noch nicht gut genug ist.

Haben Sie auch schon echt gefährliche Situationen erlebt?
KRAFT:
Einmal bin ich bei einer Skitour einer Lawine davongefahren. Ich habe mich auch beim Trailrunning schon verletzt. Aber ich gehe nie bewusst ein unnötiges Risiko ein. Wenn man ein Gebiet kennt und genug Erfahrung hat, findet man im Grunde immer eine Tour, die machbar ist, egal welche Lawinensituation gerade herrscht. Und natürlich habe ich auch Glück gehabt.


Derzeit strömen ja gefühlt alle in die Berge. Wie sehen Sie das?
KRAFT:
Ich kann das verstehen, es ist ja wirklich wunderschön. Aber im Winter, wenn man bei einer Skitour die Einsamkeit und unberührte Abfahrt sucht, können zu viele Menschen ein bissl nerven, und es entstehen dadurch auch Probleme. Nicht jeder geht respektvoll mit der Natur um, manche lassen etwa ihren Müll einfach liegen. Auch der zwischenmenschliche Respekt ist nicht immer da. Ich höre immer wieder auf Hütten, dass Menschen ihre eigenen Errungenschaften in den Himmel loben, aber über andere Bergsteiger blöd reden. Das passt jedoch einfach nicht zum Bergsport, finde ich. Es geht ja nicht darum, sich aneinander zu messen. Da stehen Bergkameradschaft, Vertrauen und das Einssein mit der Natur im Vordergrund.

DREAMTEAM. Susi und Veronika John, 33 (l.), bloggen gemeinsam als Berghasen über ihre Touren. Trainings, Rezepte, Tipps &Tricks auf berghasen.com.