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Wann und wie du deinen beruflichen Umstieg durchziehen solltest

Flexibel. Neugierig. Offen. Das sind die gefragten Eigenschaften im neuen Joballtag. Beruflich umsteigen wird immer leichter. Ob in einer Firma, der Branche oder ein radikaler Jobwechsel. Zehn Umsteigerinnen sagen, wann es Zeit dafür ist.

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Wann und wie du deinen beruflichen Umstieg durchziehen solltest
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"Lang mache ich das nicht mehr!" - Schon mal gedacht? Das Berufsleben ist flexibel geworden. Durch die Digitalisierung ist vieles möglich, es gibt weniger Hürden als früher. "Das bringt viele Chancen, auch in der Arbeitsgestaltung", ist Coaching-Expertin Doris Bernhard überzeugt. "Viele Jobs, die in ein paar Jahren ausgeschrieben werden, gibt es heute noch gar nicht. Auf der anderen Seite wird es das klassische Angestelltenverhältnis in zehn Jahren nicht mehr in allen Branchen geben."

Woran erkennt man, dass es Zeit für einen Wechsel ist?

Erstens muss klar sein, was sich verändern soll: Ist es nur das Umfeld? Oder die gesamte Branche? "Jene, die am Beginn ihrer Karriere stehen und Erfahrungen sammeln wollen, sind gut beraten, nach zwei bis drei Jahren zu wechseln. Es sei denn, sie befinden sich in einem Traineeprogramm und haben die Chance, sich innerhalb dessen weiterzuentwickeln", so die Expertin. "Mit dem Fortschritt der Karriere verlängert sich meistens auch die Verweildauer bei einer Firma. Durch Gespräche mit dem Vorgesetzten können aber auch im Unternehmen neue Jobs geschaffen werden. Das sollte man versuchen."

Die neuen Key-Skills: Flexibilität, Neugier, Lernbereitschaft

Immer offen bleiben und Spaß an Neuem haben. Bernhard: "Durch Begeisterung bei der Sache entsteht Mut. Es ist wichtig, gern etwas lernen zu wollen, aber auch das nötige Durchhaltevermögen zu haben und etwas durchzuziehen."

Hier liegt die Gefahr der "Probier dich aus, alles ist möglich"-Mentalität: Permanentes Job-Hopping wirkt schnell unentschlossen, deshalb rät Berufs-Coach Bernhard zu "einer gewissen Kontinuität. Nachvollziehbare Wechsel zeigen eine inhaltliche Entwicklung." Übrigens: Wer eine Führungsrolle anstrebt, sollte strategisch im Drei-bis-Vier-Jahres-Rhythmus wechseln.

VLATKA BIJELAC, 33, GASTRONOMIN BEEF & GLORY

Nach dem Studium hat Bijelac fünf Jahre lang die Marke Almdudler international aufgebaut. Im Herbst 2017 hat sie ihren letzten Arbeitgeber verlassen und ihr eigenes Steaklokal eröffnet.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Selbstgemachte Zitronenlimonade mit ganz vielen Eiswürfeln. Die habe ich in Plastikbechern in Kroatien am Strand verkauft.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Es wird einem nichts geschenkt im Leben.
Es ist Zeit für Neues, wenn sich das Herz dafür entscheidet.
Da war ich mutig: Bei einem Fallschirmsprung mit meinen Jungs in Kärnten. Und das, obwohl ich Höhenangst habe.
Das will ich 2018 erreichen: "Beef & Glory" mit meinem tollen Team zu der Steakinstitution in Wien machen.
Das würde ich anders machen: Früher den Mut aufbringen, mich selbstständig zu machen.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #workhardplayhard

MAIMUNA MOSSER, 41, COUNTRY MARKETING MANAGERIN IKEA

Von der Start-up-Managerin ging's zurück ins Angestelltenverhältnis im Marketing.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Ganz klassisch als Ferialpraktikantin.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Man kann ihn nicht erzwingen.
Es ist Zeit für Neues, wenn es keine Herausforderungen mehr gibt.
Da war ich mutig: Beim Fallschirmspringen.
Das will ich 2018 erreichen: Einen exzellenten Job machen.
Das würde ich rückblickend anders machen: Nichts, es gibt keine falschen Entscheidungen. Man kann immer etwas lernen - dann war es schon für was gut.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #mithumorgehtsleichter

NINA BRENNER, 39, GESCHÄFTSFÜHRERIN JARDIN DE FLEURS

Früher war sie Marketingexpertin, 2017 hat sie sich mit ihrer Firma selbstständig gemacht.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Nach der Matura habe ich in einem Industriebetrieb im Versand gearbeitet.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Es steckt viel Arbeit dahinter. Aber wenn man merkt, dass sich die Anstrengungen auszahlen, ist das ein unvergleichliches Gefühl.
Es ist Zeit für Neues, wenn der Frust nicht nur eine Phase ist - schlechte Tage haben wir alle -, sondern zum Dauerzustand wird.
Da war ich mutig: Beim Schritt in die Selbstständigkeit. Alle haben mir abgeraten, mein Ehemann hat an mich geglaubt.
Das will ich 2018 erreichen: Mehr Zeit für meinen Sohn, mehr Geduld, mehr Stabilität im Privaten.
Das würde ich rückblickend anders machen: Alles schriftlich in Vertragsform festlegen. Auch bei kleinen Kooperationen und geschäftlichen Vereinbarungen mit Bekannten.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #butfirstchampagne

MANUELA LINDLBAUER, 46, UNTERNEHMERIN

15 Jahre nach der Gründung von Lindlpower Personalmanagement hat sie sich aus der GF zurückgezogen. Jetzt fokussiert sie sich auf LP Experts.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Eisverkäuferin in einer Linzer Konditorei.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Es macht Spaß und süchtig. Und es ist toll, etwas bewegen zu können.
Es ist Zeit für Neues, wenn man aus den alten Schuhen herausgewachsen ist oder sie nicht mehr optimal passen.
Da war ich mutig: 2002 Lindlpower aus dem Nichts zu gründen und stetig zu expandieren. 2012 mit einem einjährigen Kind LP Experts zu initieren, obwohl mir alle abgeraten haben.
Das will ich 2018 erreichen: Loslassen - zulassen - auf Neues einlassen.
Das würde ich rückblickend anders machen: Mir noch mehr zutrauen, mehr riskieren und auf meinen Bauch hören.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #lindlpower

ALINA OLAR, 42, ASSISTANT MANAGER

In Rumänien hat sie als Journalistin gearbeitet, seit 2014 lebt sie in Wien und ist Assistant Manager.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Mit 18 habe ich ein Jahr als Kinderkrankenpflegerin gearbeitet.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Die richtige Balance zu finden, ist für mich Erfolg. Nicht nur die großen Träume, sondern auch die kleinen Schritte dorthin.
Es ist Zeit für Neues, wenn keine Neugier mehr da ist.
Da war ich mutig: In meinen 15 Jahren als TV-Journalistin gab es viele Herausforderungen. Auch, dass ich vor vier Jahren mit meinem Mann und unserer Tochter nach Österreich gezogen bin.
Das will ich 2018 erreichen: Eine neue Ausbildung machen.
Das würde ich rückblickend anders machen: Mehrere Sprachen lernen.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #lebensakrobatin

ELKE AUER, 48, IMMOBILIENTREUHÄNDERIN

21 Jahre war sie im Bank-Austria-Konzern, seit 2017 ist sie selbstständig mit Immobilienconsulting.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Mit sechs Jahren habe ich dreimal die Woche für eine alte Dame, die über uns gewohnt hat, ein Tag alte Semmeln besorgt, weil sie nur diese vertragen hat.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Dass es für jeden unterschiedliche Definitionen davon gibt. Für mich ist es, ausgeglichen zu leben.
Es ist Zeit für Neues, wenn man den Drang verspürt, etwas verändern zu wollen, und bereit dafür ist.
Da war ich mutig: Als ich den sicheren Gehaltsscheck gegen das Risiko der Selbstständigkeit getauscht habe.
Das will ich 2018 erreichen: Eine GmbH gründen, mit der ich Projekte im Immobilienbereich abdecken kann. Das würde ich rückblickend anders machen: Früher selbstständig machen.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #powerfrau

DANIELA WOLF, 29, REFUGEES{CODE}-GRÜNDERIN

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin initiierte eine Programmierschule für geflüchtete Menschen.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Bei der Pfirsichernte und mit der Umstrukturierung von Regalen im Baumarkt.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Wenn der Erfolg zu steil nach oben geht, geht dabei meist jemand über Leichen.
Es ist Zeit für Neues, wenn ich ständig Energie verliere.
Da war ich mutig: Ich habe meine Schüchternheit überwunden und mich vor die ORF-Kamera getraut.
Das will ich 2018 erreichen: Lernen, dass das Leben nicht nur ein Gaspedal hat, sondern auch eine Bremse. Das würde ich rückblickend anders machen: Die Zeit nicht so eng takten, sodass keine Luft mehr bleibt. Öfter dorthin gehen, wo die Menschen gar nichts haben. Das setzt einen selbst in eine neue Perspektive.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #überraschungspaket

HELGA RANTASA, 64, COMPLEMENT-CHEFIN

Sie war eine der renommiertesten Executive Search-Consultants, 2017 gründete sie ihre Partneragentur.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Ich war 14 und habe als Stubenmädchen in einem Ferienheim in Jesolo gearbeitet.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Er ist zerbrechlich, und man muss ihn pflegen wie eine anspruchsvolle Pflanze.
Es ist Zeit für Neues, wenn man bei Problemlösungen keine neuen Strategien mehr entwickelt. More of the same ist mir zu wenig.
Da war ich mutig: In meinem Alter noch einmal neu durchzustarten.
Das will ich 2018 erreichen: Ganz viele Menschen mit meiner Partnervermittlungsagentur glücklich machen.
Das würde ich rückblickend anders machen: Neben meiner Karriere auch mehr auf die Liebe achten.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #stehaufmanderl

HEIDRUN GRUBER-GRÖSSWANG, 42, CLUENY-MANAGERIN

Von der Brand Managerin zur App-Erfinderin.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Mit fünf Jahren habe ich Souvenirs aus Lignano zu Hause verkauft.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Erfolg ist, was einen zufrieden macht.
Es ist Zeit für Neues, wenn die Inspiration fehlt.
Da war ich mutig: Ich stürze mich nicht von Klippen, vertrete aber immer meine Meinung und gehe meinen Weg.
Das will ich 2018 erreichen: Job und Familie optimal vereinbaren. Und innovative Projekte vorantreiben, die die Zukunft unserer Kinder nachhaltig verbessern.
Das würde ich rückblickend anders machen: Meinem Bauchgefühl noch mehr vertrauen.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #heidilights.

DANIELA ZARTLER, 4, BACKOFFICE-LEITUNG RINGANA

Vom Tourismus wechselte sie ins Backoffice und leitet 22 Mitarbeiter.

So habe ich mein erstes Geld verdient: Mit 13 beim Aushelfen im Gasthaus des Nachbars.
Das habe ich über Erfolg gelernt: Er macht Freude, kommt aber nicht von allein. Sich nicht beirren lassen, an Rückschlägen wächst man.
Es ist Zeit für Neues, wenn man nicht mehr überzeugt ist von dem, was man tut, und die Motivation fehlt.
Da war ich mutig: Als ich vor Jahren meinen Job gekündigt habe, weil ich mich damit nicht identifizieren konnte. Ich war Alleinerzieherin, beim AMS kamen mir die Tränen, als mir mitgeteilt wurde, wie hoch mein Arbeitslosenbezug sein würde.
Das will ich 2018 erreichen: Meine Abteilung umstrukturieren, um noch besser und schneller zu werden.
Das würde ich rückblickend anders machen: Nichts. Jede Stufe war für etwas gut. Auch negative Erlebnisse haben mich wachsen lassen.
Dieser Hashtag beschreibt mich: #workingpowerwoman

NEUE INITIATVE. Zum Weltfrauentag am 8.3. starten wir mit starken Frauen ein Mentoring-Programm. Karriereladys schenken Leserinnen Coaching-Zeit. Mehr dazu in unserer Ausgabe am 1.3.

Thema: Karriere

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