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Warum entlieben wir uns eigentlich?

Die große Liebe, das große Glück. Trotzdem enden auch die scheinbar besten Beziehungen, entlieben sich Paare. Aus den immer gleichen Gründen (Seitensprünge sind es nicht).


Warum entlieben wir uns eigentlich?

Schauspieler Elyas M'Barek (hier mit Sängerin Lena): Frisch getrennt

© Instagram/elyjahwoop

Nein, wir wissen nicht, warum sich Schauspieler Elyas M'Barek von seiner Julia, Doktorandin und Model, getrennt hat. Das wissen nur die Beiden – und ja: Es geht auch wirklich nur die Beiden etwas an. Trotzdem sind wir immer wieder aufs Neue schockiert und überrascht, wenn sich scheinbar perfekte Paare trennen. Angelina Jolie und Brad Pitt? Gibts ja nicht. Jennifer Garner und Ben Affleck? Nach zehn Ehe-Jahren, drei gemeinsamen Kindern – warum? Oder eben der fesche Elyas M'Barek und die schöne Julia, nicht einmal ein Jahr, nachdem sie ihre Beziehung offiziell machten.

Warum entliebt man sich plötzlich von einem Menschen, in den man sich vor Monaten oder Jahren wie im Rausch verliebt hat, mit dem man nicht nur die Teetasse und Handtücher, sondern gleich das ganze Leben teilen wollte?

Wieso hört die Liebe irgendwann auf?

Das Ende einer Liebe ist schrecklich. Immer. Tränen, Trauer, Zorn, tiefer Schmerz: Psychologen beschreiben das, was man früher als "Liebeskummer" romantisierte, mittlerweile beinhart mit dem "Broken Heart Syndrom". Also Herzschmerz, der mit einer Krankheit vergleichbar ist. Und sich im schlimmsten Fall tatsächlich negativ auf die Gesundheit auswirkt.

Doch während die Gefühle NACH der Trennung wissenschaftlich ausreichend untersucht wurden, wissen wir nach wie vor relativ wenig über die tatsächlichen Auslöser, warum wir uns entlieben. Das geschieht nicht plötzlich, oft ist es ein schleichender Prozess, schon klar. Aber war führt wirklich dazu, dass sich die einst großen Gefühle einfach auflösen, es einem wie Schuppen von den Augen fällt: Ohne dich bin ich viel besser dran. Ich will nicht mehr.

Die Evolutionsbiologen haben da so eine Theorie. Eines Tages legt sich der Schalter im Kopf um, automatisch und unvermeidbar. Das habe die Natur so vorgesehen, so die Forscher. Denn dadurch erhöht sich die Fähigkeit, den Partner zu verlassen und die Gene andernorts erfolgreich zu verstreuen. Fortpflanzung, unser biologisch bestimmter Daseins-Zweck.

Aber wodurch das Umlegen des Schalters ausgelöst wird? Darauf gibt es keine Antwort, keine statistische Erhebung. Auch keine neurologischen Scans, die den plötzlichen Kurzschluss der Liebes-Synapsen belegen. Nur Indizien.

Um sich dem Problem zu nähern, führte die US-Psychologin Joanni Sailor Interviews mit Geschiedenen, wertete die Trennungsgründe aus und kategorisierte sie. Ihr Fazit? Die Entliebung ist ein Prozess aus vielen kleinen Augenblicken, in denen die Beziehung in Frage gestellt wird. Momente, in denen es um grundsätzlich Fehlendes geht – und oft nicht einmal direkt um den Partner als Person. Die Intimität (vor allem die sexuelle) ist in der Beziehung verloren gegangen, das Vertrauen fehlt – vor allem aber das Gefühl, vom anderen geliebt und wertgeschätzt zu werden.

Irgendwann legt sich der Schalter dann final um: Aus. Vorbei. Ich liebe nicht mehr.

Lässt sich das Liebes-Aus verhindern?

Kann man die Gefühle ändern? Eine Frage, die Beziehungs-Therapeuten beschäftigt. Fest steht: Es gibt Verhaltensweisen, die das Liebesglück verlängern, die Grund-Zufriedenheit in einer Beziehung und damit den Zusammenhalt stärken.

Sailor: "Wir unterschätzen immer wieder, wie wichtig Lob und Anerkennung sind. Paare, die in sehr langen Beziehungen sind, scheuen sich nicht, dem anderen zu danken, ihm ein Kompliment zu machen oder einfach nur durch Gesten zu signalisieren, wie wichtig und wertvoll er für sie ist." Denn, so eine These von Psychologen: Wir lieben einen anderen Menschen vor allem auch deshalb, weil er bereit ist, das Beste in uns zu sehen. Er fungiert quasi als unser "Spieglein an der Wand", das uns im besten Fall ständig suggeriert, dass wir die Schönste sind im ganzen Land.

Ein anderer wichtiger Punkt ist die Streitkultur, die Paare entwickeln. Der US-Psychologe John Gottman, der mit seinem Ansatz der Beziehungsanalyse durch Beobachtung Weltruhm erlangte, stellte fest, dass es bei Diskussionen zwischen glücklichen Paaren mit langanhaltenden, stabilen Beziehungen einen 5:1-Faktor gibt. Bedeutet: Auf jeden negativen Punkt in einem Streit folgen fünf positive.

"Schatz, ich hasse es, dass du den Müll nie runter bringst, aber ich liebe es... ". Nun gut. Wir werden daran arbeiten.

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