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Warum ein Cupcake zu Morddrohungen führte

Es ist einfach nur erschütternd: Der Verkauf von "feministischen Cupcakes" löste tatsächlich Vergewaltigungs- und Morddrohungen aus.

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Cupcakes
© iStockphoto.com

Eigentlich klingt diese Geschichte komplett unglaubwürdig - wie kann man nur wegen einem Cupcake, einem kleinen, süßen Kuchen beziehungsweise ein paar Cent, einem anderen Menschen Gewalt androhen?

Aber es ist tatsächlich so passiert. Und in der ein oder anderen Form passiert es sogar täglich: in Online-Foren, Kommentaren oder sozialen Netzwerken. Nur der Grund ist nun einmal selten banaler.

An der australischen University of Queensland plante man im Rahmen einer feministischen Woche einen Cupcake-Verkauf. Diese sollten jedoch nicht nur gut schmecken, sondern zudem eine Botschaft in Bezug auf die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen transportieren: Ein Cupcake kostete 1 Dollar, aber für Frauen würde das Küchlein proportional weniger kosten - genau in dem Verhältnis, in welchem Frauen im Vergleich zu Männern durchschnittlich weniger verdienen.

"Ich will keinen Dollar für einen Cupcake zahlen - ich bringe alle Frauen um." Logische Konsequenz...

Daraufhin fühlen sich zahlreiche Männer so massiv benachteiligt (wir könnten sie rein theoretisch verstehen, uns geht es ja seit Jahrzehnten nicht anders), dass über Facebook, E-Mails und Telefonanrufe dutzende Rückmeldungen beim Organisationsteam landeten. Allerdings in einer Bösartigkeit und Brutalität, die seinesgleichen (oder die vermeintliche Anonymität des Internets) sucht.

Darunter Freundlichkeiten wie "Tötet alle Frauen!", "Frauen sind alle verdammter Abschaum, sie sollten schon als Babys getötet werden!" (die Konsequenzen für die Menschheit hat der Herr wohl nicht bedacht...) oder "Ich will all diese feministischen Fo**** mit ihren verdammten Kuchen vergewaltigen!".

Aussagen, die vielen, die sich schon einmal für die Rechte von Frauen eingesetzt haben, bedauerlicherweise wohl nicht neu sind. Denn kaum erhebt eine Frau die Stimme, wird sofort versucht sie mundtot zu machen. Mit allen erdenklichen Mitteln.

Genau diese Tatsache und natürlich ebenso die Gehaltsschere zwischen den Geschlechtern ist der Grund, warum wir auch im 21. Jahrhundert den Feminismus noch immer dringend brauchen.

Aber einen Vorteil hatte der Vorfall: Denn zum Cupcakes-Verkauf kamen tatsächlich Studentinnen und Studenten, die zuvor der Meinung waren, dass wir doch ohnehin schon alle gleichberechtigt sind und denen durch exakt jene Kommentare erst bewusst wurde, dass dies leider definitiv noch nicht der Fall ist.