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Warum Frauen in der Arbeitswelt nicht die gleichen Chancen haben

Er gab sich zwei Wochen als Frau in seinem Job aus - und machte Erfahrungen, die ihm die Augen öffneten. Denn auf einmal wurde er vollkommen anders behandelt, was sich auch auf seine beruflichen Ergebnisse auswirkte.

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Der traurige Beweis, warum Frauen in der Arbeitswelt nicht die gleichen Chancen haben
© iStockphoto.com

Manchmal muss man es eben mit eigenen Augen erleben, sonst glaubt man nicht, wie anders Frauen im Berufsleben behandelt werden: Martin R. Schneider tauschte in einem Experiment einfach nur den E-Mail-Account mit seiner Kollegin Nicole und versandte für zwei Wochen unter einem weiblichen Namen seine beruflichen Nachrichten.

Und das Ergebnis, das ihn selbst überrascht und schockiert hat, teilte er öffentlich auf Twitter - mit den Worten "Ich hatte schon einige Gespräche darüber, wie es für Frauen in der Berufswelt ist, aber ich habe dessen Ausmaß unterschätzt, bis ich es selbst erlebt habe.":

(Die Übersetzung ins Deutsche dazu findest du untenstehend.)

Übersetzung: Hier ist eine kleine Geschichte darüber, wie mir @nickyknacks die Augen öffnete, wie unmöglich es für Frauen im Job ist, den Respekt zu erhalten, den sie verdienen: Nicole und ich arbeiteten für eine kleine Arbeitsvermittlungsfirma und es gab immer wieder die gleiche Beschwerde von meinem Boss: Sie würde zu lange mit den Kunden brauchen. (Er war ein Effizienz-Fetischist und Anhänger der sogenannten Gig-Economy, aber das ist ein andere Geschichte). Also beobachtete ich ihren Zeitaufwand und gab die Nörgeleien unseres Chefs an sie weiter. Wir hassten es beide und sie versuchte alles, um ihre Arbeit im Kundenkontakt zu beschleunigen.

Eines Tages schrieb ich mit einem Kunden per E-Mail hin und her und er war einfach unmöglich: unhöflich, herablassend und meine Fragen ignorierend. Ich ärgerte mich fürchterlich darüber, als mir etwas auffiel: Ich war in Nicoles Account eingeloggt und daher waren alle Nachrichten auch mit ihrem Namen versehen. Er war unverschämt zu Nicole, nicht zu mir. Aus einer Neugierde heraus, schrieb ich also "Hey, mein Name ist Martin, ich übernehme hier für Nicole."

Sofortige Verbesserung: positive Begrüßung, er bedankte sich für Vorschläge, antwortete auf Fragen und lobte mich sogar. Dabei änderte sich nie meine Arbeitsweise und auch nicht meine Texte. Der einzige Unterschied war, dass ich diese nun unter einem Männernamen versandte.

Ich fragte Nicole, ob so etwas öfter vorkam. Ihre Antwort: Nicht immer, aber doch sehr oft. Also starteten wir ein Experiment: Wir tauschten unsere Namen und E-Mail-Accounts für zwei Wochen. Leute - es war fürchterlich!

Ich war in der Hölle! Alles, was ich sagte oder vorschlug wurde hinterfragt. Kunden, mit denen ich nie ein Problem hatte, waren auf einmal herablassend. Einer fragte mich, ob ich Single wäre.

Nicole hingegen hatte die produktivste Woche ihrer Karriere. Und mir wurde klar, dass sie all diese Zeit mehr brauchte, damit die Kunden sie überhaupt akzeptierten. Ich war nicht besser in diesem Job als sie - ich hatte nur diesen unsichtbaren Vorteil meines männlichen Namens.

Ich zeigte unser Experiment unserem Boss aber er wollte es nicht glauben. Ich sagte ihm, das wäre okay, aber ich würde nie wieder Nicoles Arbeit kritisieren. Das wirklich Kranke daran ist jedoch: Für mich war dieses Erlebnis und diese Erkenntnis schockierend. Sie ist daran gewöhnt. Sie sah es eben als Teil ihres Berufslebens.