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Warum wir nach dem Sex manchmal weinen

Nach dem Orgasmus beginnt die Frau plötzlich zu weinen. War der Sex schlecht? Sind es Glückstränen? Was man über die postkoitale Dysphorie weiß.

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Warum wir nach dem Sex manchmal weinen

Nach dem Höhepunkt die Traurigkeit...

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Eigentlich sollte jetzt großes Glücksgefühl da sein, gepaart mit einer tiefen Entspannung. Sex, der Orgasmus, die Hormone und Neurotransmitter, die unsere Stimmung heben, die dazu beitragen, dass wir uns geborgen und zufrieden fühlen ...

Und trotzdem ist es bei manchen Frauen anders. Auf einmal werden sie tieftraurig, brechen in Tränen aus. Es rüttelt sie, es schüttelt sie, am liebsten würden sie den Partner anbrüllen oder bebend vor Weinen an seiner Schulter liegen.

Woher diese plötzliche Traurigkeit nach dem Sex? Weint frau aufgrund mangelnder Befriedigung? Ist es die schlechte Performance des Lovers? Ist sie melancholisch, vielleicht eben weil es so wahnsinnig schön war?

Die Wissenschaft versucht bereits seit geraumer Zeit, mehr über diesen sonderbaren Zustand nach dem Höhepunkt zu erforschen. Einen Namen gibt es bereits für den emotional verwirrenden Gemütszustand: "postkoitale Dysphorie."

Postkoitale Dysphorie: Wenn der Sex tieftraurig macht

Eine soeben präsentierte Studie von Forschern der Queensland University of Technology versucht, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Das Team um Dr. Robert Schweitzer befragte 230 Studentinnen aus der Schweiz und Australien online nach ihren Erfahrungen mit der postkoitalen Dysphorie.

46 Prozent der Frauen gaben an, das Gefühl zu kennen, fünf Prozent hatten es in den vorangegangenen vier Wochen sogar mehrfach erlebt. Zwei Prozent der Frauen sagten, es sei eigentlich immer so, nach dem Sex kommt die Traurigkeit. Die gute Nachricht also für alle, die den After-Sex-Blues kennen: Ihr seid nicht alleine, es gibt mehr Frauen, die so empfinden.

Aber warum kommt es zur Melancholie nach dem Liebesspiel? Darüber sind sich die Forscher noch nicht einig. Eine These meint, dass die auf den Orgasmus folgende Hormonveränderung ein Stimmungstief verursacht. Klingt logisch – trotzdem ist diese These wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt.

Das Ende des Liebesspiels wird wie eine Trennung empfunden

Eine andere These, dass es nämlich Schwierigkeiten mit dem Sex oder dem Partner gäbe, wurde durch die Untersuchung hingegen klar widerlegt. Die Frauen, die nach dem Sex regelmäßig traurig wurden, hatten sonst nicht mehr oder weniger Schwierigkeiten mit ihrem aktuellen Sexleben als die anderen Frauen.

Allerdings stellte das Forschungsteam durch weitere Fragen einen Zusammenhang zum Bindungsverhalten der Frauen her. Jene Frauen, die in der Beziehung fast symbiotisch aufgingen und sich verstärkt an ihren Partner klammerten, waren nach dem Liebesspiel häufiger verstört als andere.

Dr. Robert Schweitzer: "Es könnte durchaus sein, dass Frauen, die in ihrer Partnerschaft im psychologischen Sinne "verschmelzen", Probleme damit haben, sich nach dem Höhepunkt von ihrem Freund zu lösen. Man hat Sex miteinander, dann ist es vorbei. Der andere geht ins Bad oder dreht sich zur Seite – und dies fühlt sich für die von postkoitaler Dysphorie betroffenen Frauen ähnlich schmerzhaft an wie eine Trennung."

Jetzt aber die gute Nachricht: das Stimmungstief geht zum Glück nach einigen Minuten oder Stunden von selbst wieder vorüber. Was auch hilft: eine warme Dusche oder intensives Kuscheln mit dem Liebsten. Das hebt Studien zufolge die Laune relativ schnell wieder.