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Wann geht Rache zu weit?

Das Auto vom Ex mit Taubenfutter bestreuen, dem Sportnachbarn eine reinhauen, weil er immer viel zu dicht an dich ranrückt – womit machst du dich strafbar und was geht noch durch?

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Wann geht Rache zu weit?
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Mal ehrlich: Hast du noch nie, zumindest heimlich, darüber nachgedacht, dich an jemandem für etwas zu rächen? Stelle vor, es würde plötzlich ganz zufällig der Sattel vom Fahrrad deines Nachbarn fehlen, das ständig den Weg verstellt. Oder die Lieblingsoutfits deines Partners würden verschwinden – komischerweise immer dann, wenn er mit seinen Kumpels zu lange um die Häuser zieht! Gedanken sind frei – aber was davon wäre, in die Tat umgesetzt, moralisch vertretbar? Und was ganz sicher gesetzeswidrig? Zwei Expertinnen klären auf: Das passiert, wenn du ...

... dem untreuen Ex Vogelfutter aufs Auto streust.

Das kann teuer werden. Du findest heraus, dass dein Partner schon seit Monaten eine Affäre hat und willst es ihm heimzahlen. Dafür besorgst du Sonnenblumenkerne, die du auf seinem PKW verteilst. "Klingt vielleicht verlockend, ist aber keine gute Idee", warnt Rechtsanwältin Susanna Perl-Böck (gaerner-perl.at)."Wird der Lack beschädigt, können Sie im schlimmsten Fall nicht nur mit einer Schadenersatzklage rechnen, sondern auch mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung. Auf das Delikt stehen bis zu sechs Monate oder eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen."

... die lästige Kollegin beim Chef verpfeifst.

Den Mittelweg wählen. Ständig wirst du von deiner Schreibtischnachbarin tyrannisiert. Endlich hast du die Chance, es ihr heimzuzahlen: Obwohl sie krankgemeldet ist, läufst du ihr abends bei einem Event über den Weg. Gleich am nächsten Tag wirst du deinen Vorgesetzten informieren! "Klar, dass man zornig ist, wenn sich jemand so abwertend gegenüber einem verhält", weiß Psychologin Madgalena Lederer (lederer-psy.com), "aber das Arbeitsklima verbessert sich nicht, wenn man zusätzliches Gift streut. Besser: Begrüßen Sie Ihre Kollegin und wünschen Sie Ihr gute Besserung. Sie wird den restlichen Abend nicht mehr richtig genießen können, und Sie stärken damit Ihre Position."

... die Lieblingsklamotten deines Partners verkaufst.

Finger weg! Er hängt in letzter Zeit viel zu oft mit seinen Kumpels ab. Um ihm einen Denkzettel zu verpassen, vercheckst du ein paar seiner liebsten Kleidungsstücke online. "Das kann nach hinten losgehen", warnt Perl-Böck. "Sie haben dann vielleicht seine Aufmerksamkeit, machen sich im schlimmsten Fall aber gleichzeitig wegen Diebstahl straf bar." Lederer: "Versuchen Sie's mit einem offenen Gespräch, das ist nachhaltiger. Wenn das nicht hilft, rufen Sie eine Freundin an, und lassen Sie sich so richtig über ihn aus! Das kann auch befreiend sein."

... deinen Sportnachbarn "aus Versehen" eine reinhaust.

Nur nicht übertreiben. Boah, das nervt! Dauernd steigt dein Yoga-Nachbar bei den Übungen auf deine Matte. Als Revanche bekommt er beim nächsten Sonnengruß deine Hand ins Gesicht. Perl-Böck: "Obwohl ein derartiges Verhalten einer guten 'Mattennachbarschaft' sicher nicht dienlich ist, ist ein leichter, 'unabsichtlicher' Klaps mit der flachen Hand strafrechtlich nicht relevant – solange man den anderen dabei nicht verletzt."

... dem Ex SMS, um die Neue misstrauisch zu machen.

Größe beweisen. Drei Wochen liegt die Trennung zurück, da ist er schon in einer neuen Beziehung. Das soll er büßen! Damit er Ärger kriegt, schickst du ihm auffällig viele zweideutige Nachrichten. Lederer: "Es tut weh, wenn man sich ersetzbar fühlt. Aber es ist hilfreicher, sich um sich selbst zu kümmern, als sich mit dem Ex zu beschäftigen. Und versetzen Sie sich in die Lage der neuen Frau, die nichts dafür kann. Loyalität zwischen Frauen ist auch etwas Wichtiges."

... behauptest, dass der Partner deiner Bekannten diese betrügt.

Besser nicht. In deinem Umfeld gibt es jemanden, der hinter deinem Rücken über dich herzieht. Du möchtest dich rächen, indem du herumerzählst, dass ihr Partner sie betrügt, obwohl das gar nicht stimmt. "Rechtlich relevant wird es, wenn dies für eine außenstehende Person wahrnehmbar und das Verhalten des Partners unehrenhaft oder sittenwidrig und geeignet ist, ihn in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen. Üble Nachrede kann mit bis zu sechs Monaten Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen bestraft werden", so Perl-Böck.

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